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Kamera trifft Kletterseil: Der Schlierseer Moritz Attenberger ist einer der bekanntesten Outdoor-Fotografen Deutschlands

Ob Jack Wolfskin, Globetrotter oder Vaude: Moritz Attenberger aus Schliersee hatte schon fast alle großen Outdoor-Marken vor seine Kameralinse. Neben Werbe-Shootings realisiert der kletternde Fotograf auch redaktionelle Strecken, etwa für Geo Special oder das Magazin Outdoor. In diesem Sommer dokumentierte der Schlierseer eine herausfordernde Erstbegehung am Grundtvigskirken in Grönland für das Team von Extremkletterer Stefan Glowacz. Fragt man Moritz Attenberger aber, was seinen Weg als Fotograf am meisten beeinflusst habe, so erzählt der Schlierseer nicht etwa von alpinen Klettertouren an spektakulären Steilwänden, sondern von seinen Reisen nach Westafrika Mitte der 2000er-Jahre.

 

 

Extreme Begegnungen an herausfordernden Orten

„Benin, Togo, Burkina Faso, Mali – das hat alles bisher Erlebte und Gedachte relativiert. Das ist mein Referenzpunkt, an dem sich alles misst“, sagt Moritz Attenberger. „Wie überlebst du? Was isst oder trinkst du? Wirst du krank? Wo schläfst du? – In Deutschland kommen diese essenziellen Fragen nicht auf den Tisch, in Afrika stellen sie sich jeden Tag aufs Neue.“ Der Fokus auf das Essenzielle – das (Über-)Lebenswichtige – ist es auch, der seine Fotos heute auszeichnet. Schließlich bildet Moritz Attenberger nicht selten extreme sportliche Leistungen ab. Inszeniert Ausnahmeerscheinungen an hochalpinen Orten, die für andere niemals zugänglich sind.

 

Gemeinsam mit seiner Partnerin Sonja Forster und seinem Bruder war der Outdoor-Fotograf vor rund zehn Jahren nach Westafrika gereist, um das Motorrad seines Schwiegervaters nach Deutschland zu überführen. Der Kontinent faszinierte die drei jungen Erwachsenen so sehr, dass sie blieben – und auf Motorrädern mehr als 8.000 Kilometer durch Benin, Togo, Burkina Faso und Mali zurücklegten.

 

Tiefes Eintauchen in abseitige Themen

In Moritz Attenbergers Büro in der Schlierseer Seestraße steht eine großformatige Schwarzweiß-Fotografie aus dieser Zeit. Sie zeigt den Fotografen und seine Frau auf dem Motorrad. Erinnerungen? In Bildern natürlich! „Wir haben uns damals von einem der berühmtesten Fotografen Afrikas, Malick Sidibé, porträtieren lassen“, verrät Moritz Attenberger. Gleichzeitig war der Fotograf selbst mit der Kamera unterwegs. Und bekam durch Zufall die Chance, tiefe fotografische Einblicke in die Voodoo-Religion zu gewinnen.

 

„Wir waren zu Besuch in der Stadt Ouidah in der Republik Benin, dem Zentrum des Voodoo“, erinnert sich Moritz Attenberger. „Wir hatten unsere Motorräder gerade auf einem kleinen Platz geparkt, als uns ein Junge ansprach: ‚Wollt ihr den König sehen?‘ Eine Viertelstunde später hatten wir dann eine Audienz bei seiner Majestät Daagbo Hounon. Der saß mit Hut und Stange auf dem Gehsteig.“

 

So nah dran, dass es fast wehtut

Am Ende ihres Roadtrips durch Westafrika waren die drei Reisenden aus Deutschland um unzählige Erfahrungen reicher: „Zum sogenannten Papst des Voodoo kommen die Präsidenten von Benin und angrenzender afrikanischer Länder, um sich beraten zu lassen und gemeinsam in die Zukunft zu schauen. Die afrikanische Kultur beruht ja nicht auf Schriften, sondern auf Stories – das lässt sich im Vodoo sehr gut erkennen“, erzählt Moritz Attenberger.

