Einsatz rund ums kühle Nass: Die Wasserretter vom Schliersee

Eine Kuh, die baden geht, ein brennendes Elektroboot und ein Heißluftballon, der auf dem Schliersee notwassert: Dass die Arbeit als Wasserretter eintönig wäre – darüber können sich die Mitglieder der Wasserwacht Schliersee nun wahrlich nicht beschweren. In den vergangenen Jahren waren die Helfer in zahlreichen herausfordernden und spannenden Fällen rund um das kühle Nass im Einsatz. Zeit, die Arbeit der rund 40 aktiven Ehrenamtlichen der Ortsgruppe Schliersee einmal genauer vorzustellen.

 

Ein kleines Holzhaus im Strandbad Schliersee. Schon vor dem offiziellen Einsatzbeginn um 9.30 Uhr ist ordentlich etwas los in der Niederlassung der Wasserwacht Schliersee: Da werden Funkverbindungen aktiviert, Rettungsrucksäcke überprüft und das Boot aus der Wassergarage gefahren. Wenn sie gebraucht werden, möchten die rund 40 aktiven Mitglieder der Wasserwacht Schliersee einsatzbereit sein. Bis zu 80 Notfälle betreuen die Helferinnen und Helfer pro Jahr. Am liebsten natürlich solche, die gut ausgehen, erzählt Simon Horst, stellvertretender technischer Leiter der Wasserwacht Ortsgruppe Schliersee.

 

Vom Geretteten zum Rettungsschwimmer

Da war zum Beispiel der kleine Junge, den die Retter 2006 aus dem Wasser geholt haben: „Durch einen glücklichen Zufall ist einer unserer Helfer über das schon im Wasser liegende Kind gestolpert“, erinnert sich Simon Horst. „Wir konnten den Jungen erfolgreich reanimieren.“ Und so nicht nur ein Menschenleben retten, sondern auch ein neues Mitglied gewinnen: „Das Kleinkind von damals ist heute aktives Wasserwachtmitglied bei unseren Jugendlichen“, so Simon Horst.

 

Weit mehr als eine Baywatch-Boje

Damit die Rettungsschwimmer sinnvoll helfen können, benötigen sie eine entsprechende Ausstattung. Wer jetzt an knallrote Badeklamotten und die klassische Rettungsboje à la Baywatch denkt, der irrt gewaltig: Denn zur Ausstattung eines echten Rettungsschwimmers gehört viel mehr, erklärt Thomas Schaffarzyk, technischer Leiter der Wasserwacht Schliersee: „Zunächst einmal hat jeder unserer Wasserretter einen Helm auf – um sich zum Beispiel vor im Wasser treibenden Hölzern zu schützen. Er ist mit einem Neoprenanzug zum Schutz vor Kälte bekleidet und trägt eine Weste, die ihm im Wasser Auftrieb verleiht.“ Außerdem gehören eine Tauchmaske mit Schnorchel und Flossen zur Rettungsausrüstung dazu. Immer dabei ist auch ein sogenannter Wurfsack mit einer Rettungsleine, die in Not geratene Schwimmer ergreifen können.

 

Im Einsatz bis 30 Meter Tiefe

Neben der technischen Ausstattung besitzen aktive Wasserwachtmitglieder in aller Regel ein deutsches Rettungsschwimmabzeichen in Silber. Dafür müssen sie unter anderem in Kleidung 300 Meter in maximal zwölf Minuten schwimmen, 25 Meter Strecke tauchen und einen in Not geratenen Schwimmer wiederbeleben. „Im Anschluss an die klassische Ausbildung zum Wasserretter können die Mitglieder sich auch individuell qualifizieren“, erzählt Simon Horst. „Etwa als Bootsführer oder Rettungstaucher.“ Letztere sind – ausgestattet mit Pressluft und professioneller Tauchausrüstung – sogar bis 30 Meter Wassertiefe im Einsatz. Allerdings: Der Schliersee besteht aus einem südlichen und einem nördlichen Becken, an deren tiefsten Stellen der See sogar auf 40 bis 45 Meter abfällt.

