Beiträge

Palmbuschen binden – Tradition bewahren

Der Schlierseer Frauenbund bereitet sich auf Palmsonntag vor: Fleißig werden Waxlawa und Baumkatzl geschnitten, der Buchs wird auf die richtige Länge gebracht und gebunden. In manche Palmbuschen wird Hartriegel eingeflochten. Hartriegel ist ein besonders festes Holz und soll das Kreuz von Jesus darstellen. Zum Abschluss werden die Palmbuschen noch mit Bändern in den Kirchenfarben Geld und Weiß verziert.

 

 

Die Stimmung der Damen des Schlierseer Frauenbundes ist entspannt. Jede hat ihre Aufgabe. Es wird gelacht, geratscht und gebastelt. Eine Atmosphäre, die das Gefühl vermittelt, dass man auch dazugehören und Palmbuschen binden möchte. Wichtig ist allen, dass die Tradition erhalten bleibt. Der Erlös des Verkaufs geht in diesem Jahr an die Ukraine.

 

Nachgefragt: Was ist Waxlawa? „Waxlawa“ ist der bayerische Ausdruck für Stechpalme – „Wax“ ist bestes Bairisch; es bedeutet „spitz oder stachlig“, und „Lawa“ heißt Laub. Quelle: https://www.miesbach-tourismus.de/stechpalme-baum-des-jahres-2021 Was sind Baumkatzl? „Baumkatzl“ ist der bayerische Ausdruck für Palmkätzchen.

 

Lange Tradition in Schliersee

Das gemeinsame Palmbuschen-Binden für Palmsonntag, eine Woche vor Ostern, hat in Bayern eine sehr lange Tradition. Erinnern sollen die Palmbuschen an die Palmzweige, mit denen die Menschen damals Jesus zujubelten und ihn als Retter Israels feierten. Mit dem Palmsonntag beginnt in der Katholischen Kirche die Darstellung des Leidensweges Christi mit dem Einzug in Jerusalem. Am Palmsonntag werden auch in Schliersee die Handsträuße geweiht, und gemeinsam gehen die Schlierseer Katholiken in einer Prozession vom Schlierseer Heimatmuseum zur Sankt-Sixtus-Kirche. Verkauft werden die schönen Palmbuschen des Schlierseer Frauenbundes vor und nach den Gottesdiensten am Sonntag, den 10. April 2022, in den Kirchen Sankt Sixtus in Schliersee und Sankt Martin in Westenhofen. Der geweihte Palmbuschen wird zu Hause im Herrgottswinkel am Kruzifix befestigt oder aufgestellt. Palmbuschen vom letzten Jahr werden am folgenden Ostersonntag im Osterfeuer verbrannt.

 

Mein persönlicher Tipp: Am Palmsonntag kannst du in Schliersee bayerische Tradition erleben. 10:00 Uhr St. Sixtus Eucharistiefeier – Segnung der Palmbuschen am Kindergarten Kleine Heimat im Anbau des Schlierseer Heimatmuseums – anschließend Palmprozession zur Kirche mit „Esel Seppi“.

 

 

Frauenbund Schliersee

Erste Vorsitzende: Annemarie Huber

Kurweg 10

83727 Schliersee

Tel.: 08026/4679

 

Katholische Kirchenstiftung St. Sixtus Schliersee

Lautererstr. 1
83727 Schliersee

Telefon: 08026/6578

 

http://www.pv-schliersee-neuhaus.de/

 

 

 

 

Judith Weber

Redakteurin/freie Mitarbeiterin bei “Das Gelbe Blatt Miesbach”, Webdesign und Fotografie – Freude an neuen Blickwinkeln mithilfe eines Quadrokopters. Reiselustig und heimatverliebt. Lieblingsplatzerl: Insel Wörth im Schliersee

 

 

 

Florian Bachmeier über Fotografie: „Ein Spiel zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit“

Der Moment, als er seine erste Kamera in den Händen hielt: Daran kann Florian Bachmeier aus Schliersee sich auch heute noch gut erinnern: „Das war eine Kodak mit einen Disc-Film. So eine Kompaktkamera in Schwarz mit einer Oberfläche aus goldenem Metall-Imitat. Meine Eltern hatten die für die Ferien angeschafft“, erinnert er sich. „Ich habe den Film leer geschossen – und dann unheimlich lange gewartet, bis die Bilder aus dem Labor zurückkamen.“

 

 

Heute hat Florian Bachmeier die Passion von einst zum Beruf gemacht: Als Dokumentarfotograf und Fotoreporter bereist er die Welt. Große Medienhäuser wie Der Spiegel, Die Zeit, Geo oder Mare veröffentlichen die Arbeiten des Schlierseers. Zu seinen Kunden zählen Konzerne wie ProSiebenSat.1 und Lufthansa, aber auch Organisationen wie ProAsyl und das Goethe-Institut. Mehrfach wurden seine Bilder als bestes Pressefoto des Jahres in Bayern ausgezeichnet, zuletzt seine Momentaufnahme eines COVID-Patienten aus dem Frühjahr 2020.