 

Er und seine Begleiter waren eingeladen, an Ritualen und Zeremonien teilzunehmen, die sonst für Außenstehende verschlossen bleiben: „Das war wahnsinnig laut, wahnsinnig anstrengend, am Ende auch extrem unheimlich“, sagt Moritz Attenberger. „Das ist stilprägend für meine Fotografie bis heute: So tief in ein Thema einzutauchen, dass du sagst: Ich muss einen Break machen.“

 

Professionelle Bilder aus Extremsituationen

Am Ende einer langen Reise erschienen Moritz Attenbergers Reportage-Fotografien in der renommierten Berliner Zeitschrift „Das Magazin“. Und der Fotograf entdeckte ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal seiner Arbeit bis heute: „Meine Auftraggeber und ich haben irgendwann festgestellt, dass es einen Bedarf gibt an hochwertigen Bildern aus Extremsituationen. Weg von den Schnappschüssen, die vielleicht nebenbei entstehen, hin zu Profi-Fotos, die so hochaufgelöst sind, dass du am Ende sogar ein Blow-up daraus machen kannst.“

 

Den echten Bergsport mit der Kamera einfangen

Ein Geschäftsmodell, das bis heute die Grundlage für Moritz Attenbergers Erfolg bildet. Schließlich verbindet der 41-Jährige in seiner Arbeit die Fotografie mit seiner langjährigen Erfahrung im Klettern. „Ich klettere, seit ich laufen kann, hatte als Jugendlicher auch mal eine ambitionierte Phase“, so der Schlierseer. „Heute fotografiere ich die besten Kletterer der Welt. Da hilft es, selbst Kletterer zu sein. Dann kannst du gut einschätzen, wo jemand als Nächstes hin steigt, wann er seinen Karabiner klippt, und wann der richtige Moment ist, um auf den Auslöser zu drücken. Ich mache Bilder, die aus diesem echten Bergsport rauskommen, die nah dran sind.“

 

Grönland: „Der perfekte Auftrag!“

Eine Erfahrung, die Moritz Attenberger in diesem Sommer auch auf die Grönland-Expedition mit Extremkletterer Stefan Glowacz führte: „Der perfekte Auftrag, wenn man so will“, resümiert er. Schon lange sind der Abenteurer Glowacz und der kletternde Fotograf befreundet. Moritz Attenberger fotografiert regelmäßig die Kampagnen für Stefan Glowaczs Kletter-Label Red Chili. Doch dieser Auftrag war anders als ein klassisches Werbe-Shooting.

 

In Grönland ging es darum, eine Erstbegehung an einer sogenannten Big Wall zu dokumentieren. Das ist eine 1.300 Meter hohe Steilwand am Berg „Grundtvigskirken“ im Scoresbysund, dem größten Fjordeinschnitt der Welt. „Die Grönland-Reise war extrem facettenreich: Von Segeln über Bergsteigen bis hin zu senkrechtem Klettern war alles dabei“, sagt Moritz Attenberger.

 

Abenteuerliche Fahrt in eine abgelegene Gegend

Schon die Fahrt ins Eis war abenteuerlich: „Das Besondere an diesem Trip war, dass er möglichst CO2-neutral passieren sollte. Also nicht einfach einen Heli nehmen, die Wand klettern und wieder heimfliegen. Deshalb sind wir zuerst mit dem Zug nach Schottland gereist. Und von dort aus mit dem Segelschiff knapp drei Wochen lang über Island nach Grönland. Der Grundtvigskirken liegt in einer wahnsinnig abgelegenen Gegend.“

 

An der Big Wall in Grönland angekommen, plante das Team um Stefan Glowacz, die sogenannten Kingline zu klettern. „Das ist der steilste, kompakteste Wandteil, die kürzeste Strecke zum Gipfel – sehr ästhetisch, sehr logisch, sehr schön. So eine Route für eine Erstbegehung zu finden, ist ein kreativer Prozess“, sagt Moritz Attenberger.