 

Heißluftballon und Elektroboot in Gefahr

Über den sogenannten Funktisch steht die Wasserwacht Schliersee in direktem Kontakt mit der Leitstelle in Rosenheim, aber auch mit allen anderen Einsatzkräften von Rettungsdienst und Feuerwehr. Denn im Notfall zählt jede Sekunde. Wie etwa im vergangenen Jahr, als ein Heißluftballon im Schliersee notwassern musste. Über dem See ging dem Fahrer das Gas aus, er landete auf dem Wasser. Mithilfe der Wasserwacht konnten die Passagiere sicher an Land gebracht – und der Ballon samt Fahrer gen Rixner Alm ans Ufer geschleppt werden. Auch beim Brand eines Elektroboots auf dem Schliersee im Jahr 2016 griffen die Einsatzkräfte der Wasserwacht beherzt ein: Es gelang ihnen, ein Abschleppseil am in Flammen stehenden Boot zu befestigen und es ans Ufer zu ziehen. Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr konnte das brennende Boot dort löschen.

 

Streife fahren auf dem See

Der Großteil der Einsätze ist glücklicherweise weniger spektakulär: „Wir helfen auch nach Stürzen am oder im Wasser, oder wenn jemand in eine Glasscherbe getreten ist und sich den Fuß aufgeschnitten hat“, so Simon Horst. Eine der wichtigsten Baderegeln, die viele Menschen ignorierten, sei: „Niemals total erhitzt aus der heißen Sonne direkt ins kühle Wasser springen – das kann im schlimmsten Fall zum Kreislaufkollaps oder Herzinfarkt führen.“ Um den Überblick zu behalten und Präsenz am See zu zeigen, fährt die Wasserwacht zwei- bis dreimal täglich Streife an ihren Einsatztagen: „Die Leute sollen sehen, dass es uns gibt und wir im Notfall als Wasserretter für sie da sind“, sagt Alexander Grahammer, erster Vorsitzender der Wasserwacht Schliersee.

 

Ehrenamtliches Engagement

Besonders stolz ist er, dass viele Jugendliche dem Verein lange treu bleiben – oft durch die Pubertät hindurch: „Momentan gehören etwas 50 Nachwuchsrettungsschwimmer zu uns.“ Bemerkenswert ist übrigens auch, dass sich alle Teammitglieder ehrenamtlich in ihrer Freizeit engagieren. Für die aktuelle Badesaison haben die Wasserretter vom Schliersee vor allem einen Wunsch: „Wir hoffen, ihr genießt den Sommer am Wasser. Achtet auf die Baderegeln, auf Markierungen und Warnhinweise, sodass wir hoffentlich wenig Arbeit haben und euch nicht helfen müssen“, sagt Simon Horst und lächelt.

 

 

Sicher im Wasser – acht Tipps von den Schlierseer Wasserrettern

 

  1. Nie erhitzt oder unmittelbar nach dem Sonnenbad ins Wasser springen. Stattdessen langsam abkühlen und Schritt für Schritt an die Wassertemperatur gewöhnen.
  2. Auch im Frühjahr oder an den ersten warmen Tagen nie ohne Sonnenschutz ans oder ins Wasser gehen. Es reflektiert die Strahlung und begünstigt Sonnenbrände oder Verbrennungen.
  3. Begrenzungen – etwa für die Laich-Schutzzone – unbedingt beachten.
  4. Schilfzonen umgehen, denn Schilfblätter sind scharfkantig. Schwimmer können sich verletzen, Luftmatratzen werden ohne Probleme durchgeschnitten.
  5. Rücksicht nehmen: Wer mit dem Elektro- oder Ruderboot unterwegs ist oder via Stand Up Paddling (SUP) den See erkundet, sollte ausgewiesene Schwimmbereiche meiden und ganz allgemein auf Badende achten.
  6. Nie in der Nähe des Schlierseer Ausflugsschiffs baden, um nicht versehentlich in die Schiffsschraube zu geraten. Auch die Anlegezone rund um die Stege weiträumig meiden.
  7. Längere Strecken, die vom Ufer wegführen – wie zum Beispiel zur Insel Wörth – nie alleine schwimmen. Im Notfall kann die Begleitung Hilfe alarmieren.
  8. In einer Notsituation Ruhe bewahren und versuchen, möglichst energiesparend auf sich aufmerksam zu machen.

 

Bereitschaftszeiten der Wasserwacht Schliersee

am Wochenende und feiertags bei schönem Wetter jeweils ab 9:30 Uhr

 

 

Website

http://www.wasserwacht-schliersee.de

 

 

 

Sandra Leu Sandra Leu

Rheinländerin in Oberbayern. Ist der Liebe gefolgt und hat den Schliersee als Herzensort entdeckt. Freie Redakteurin, PR-Frau und Mama von Zweien. Berät beruflich Heldinnen und bloggt unter countrykruemel.de über Familienleben und Freizeittipps am See.