 

 

„Es war klar: Das wird mein Medium.“

 

Dass die Kamera einmal sein bestes Ausdrucksmittel werden würde, das bemerkte Florian Bachmeier schon bald nach seinen ersten Urlaubsschnappschüssen. Er studierte Fotografie an der Escuela de Artes y Oficios in Pamplona. Der spanische Fotograf Koldo Chamorro wurde zu einem engen Freund und Mentor in dieser Zeit. Er traf die Magnum-Fotografin Cristina García Rodero und den tschechisch-französischer Fotografen Josef Koudelka. Bekam Inspiration und Anregungen in gemeinsamen Feedback-Runden und bei Fototouren aufs Land, bei denen sie den kulturellen und religiösen Traditionen Spaniens mit der Kamera nachspürten. Florian Bachmeier entwickelte seinen Stil, seine ganz eigene Bildsprache.

 

„Es war klar: Das wird mein Medium“, sagt Florian Bachmeier. „Fotografie ist eine sehr unmittelbare Art ist, sich auszudrücken. Man nimmt einen Augenblick und schneidet ein Fragment davon aus. Das hat etwas Mysteriöses. Ein bisschen früher oder später auf den Auslöser gedrückt, würde das Bild schon wieder ganz anders aussehen. Insofern ist Fotografie ein Spiel zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit.“

 

 

Ein Bild, mehrere Bedeutungsebenen

 

Nach den „Lehrjahren“ in Spanien, so Florian Bachmeier, folgte noch ein Studium der

Neuen und Neuesten Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Denn der

Schlierseer Fotograf möchte mit seinen Bildern tiefer tauchen: „Mein geisteswissenschaftliches Studium hat mir das Handwerkszeug gegeben, um Zusammenhänge zu erkennen“, sagt er. „Ein gutes Bild macht aus, dass es eine Aussage besitzt, die mehr oder weniger komplex sein kann. Dass in dem Bild mehrere Bedeutungsebenen vorhanden sind. Und ein Interpretationsspielraum: Raum für Fantasie und für die Geschichte an sich.“

 

 

Jedes Foto eine menschliche Begegnung

 

Das belegen auch seinen selbst gewählten Sujets und Projekte. Eine der ersten Fotoreportagen veröffentlichte Florian Bachmeier über eine Roma-Familie in Mitrovica im Kosovo: „Die Behörden hatten sie auf einer Blei-Abraumhalde angesiedelt, obwohl man wusste, dass das extrem schädlich ist. Die Familie trank jeden Tag verseuchtes Wasser.“ Seine Bilder zeigen die Menschen würdevoll, in klassischen Porträtposen. Und dennoch ist ersichtlich, dass das Gift Spuren hinterlassen, die Schleimhäute der Menschen schwer geschädigt hat. „Das vergessene Versprechen“ nannte Florian Bachmeier sein Projekt.

 

Dass es besondere Empathie braucht, um Menschen in solch verletzlichen Situationen zu zeigen – das ist dem Schlierseer besonders wichtig: „Jemanden zu fotografieren, ist ein sensibler Akt: Ich begleite die Menschen oft länger, baue Vertrauen auf, bevor ich ein Foto schieße, warte auf ein zustimmendes Nicken“, erzählt er: „Was ein Fotograf nicht sein sollte: zu gierig, zu schnell, zu forsch. Ein ‚geraubtes‘ Bild ist immer problematisch.“ Jedes seiner Fotos steht auch für eine menschliche Begegnung: Florian Bachmeier kennt die Namen der Menschen, die Geschichten, die sie ihm anvertraut haben, auch wenn das schon jahrelang zurückliegt.