 

Steinschlag an der Big Wall

Doch dann kam alles anders: Denn beim ersten Aufstiegsversuch von Stefan Glowacz und Philipp Hans wird den Kletterprofis ein Steinschlag fast zum Verhängnis. Moritz Attenberger erinnert sich: „Stefan hatte gerade die erste Seillänge geklettert, hatte Stand gemacht und seinen Kollegen nachgesichert. In dem Moment ist ein riesiger Felsbrocken aus der Wand rausgebrochen und auf den Stefan zugefallen.“

 

Nur 50 Meter vor den beiden Männern schlägt der esstischgroße Felsen auf einem Vorsprung auf und explodiert in viele kleine Stücke. Ein Regen aus Steinbrocken geht auf Stefan Glowacz und Philipp Hans nieder. Wie durch ein Wunder erleidet Philipp Hans nur einen Streifschuss, Stefan Glowacz träg drei schmerzhafte Einschläge im rechten Oberschenkel und dem rechten Unterarm davon. Das Duo tritt – unter Schock und mit stechenden Schmerzen – den Abstieg an.

 

Ikonische Bilder von einer Reise der Extreme

„Nach zwei weiteren Kletterversuchen an der Big Wall ist uns klargeworden, dass dieser Weg viel zu gefährlich ist“, erzählt Moritz Attenberger. „In dieser Region in Grönland hört der Permafrost auf. Das ständige Schmelzen, Frieren und wieder Schmelzen setzt dem Fels extrem zu, er wird porös. Das ist wie ein Fisch, der sich langsam seiner Schuppen entledigt.“

 

Das Team erkundet schließlich eine alternative Erstbegehungsroute: Vom Grat des Grundtvigskirken seilen sich die Kletterer in die Südwand ab und erklimmen dann in einem Zug den steilen Gipfel. Das fünf Mann starke Team auf dem nur tischgroßen, kurios geformten Gipfelplateau vor einer Kulisse aus Eisbergen und dem Scoresbysund im blauen Licht der Mitternachtssonne – Moritz Attenberger hat diesen Moment in einem fast schon ikonischen Foto festgehalten.

 

Mit Licht und Location zum perfekten Bild

„Mein Job war genau das: Die schönen Fotos von der Expedition heimbringen für Stefans Sponsoren und für die Medien. Denn jemand wie Stefan Glowacz, der vom Abenteurersein lebt, der braucht tolle Bilder“, sagt Moritz Attenberger. „Optisch kannst du in Grönland fast nichts falsch machen. Da fahren die Eisberge vorbei. Die Berge sind unwahrscheinlich schön, du hast permanent ein tolles Licht – es ist der Wahnsinn!“

 

Was machen seine Fotos aus, vielleicht jedes gelungene Foto? „Ein gutes Bild besteht immer aus verschiedenen Faktoren: Der Moment muss passen, der Bildausschnitt, Aktion, Licht, Styling, Leute und nicht zu vergessen: die Location.“ Aber, sagt Moritz Attenberger, und lächelt verschmitzt: Er werde auch gebucht, weil er „Stroh zu Gold spinnen“ könne.

 

Privat hat die Kamera Pause

Denn schließlich seien Fotoshootings mit berühmten Athleten oft zeitlich so begrenzt, dass man Einschränkungen hinnehmen müssen: „Die Sportler haben nur zu einer ganz bestimmten Uhrzeit an einer ganz bestimmten Location Zeit. Da kann ich dann nicht sagen: Das Licht reicht nicht aus. Oder: Der Hintergrund ist nicht optimal.“

 

Umgekehrt inspiriere ihn aber auch nicht jede tolle Landschaft dazu, zu fotografieren: „Wir wohnen jetzt seit über acht Jahren in Schliersee. Und der Blick auf die Bodenschneid berührt mich jedes Mal. Aber dieser Ort ist eben Rückzugsort für mich, kein Arbeitsort.“ Und eines sei sowieso klar, sagt Moritz Attenberger: „Wenn ich selbst in die Berge gehe, dann habe ich frei. Dann muss die Kamera daheim bleiben.“

 

 

Mehr zur Arbeit von Moritz Attenberger finden Sie hier:

 

