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„Wintersonnenwende“ am Schliersee

Jedes Jahr am 21. Dezember ist Wintersonnenwende, und danach werden die Tage wieder länger bis zur Sommersonnenwende am 21. Juni. Die Nacht vom 20. auf den 21. Dezember ist die längste des Jahres, und die Mittagssonne erreicht nun ihren tiefsten Stand am Horizont. Dieses Jahr haben wir an beiden Tagen Glück mit dem Wetter, es verspricht Sonne und Windstille. Noch früh am Morgen frisst sich die Kälte durch meine Handschuhe, und es schmerzt an den Fingern, aber ich möchte das Ereignis „Wintersonnenwende“ mit eigenen Augen bewusst erleben.

Kosmische Kräfte unendlicher Weite sorgen auf der Erde für vergleichsweise winzige Temperatur­schwankungen, so entstehen Frühling, Sommer, Herbst und Winter, und in noch größeren Zeitab­schnitten wechseln sich Warmzeiten mit Eiszeiten ‒ für mich bleibt es eines der unbegreiflichsten Rätsel unseres Seins. Verändert die Menschheit durch erhöhten CO2-Ausstoß inzwischen wirklich selbst das Klima der Erde? Angesichts derartig universaler Zusammenhänge finde ich ‒ ehrfürchtig verstummt ‒ für mich keine abschließende Antwort. Wie lange noch kann das Leben auf der Erde in dieser kosmischen Umgebung existieren? Ist sich der moderne Mensch in seiner technisierten Zeit der sozialen Netzwerke, der digitalen Medien und der neuesten Handys noch dieser elementarsten Zusammenhänge bewusst, oder befinden wir uns alle längst ‒ gedanklich abgelenkt ‒ in einer digitalen Traumwelt, in der für eine moderne Konsumgesellschaft Natur und Umwelt nur noch „gewöhnliches Beiwerk“ oder lediglich „Spekulations- und Tourismusobjekt“ geworden sind?

Der Schlierseer Kurpark wirkt heute Morgen irgendwie „tiefgefroren“, er ist jetzt menschenleer und der See noch eisfrei. Licht und Schatten mit dunstigem Nebel schaffen an solchen Tagen eine überwältigende Atmosphäre. Geduldig warte ich auf den Sonnenaufgang. Die Sonne lässt sich Zeit, bis sie endlich die Wipfel des Bergwaldes im Nebel erglüht. Nun ja, die Erde dreht sich eben doch nicht so schnell, wie das mancher gerne hätte.

Ich genieße die wohltuende Einsamkeit am See mit Blick auf die Schlierseer Berge, den Tag mit dem tiefsten Stand der Sonne ‒ auch, um die schönsten Augenblicke der Wintersonnenwende mit meiner Kamera festhalten zu können ‒ und fühle „für einen Moment das Glück Schliersee“ .

Text+Fotos: 21.12.2016 Helmut Jenne sen.

 

 

Helmut Jenne Helmut Jenne

Auf seinen Streifzügen durch die Natur ist sein Fotoapparat ein ständiger Begleiter. Helmut Jenne, wohnhaft in Schliersee, ist Musiker und EDV-Fachmann, Fotokünstler und Naturliebhaber. Mit seinen Fotos dokumentiert er seine Erlebnisse auf sehr natur- und heimatverbundene Weise, und so entstehen - trotzdem weltoffen - tief empfundene Momente und Blicke auf Landschaften, Pflanzen und Tiere der Berg- und Seenwelt rund um Schliersee.

 

 

 

Der fliegende Edelstein vom Schliersee

Langsam nähere ich mich meinem Beobachtungspunkt auf dem Brückerl über die Schlierach. Tarngrün und in ruhigen Bewegungen blicke ich durch ein handliches Fernglas ‒ und da sitzt er, regungslos, in voller Farbenpracht, zwischen den frisch verschneiten Ästen, ungefähr zwei Meter über dem Wasser ‒ ein Eisvogel.

helmutjennesen-eisvogel-05100_v4Wie in Zeitlupe greife ich zu meiner Kamera, nur ein einziges Foto gelingt, dann schießt er blitzartig ins Wasser, taucht mit einem Fischchen im Schnabel wieder auf und verschwindet im Bruchteil einer Sekunde hinter einem Busch.

Seit einigen Jahren ist der Eisvogel wieder häufiger am Schliersee und in der Schlierach zu beobachten ‒ ein gutes Zeichen dafür, dass Wasserqualität und natürliche Wildnis diesem beeindruckenden Vogel in Schliersee ein Zuhause bieten können, und welch eine Bereicherung für die Artenvielfalt in unserer Heimat, denn zu Recht wird er auch „der fliegende Edelstein“ unter den Vögeln genannt und ziert das Wappen des Landesbundes für Vogelschutz (LBV).

Trotz seiner bescheidenen Körpergröße lassen mich seine Geschwindigkeit, Wendigkeit und Farbenpracht als Mensch ganz schön klein erscheinen.

Im Herbst wird es still, denn die meisten Zugvögel sind dann längst in wärmere Gefilde entflohen.

Neben dem Eisvogel sind in Wassernähe ganzjährig auch noch besondere Vogelarten, wie z. B. Wasseramsel, Zaunkönig, Rotkehlchen, Amsel und vereinzelt Graureiher zu sehen.

Der Schliersee gefriert im Winter in den meisten Jahren vollständig zu, und so bildet die eisfreie Schlierach für diese seltenen Vogelarten besonders dann ein überlebenswichtiges Zuhause. Wir in Schliersee sollten deshalb gut auf unser kleines Bächlein achten.