 

 

 

Bildband „In Limbo“: Menschen im „Schwebezustand“

 

Einer der wichtigsten Schwerpunkte seiner Arbeit ist heute die Ukraine: Mit dem Bildband „In Limbo“ hat Florian Bachmeier im vergangenen Jahr das lange, vielschichtige Psychogramm eines Landes veröffentlicht, das von politischen Unruhen und historischen Konflikten geprägt ist. Ein Thema, das seit dem Ausbruch des Krieges heute traurige Aktualität erfährt. Von November 2013 an, dem Beginn der sogenannten Maidan-Revolution, war Florian Bachmeier immer wieder in der Krisenregion im Donbass unterwegs, zwischen ukrainischer und russischer Frontlinie, um Menschen „im Schwebezustand“ und ihre Schicksale zu porträtieren.

 

„Es gibt ja nicht die Ukrainer, sondern unendlich viele Ukrainer – so viele, wie es Menschen im Land gibt“, resümiert er. Sein Bildband zeigt diese unterschiedlichen Facetten. Vor allem aber die Gleichzeitigkeit von Unbeschwertheit und Angst, von Alltag im Ausnahmezustand: Kinder, die in Ruinen spielen – Pfeil und Bogen in der Hand, einen Lutscher im Mund. Ein Mann mit Schusswaffe im Arm und einem Kätzchen auf dem Schoss. Stapelhohe Sandsäcke in einem einst bewohnten Raum.

 

„Je nach Thema bin ich Chronist oder Aktivist. Das zeigt sich schon in der Entscheidung, wo ich die Kamera draufrichte“, sagt Florian Bachmeier: „Die Auswahl meines Bildausschnitts ist eine Stellungnahme. Ganz besonders in einem Land wie der Ukraine, wo einen die Vergangenheit so einholt.“ Müsste man Florian Bachmeiers Bilder in einem einzigen Satz beschreiben, es wäre wohl dieser: „Mir geht es immer um den Menschen, die ‚condition humaine‘“, sagt der Schlierseer. Genau deshalb wird er auch wieder in die Ukraine reisen, zu den Menschen, die er schon so viele Male porträtiert hat.

 

 

 

Florian Bachmeiers Fotoaufnahmen aus der Ukraine sind in Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. sowie Verlag & Galerie Buchkunst Berlin noch bis 31. Mai 2022 online zu sehen unter: https://art.kunstmatrix.com/apps/artspaces/?exhibition=9112664

 

Der Bildband „In Limbo – Ukraine 2013–2021“ ist in der BücherOase Schliersee oder per E‑Mail an mail@florianbachmeier.com erhältlich.

 

Einen Überblick über Florian Bachmeiers Portfolio für Medien und Unternehmen erhaltet ihr hier:

https://www.florianbachmeier.com

 

Auch Einzelpersonen können Florian Bachmeier buchen. Als Hochzeitsfotograf in Schliersee porträtiert er Brautpaare und ihre Gäste in einem zeitgemäßen, dokumentarischen Stil:

https://www.sausundbrausfotografie.de

 

Fotos 8–17 mit freundlicher Genehmigung © Florian Bachmeier

 

 

 

Sandra Leu

Rheinländerin in Oberbayern. Ist der Liebe gefolgt und hat den Schliersee als Herzensort entdeckt. Freie Redakteurin, PR-Frau und Mama von Zweien. Zeigt Unternehmerinnen und Gründerinnen, wie sie mit Storytelling sichtbar werden und ihre besten Kunden anziehen. Ihr Business: Hallo Heldin! Ihre Kreativitätstechnik: die Joggingrunde um den See.

 

 

 

Mozart für Ukraine | 26.03.2022, 20:00 Uhr, im Schlierseer Bauerntheater

Musik hilft in schwierigen Zeiten. Das sieht der Schlierseer Dirigent und Pianist Timm Tzschaschel aktuell bei einem Mädchen, das mit seiner Mama und seiner Oma aus der Ukraine flüchten musste. Von Kiew sind sie mit dem Auto den langen Weg nach Schliersee gekommen. Seit sie in Schliersee ist, spielt Timm fast jeden Tag mit ihr Klavier – vierhändig. „Musik tut diesen jungen Leuten gut“, berichtet Timm. Das Mädchen hat das Glück, mit der Musik ein bisschen aufgefangen zu werden.