Moritz Attenberger

Seestraße 13

83727 Schliersee

Web: https://www.moritzattenberger.com

E-Mail: moritz@moritzattenberger.com

Instagram: https://www.instagram.com/moritzattenbergerphoto/

 

Agentur Neubauer

Tel.: +49 (0)89.27 29 40 60

Web: https://agenturneubauer.com/photographers/moritz-attenberger/

E-Mail: info@agenturneubauer.com

 

 

Fotos 7-24: © Moritz Attenberger

 

 

 

Sandra Leu Sandra Leu

Rheinländerin in Oberbayern. Ist der Liebe gefolgt und hat den Schliersee als Herzensort entdeckt. Freie Redakteurin, PR-Frau und Mama von Zweien. Berät beruflich Heldinnen und bloggt unter countrykruemel.de über Familienleben und Freizeittipps am See.

 

 

 

In der Welt zu Hause, am Schliersee daheim – der Fotograf Florian Bachmeier und seine Passion

Eine mädchenhaft wirkende Frau in einem roten Umhang sitzt im Gras, im Hintergrund droht ein mächtiges und unwirtlich wirkendes Bergmassiv. Ihr Blick: leidvoll und zugleich stolz. Das Foto berührt, weil es eine schlichte Erhabenheit ausstrahlt und zugleich fremd und seltsam traurig wirkt. Das Porträt der jungen kirgisischen Nomadin ist ein Werk des Schlierseer Fotografen Florian Bachmeier und eines seiner Lieblingsfotos. Entstanden ist es in einem abgelegenen Tal in Afghanistan.

 

 

Ich treffe Florian Bachmeier in seinem kleinen Atelier in der Nähe der Gemeinde Schliersee. Das Erste, was mir auffällt, sind die vielen Bücher und Zeitschriften, die auf Regale, Tische und dem Schreibtisch verteilt sind. In vielen von ihnen findet man Fotostrecken meines Gastgebers. Die Mitte des Raumes dominiert ein großer Tisch, auf dem Florian seine Schätze ausgebreitet hat: Fotos, Fotos und noch mal Fotos. Auch das Mädchen aus Afghanistan ist darunter. „Ich arbeite gerade an meinem Portfolio“, antwortet er auf meine stumme Frage.

Ein Atelier voller Fotografien aus aller Welt

Ein Portfolio, das mit Porträts, Landschaftsaufnahmen, Straßenszenen und vielen anderen Motiven aus verschiedenen Kontinenten, Ländern, Städten und Dörfern dieser Erde reich gefüllt ist. Seit seiner fotografischen Ausbildung im spanischen Pamplona und einem Geschichtsstudium in München ist Florian viel herumgekommen. Als freier Fotograf bereiste er nicht nur Afrika, Afghanistan sowie große Teile des Balkans und Osteuropas – seine jüngste Reise führte sogar bis nach Venezuela: „Ich habe zwar schon viel von der Welt gesehen, aber in Südamerika war ich bis dato noch nie“, erzählt er freimütig. „Da kam mir der Auftrag einer meiner Kunden, eine Reportage über die Lebensumstände der Einheimischen während der Regierungskrise zu machen, gerade recht.“

Eine Reise in den Donbass

Sein „Spezialgebiet“ aber ist die Ukraine. Seit sechs Jahren fliegt der Schlierseer regelmäßig in das politisch gebeutelte Land, spricht mit den Menschen vor Ort und fängt mit seiner Kamera das ganze Elend des Krisengebiets, aber auch immer wieder ganz banale Alltagsszenen ein. Besonders im Donbass, jener nach wie vor von der ukrainischen Regierung und unbeirrbaren Separatisten hart umkämpften Region zwischen den ukrainischen und russischen Fronten. Dabei ist er nie „nur“ der Mensch hinter der Kamera, der auf den Auslöser drückt und dann wieder seiner Wege geht. „Empathie gehört zu meinem Beruf“, bekräftigt er.