Nicht alle Eisvögel überwintern bei uns in Bayern, viele kommen erst ab Februar in ihre Brutgebiete zurück. Doch bei uns in Schliersee machte ich die meisten Beobachtungen in den kühleren Herbst- und Wintermonaten, vermutlich, weil dann Jungtiere oder vorwiegend Männchen auf ständiger Suche nach neuen Revieren oder ergiebigen Nahrungsplätzen unterwegs sind.

Ein naturbewusster Spaziergang zum Freibad auf der Westseite des Schliersees oder vom Auslauf des Schliersees entlang der Schlierach bis zum Brückerl an der alten Mühle bietet Naturfreunden  zahlreiche Beobachtungsstellen, an denen man dem Eisvogel – ohne ihn zu stören ‒ begegnen kann (siehe Hinweiskarte). Zumeist fliegt er pfeilschnell knapp über der Wasseroberfläche dem Bach entlang an einem vorbei ‒ und das war es dann auch schon. Nur mit ruhigem Verhalten, Ausdauer, viel Geduld, einem Fernglas und stets immer wieder das Wasser im Blick, ergibt sich manchmal eine zufällige Gelegenheit, ihn sitzen zu sehen, und es näher und länger beobachten zu können,

„für einen Moment das Glück Schliersee“.

Text + Fotos: 07.11.2016 Helmut Jenne Sen.

Vogelbeobachtungen im Landkreis Miesbach auf der Internetseite des LBV Miesbach
http://www.lbv-miesbach.de/vogelbeobachtungen/bemerkenswerte-nachweise.html

 

Helmut Jenne Helmut Jenne

Auf seinen Streifzügen durch die Natur ist sein Fotoapparat ein ständiger Begleiter. Helmut Jenne, wohnhaft in Schliersee, ist Musiker und EDV-Fachmann, Fotokünstler und Naturliebhaber. Mit seinen Fotos dokumentiert er seine Erlebnisse auf sehr natur- und heimatverbundene Weise, und so entstehen - trotzdem weltoffen - tief empfundene Momente und Blicke auf Landschaften, Pflanzen und Tiere der Berg- und Seenwelt rund um Schliersee.

Tipp: Geführte Steinadlerwanderungen mit Georg Schindler

In Deutschland galt er bereits als ausgerottet, doch jetzt hat er sich im Alpenraum erfolgreich einen  Lebensraum zurückerobert, der König der Lüfte, der Steinadler.Seit acht Jahren führt Georg Schindler bis zu zehnmal im Jahr Wanderungen im Revier Schliersee/Spitzingsee durch und erklärt Interessierten alles über die Steinadler im Mangfallgebirge.

Wie erkenne ich den Steinadler, wie ist sein Brutverhalten, wie entwickeln sich die Jungvögel, was fressen Steinadler, wie jagen Steinadler, wie viele Steinadlerreviere und Brutpaare gibt es im Mangfallgebirge, haben die Steinadler heuer Nachwuchs, und vieles mehr.

Die Bergwelt rund um den Spitzingsee ist ein beliebtes Jagdrevier der Steinadler, und doch braucht  es – aufgrund der großen Fläche – eine große Portion Glück, Ausdauer und gute Beobachtungsgabe, dass sie sich uns zeigen.

Für dieses Jahr gibt es im Revier Schliersee/Spitzingsee nur noch vier Termine für die Steinadlerwanderung, also am besten gleich vormerken, dabeisein und mitwandern!

Mittwoch, 10.08.2016    9:30 Uhr   Parkplatz Spitzingsattel
Mittwoch, 24.08.2016    9:30 Uhr   Taubensteinbahn
Mittwoch, 07.09.2016    9:30 Uhr   Parkplatz Spitzingsattel
Mittwoch, 21.09.2016    9:30 Uhr   Taubensteinbahn

Wichtiger Hinweis:

Geführte Wanderungen können wetterabhängig nicht immer garantiert werden, ob eine Wanderung stattfindet erfahren Sie im Zweifel kurz vorher bei der Gästeinfo Schliersee.

Teilnahme erfolgt auf eigene Gefahr. Anspruchsvolle Wanderungen erfordern gutes Schuhwerk und wetterangepasste Kleidung. Zum Beobachten bitte ein Fernglas mitnehmen, der Wanderführer hat nur ein Fernglas dabei. Zum Teffpunkt Taubensteinbahn: Für Nutzung der Taubenstein-Bergbahn gibt es in Verbindung mit der Steinadlerwanderung Karten zum Sonderpreis.

Weitere Infos bei der Gästeinformation Schliersee, Tel. 08026 / 60 65  0

http://www.schliersee.de

Infos zum Steinadlerprojekt und weitere Termine in anderen Revieren:
http://www.Adler-Info.de

Helmut Jenne Helmut Jenne

Auf seinen Streifzügen durch die Natur ist sein Fotoapparat ein ständiger Begleiter. Helmut Jenne, wohnhaft in Schliersee, ist Musiker und EDV-Fachmann, Fotokünstler und Naturliebhaber. Mit seinen Fotos dokumentiert er seine Erlebnisse auf sehr natur- und heimatverbundene Weise, und so entstehen - trotzdem weltoffen - tief empfundene Momente und Blicke auf Landschaften, Pflanzen und Tiere der Berg- und Seenwelt rund um Schliersee.