 

 

Mit dem Konzert „Mozart für Ukraine“ möchte Timm Tzschaschel in erster Linie Spenden für die Ukraine-Flüchtlinge sammeln. Der komplette Erlös geht an die Flüchtlingshilfe. Dabei kann jeder Besucher selbst entscheiden, wie viel er spenden möchte. „Es gibt Karten für 20 Euro, 40 Euro und 60 Euro – bei freier Platzwahl“, erklärt Timm. Aber er möchte nicht nur den Flüchtlingen mit dem Konzert helfen. Er denkt auch an die Zuhörer. „Es tut gut in diesen Zeiten, einfach mal abzuschalten und in die Welt dieser göttlichen Musik abzutauchen“, sagt er. Deshalb habe er sich für ein Konzert nur mit Mozart entschieden. Gespielt wird aus dem Klavierkonzert B-Dur, KV 595 Adagio aus dem Klarinettenkonzert A-Dur, KV 622 und der Sinfonie Nr. 39 Es-Dur, KV 543. Unter dem Motto „Mozart für die Ukraine – Timm Tzschaschel und Freunde helfen den Flüchtlingen im Landkreis Miesbach“ hat Timm Musiker-Freunde zusammengeholt, die sich alle sehr auf den gemeinsamen Abend freuen. Es spielen Tessa Catchpole aus Neuhaus am Klavier und Markus Hofberger aus Schliersee an der Klarinette. Das Orchester nennt sich SOLIDAR. „Weil wir uns mit der Ukraine solidarisch erklären!“, sagt Timm, der das Orchester dirigiert. Schirmherr der Veranstaltung ist Landrat Olaf von Löwis. Die Besucher erwartet ein wunderbarer Abend. Am besten sicherst du dir gleich dein Ticket.

 

 

Samstag, 26. März 2022 um 20:00 Uhr im Schlierseer Bauerntheater

Du entscheidest selbst über die Höhe deiner Unterstützung für die ukrainischen Flüchtlinge. Kartenvorverkauf zu 20 Euro / 40 Euro / 60 Euro in der Gäste-Information in der Vitalwelt Schliersee und an der Abendkasse. Es gilt freie Platzwahl.

Online kannst du Karten über www.muenchenticket.de bestellen.

Bitte beachte die für die Veranstaltung gültige 2G-Regel und FFP2-Maskenpflicht.

Veranstalter: Josefstaler Elefant e. V.

Mozart für die Ukraine

Wer mehr über den studierten und international bekannten Musiker Timm Tzschaschel erfahren möchte, findet einen weiteren Beitrag bei uns im Schliersee Magazin: https://magazin.schliersee.de/ein-stueck-schlierseer-musikkultur-timm-tzschaschel-und-die-plauderei-am-klavier/

 

 

Fotos mit freundlicher Genehmigung vom Schlierseer Kulturherbst.

 

 

 

 

Judith Weber

Redakteurin/freie Mitarbeiterin bei “Das Gelbe Blatt Miesbach”, Webdesign und Fotografie – Freude an neuen Blickwinkeln mithilfe eines Quadrokopters. Reiselustig und heimatverliebt. Lieblingsplatzerl: Insel Wörth im Schliersee

 

 

 

In der Welt zu Hause, am Schliersee daheim – der Fotograf Florian Bachmeier und seine Passion

Eine mädchenhaft wirkende Frau in einem roten Umhang sitzt im Gras, im Hintergrund droht ein mächtiges und unwirtlich wirkendes Bergmassiv. Ihr Blick: leidvoll und zugleich stolz. Das Foto berührt, weil es eine schlichte Erhabenheit ausstrahlt und zugleich fremd und seltsam traurig wirkt. Das Porträt der jungen kirgisischen Nomadin ist ein Werk des Schlierseer Fotografen Florian Bachmeier und eines seiner Lieblingsfotos. Entstanden ist es in einem abgelegenen Tal in Afghanistan.

 

 

Ich treffe Florian Bachmeier in seinem kleinen Atelier in der Nähe der Gemeinde Schliersee. Das Erste, was mir auffällt, sind die vielen Bücher und Zeitschriften, die auf Regale, Tische und dem Schreibtisch verteilt sind. In vielen von ihnen findet man Fotostrecken meines Gastgebers. Die Mitte des Raumes dominiert ein großer Tisch, auf dem Florian seine Schätze ausgebreitet hat: Fotos, Fotos und noch mal Fotos. Auch das Mädchen aus Afghanistan ist darunter. „Ich arbeite gerade an meinem Portfolio“, antwortet er auf meine stumme Frage.