„Es gab auch schon brenzlige Situationen“

Einer seiner Auftraggeber ist das journalistische Netzwerk N-Ost, das zahlreiche Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit  kritischer, unabhängiger und differenzierter Berichterstattung aus Osteuropa versorgt. In der Regel reagieren die Menschen, die Florian fotografiert, positiv auf Recherchen ausländischer Journalisten. Doch es gab auch schon brenzlige Situationen: „Im Februar 2015 war ich mal in einer Gefahrensituation“, erinnert er sich. Florian und seine Begleiterin, eine Journalistin von einem extrem pro-ukrainischen Medium, waren unterwegs zum Gefecht von Debalzewe, wo  sich trotz des Waffenstillstandsabkommens „Minsk II“ ukrainische Soldaten und aufständische Milizen ein heftiges Scharmützel lieferten. „Kurz vor der Ankunft gerieten wir in einen Hinterhalt prorussischer Separatisten, das war schon ziemlich haarig“, berichtet er.

Schreckgespenst Tuberkulose

Solche Erlebnisse sind aber zum Glück die Ausnahme und hindern den Schlierseer Kosmopoliten nicht daran, noch viele weitere Reisen in den Osten Europas zu unternehmen. Sein neuestes Projekt ist ein Buch über die Ukraine, das er mir der Unterstützung eines Bekannten aus dem Landkreis Miesbach plant. Sein erstes Buch „Der weiße Tod. Tuberkulose in Moldawien“ zeigt und erzählt in eindringlichen Fotos und Texten die geradezu endemische Ausbreitung der todbringenden Erkrankung nach dem Zerfall der Sowjetunion, die Hilflosigkeit der Ärzte und den erschreckenden Leidensweg Betroffener.

Für seine Arbeiten hat Florian Bachmeier in den vergangenen Jahren zahlreiche auch internationale Preise, Auszeichnungen und Nominierungen erhalten. Die meisten davon hängen ordentlich gerahmt an der Wand in seinem Atelier. Besonders freut er sich über die Auszeichnung „Pressefoto des Jahres  2015“  seiner Heimat Bayern.

 

 

Bodenständiger Kosmopolit

Privat lebt Florian ganz bodenständig mit seiner spanischen Frau und seinen beiden Kindern abwechselnd in Schliersee und  Spanien. Trotz seines Globetrotter-Daseins kehrt er immer wieder gerne in seine bayerische Heimat zurück und genießt das Zusammensein mit seiner Familie und seinen Freunden.  Doch egal, ob beim sommerlichen Baden in Fischhausen oder bei einer Tour mit seinen Kindern in die Schlierseer Berge – die Kamera ist seine ständige Begleiterin. Interessante Motive gibt es schließlich überall.

Mehr über Florian Bachmeier, seinen Lebensweg und sein fotografisches Œuvre gibt’s im Netz unter www.florianbachmeier.com.

 

 

Katharina Fitz Katharina Fitz

Wohnhaft in Warngau, geboren in Tegernsee, aber dem Schliersee herzlich zugetan. Zweifache Mama und als freiberufliche Redakteurin, Sprecherin und Schauspielerin viel unterwegs. Steckenpferde: Kunst und Kultur, Natur (vor allem Bäume) und Schuhe!

 

 

 

Erfolgreich und trotzdem bodenständig – der Schlierseer Schauspieler Ben Blaskovic

Wenn er vom stressigen Alltag abschalten möchte, geht Ben Blaskovic am liebsten zum Wandern in die Schlierseer Berge. Der 29-Jährige ist Schauspieler und hat am Schliersee seine Kindheit verbracht. Dass er einmal einen künstlerischen Beruf ergreifen und darin auch noch erfolgreich werden sollte, davon war er als Kind weit entfernt. Seine Eltern zogen nach der Geburt seiner Schwester vor über vierzig Jahren von Nordrhein-Westfalen nach Neuhaus und galten damals als „Zuagroaste“. Ein „Makel“, den auch der kleine Ben damals deutlich zu spüren bekam: Aufgrund seiner Herkunft wurde er von seinen Spielkameraden gehänselt.