Ein Atelier voller Fotografien aus aller Welt

Ein Portfolio, das mit Porträts, Landschaftsaufnahmen, Straßenszenen und vielen anderen Motiven aus verschiedenen Kontinenten, Ländern, Städten und Dörfern dieser Erde reich gefüllt ist. Seit seiner fotografischen Ausbildung im spanischen Pamplona und einem Geschichtsstudium in München ist Florian viel herumgekommen. Als freier Fotograf bereiste er nicht nur Afrika, Afghanistan sowie große Teile des Balkans und Osteuropas – seine jüngste Reise führte sogar bis nach Venezuela: „Ich habe zwar schon viel von der Welt gesehen, aber in Südamerika war ich bis dato noch nie“, erzählt er freimütig. „Da kam mir der Auftrag einer meiner Kunden, eine Reportage über die Lebensumstände der Einheimischen während der Regierungskrise zu machen, gerade recht.“

Eine Reise in den Donbass

Sein „Spezialgebiet“ aber ist die Ukraine. Seit sechs Jahren fliegt der Schlierseer regelmäßig in das politisch gebeutelte Land, spricht mit den Menschen vor Ort und fängt mit seiner Kamera das ganze Elend des Krisengebiets, aber auch immer wieder ganz banale Alltagsszenen ein. Besonders im Donbass, jener nach wie vor von der ukrainischen Regierung und unbeirrbaren Separatisten hart umkämpften Region zwischen den ukrainischen und russischen Fronten. Dabei ist er nie „nur“ der Mensch hinter der Kamera, der auf den Auslöser drückt und dann wieder seiner Wege geht. „Empathie gehört zu meinem Beruf“, bekräftigt er.

„Es gab auch schon brenzlige Situationen“

Einer seiner Auftraggeber ist das journalistische Netzwerk N-Ost, das zahlreiche Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit  kritischer, unabhängiger und differenzierter Berichterstattung aus Osteuropa versorgt. In der Regel reagieren die Menschen, die Florian fotografiert, positiv auf Recherchen ausländischer Journalisten. Doch es gab auch schon brenzlige Situationen: „Im Februar 2015 war ich mal in einer Gefahrensituation“, erinnert er sich. Florian und seine Begleiterin, eine Journalistin von einem extrem pro-ukrainischen Medium, waren unterwegs zum Gefecht von Debalzewe, wo  sich trotz des Waffenstillstandsabkommens „Minsk II“ ukrainische Soldaten und aufständische Milizen ein heftiges Scharmützel lieferten. „Kurz vor der Ankunft gerieten wir in einen Hinterhalt prorussischer Separatisten, das war schon ziemlich haarig“, berichtet er.

Schreckgespenst Tuberkulose

Solche Erlebnisse sind aber zum Glück die Ausnahme und hindern den Schlierseer Kosmopoliten nicht daran, noch viele weitere Reisen in den Osten Europas zu unternehmen. Sein neuestes Projekt ist ein Buch über die Ukraine, das er mir der Unterstützung eines Bekannten aus dem Landkreis Miesbach plant. Sein erstes Buch „Der weiße Tod. Tuberkulose in Moldawien“ zeigt und erzählt in eindringlichen Fotos und Texten die geradezu endemische Ausbreitung der todbringenden Erkrankung nach dem Zerfall der Sowjetunion, die Hilflosigkeit der Ärzte und den erschreckenden Leidensweg Betroffener.

Für seine Arbeiten hat Florian Bachmeier in den vergangenen Jahren zahlreiche auch internationale Preise, Auszeichnungen und Nominierungen erhalten. Die meisten davon hängen ordentlich gerahmt an der Wand in seinem Atelier. Besonders freut er sich über die Auszeichnung „Pressefoto des Jahres  2015“  seiner Heimat Bayern.

 

 

Bodenständiger Kosmopolit

Privat lebt Florian ganz bodenständig mit seiner spanischen Frau und seinen beiden Kindern abwechselnd in Schliersee und  Spanien. Trotz seines Globetrotter-Daseins kehrt er immer wieder gerne in seine bayerische Heimat zurück und genießt das Zusammensein mit seiner Familie und seinen Freunden.  Doch egal, ob beim sommerlichen Baden in Fischhausen oder bei einer Tour mit seinen Kindern in die Schlierseer Berge – die Kamera ist seine ständige Begleiterin. Interessante Motive gibt es schließlich überall.

Mehr über Florian Bachmeier, seinen Lebensweg und sein fotografisches Œuvre gibt’s im Netz unter www.florianbachmeier.com.

 

 

Katharina Fitz

Wohnhaft in Warngau, geboren in Tegernsee, aber dem Schliersee herzlich zugetan. Zweifache Mama und als freiberufliche Redakteurin, Sprecherin und Schauspielerin viel unterwegs. Steckenpferde: Kunst und Kultur, Natur (vor allem Bäume) und Schuhe!