Als er mit sechs Jahren das Schlagzeugspielen und später das Gitarrespielen lernte, nahm er sich vor, darin richtig gut zu werden. „Ich dachte mir, denen werd ich’s schon zeigen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Nach der Grundschule wechselte er auf das Gymnasium Miesbach, und von da an spielte seine „norddeutsche“ Herkunft keine Rolle mehr. Er spielte im Schulorchester und in der Bigband und fand in der Musik seine erste große Leidenschaft.

Mehr oder weniger durch Zufall gründeten einige seiner Schulkameraden dann eine Theater-AG am Gymnasium, und Ben machte mit. Seine erste große Rolle bekleidete er in dem Klassiker von Friedrich Dürrenmatt „Der Besuch der alten Dame“. Das gab den Ausschlag: Der Berufswunsch Schauspieler stand fest. Sein Handwerk lernte er durch privaten Schauspielunterricht in München, Berlin und Los Angeles. Seine erste Fernsehrolle bekam der smarte Darsteller im ARD-Dauerbrenner „Marienhof“. Von da an ging‘s steil bergauf mit der Karriere. Ben Blaskovic spielt in zahlreichen Serien mit, wie „Rosenheim Cops“, „Hubert und Staller“, „In aller Freundschaft“ und demnächst auch in „Soko Kitzbühel“. Außerdem war er in großen Fernsehfilmen und sogar schon im Kino zu sehen. Seine Engagements führen ihn durch ganz Europa, sogar in der Karibik durfte er schon für eine Folge des „Traumschiffs“ vor der Kamera stehen.

Seine „wahre Leidenschaft“, das Musikmachen, hat er neben all seinem Erfolg aber nie aufgegeben. Als Singer-Songwriter tritt er regelmäßig auf verschiedenen Bühnen auf. Ein kurzer Ausflug ins Produzentenfach führte ihn im vergangenen Jahr beruflich in seine Heimat. Bei dem Kinofilm „Nesseltal“ fungierte Blaskovic als Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent. Gedreht wurde die unheimliche Geschichte unter anderem im Gebiet rund um den Schliersee. Premiere feiert der Film an Halloween in München.

Ben Blaskovic ist gut im Geschäft. Allein in diesem Jahr hat er ein Pensum von rund 100 Drehtagen zu bewältigen, auch für sein neuestes Projekt: Die RTL-Serie „Lifelines“. Darin übernimmt er die Rolle des Bruders der Hauptfigur.

Doch wann immer er Zeit findet, zieht es ihn an den Schliersee zu seiner Familie und in die geliebten Berge. Denn seine Heimat ist und bleibt ihm wichtig, ob im Sommer zum Wandern oder im Winter zum Skifahren.

Und seine drei Lieblingsplätze in Schliersee hat er uns auch verraten:

der Gipfel der Brecherspitz, die Badebucht in Fischhausen und das Restaurant des Schlierseer Strandbads zum „Burger-Essen“.

 

 

www.benblaskovic.com

 

Copyrights Bilder:

Wanderbilder Tegernseer Hütte – Katrin Nicols
Portraitbilder bunter Pulli, Cappi, grauer Pulli – Daniela Pfeil
Segelbilder – privat
Bilder mit blauem Dakine Cappi – Adrian Winkler
Wanderbilder Winter Kesselalm – privat

 

Katharina Fitz Katharina Fitz

Wohnhaft in Warngau, geboren in Tegernsee, aber dem Schliersee herzlich zugetan. Zweifache Mama und als freiberufliche Redakteurin, Sprecherin und Schauspielerin viel unterwegs. Steckenpferde: Kunst und Kultur, Natur (vor allem Bäume) und Schuhe!

 

 

 

Fotoausflug mit Hunden in die Valepp

Trübes Wetter, sechs Grad Temperatur ‒ was kann man da unternehmen? Vielleicht in die Vitaltherme oder in ein Museum?

Als Hundeherrchen stellt sich die Frage nicht, natürlich geht es raus in die Natur, meinezwei Labradore wollen sich bewegen! Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung …

Wir fahren hinauf zum Spitzingsee und wollen uns von dort in die Valepp begeben. Meine Kamera ist sowieso immer dabei, damit ich, wenn sich ein schönes Motiv zeigt, nicht vor der Situation stehe: Hätte ich nur meine Kamera dabei!

Postkartenfotos werde ich heute wohl eher nicht hinbekommen; wolkenverhangene Berge und eine weitgehend graue Landschaft nach dem Winter sind da nicht die besten Voraussetzungen ‒ Zeit, ins Detail zu gehen. Bei genauem Hinsehen entdeckt man, wie die ersten Blütenstände vom Pestwurz aus der Erde kommen, das Gras streckt seine grünen Sprösslinge durch die verdorrten Überreste vom Vorjahr und vieles mehr.

Mit den Hunden habe ich ohnehin immer ein lebendiges Motiv dabei, und wenn die Natur nicht viele Farben zu bieten hat, dann mache ich eben grafisch interessante Schwarzweiß-Aufnahmen.

Meine Ausrüstung besteht heute aus der Canon EOS 5D Mark III und dem 50 mm 1,4 Normalobjektiv, also kein Zoom, kein Weitwinkel, kein Tele, einfach nur der Blickwinkel, der sich ungefähr unserem Auge bietet. Diese Reduktion auf das Wesentliche hat seinen eigenen fotografischen Reiz ‒ ich bin gezwungen, mir über den geeigneten Bildausschnitt mehr Gedanken zu machen und mich auch mal zu Fuß in die richtige Position zu begeben.

Die Ausrüstung spielt aber eigentlich gar keine so große Rolle, auch mit einfachen Kameras und mittlerweile sogar mit dem Handy lassen sich schöne Fotos machen. Wenn man den Blick auch mal von den plakativen Motiven weglenkt und sich genauer umsieht, kommen spannende Aufnahmen heraus, egal bei welchem Wetter.

Ich habe heute vorwiegend mit geöffneter Blende 1,4 bis 2,8 fotografiert. Man erhält so nur einen kleinen Bereich des Bildes, der wirklich scharf ist, lenkt aber den Blick auf das Wesentliche.

Wir begeben uns vom Parkplatz am Spitzingsee auf den Fußweg Richtung Valepp. Den Hunden ist das Wetter egal, es gibt viel zu schnuppern und zu erkunden. 200 Meter, nachdem wir an der Klausenhütte links abgebogen sind, öffnet sich vor den Augen die Valepp mit ihren Almen ‒ immer wieder ein imposanter Blick! Heute sieht man die Berge halt nicht so gut, wir verharren immer wieder und suchen nach Motiven im Kleinen. Das ist übrigens gelebte Entschleunigung, ich glaube, den meisten Wanderern entgeht so manches liebenswerte Detail, wenn sie nur schnell von A nach B hetzen.

Arnie und PeeWee, so heißen meine beiden Foxred-Labradore, entdecken die allerletzten Schneefelder und jagen durch den Firn ‒ Hunde lieben Schnee einfach! (Uns Menschen ist es langsam ganz recht, wenn der Winter vorbei ist.)

Wir biegen direkt da, wo die Abfahrt vom Roßkopf den Berg herunterkommt, links ab und folgen dem kleinen Bachlauf. In kleinen Kaskaden fließt er Richtung Valepp, vereinzelt sind da auch Gumpen zu finden. Die Hunde stürzen sich in die Fluten, ich warte lieber noch sechs bis acht Wochen, bis die Temperatur nicht mehr ganz so arktisch ist.

Die kleinen Wasserfälle lichte ich in zwei verschiedenen Belichtungszeiten ab, einmal ganz kurz mit 1/1000 sec. einmal lang mit ¼ sec. Mit der kurzen Belichtungszeit friere ich die Bewegung des Wassers ein, mit der langen entsteht ein milchiger Fluss ‒ da muss jeder selbst entscheiden, was ihm besser gefällt.

Normal bräuchte ich für die lange Belichtungszeit ein Stativ, moderne Kameras haben allerdings Bildstabilisatoren eingebaut, sodass man es bei ruhiger Hand noch einigermaßen hinbekommt. Sehen tut man es allerdings, unweigerlich wackelt man immer etwas, auch mit ruhigen Chirurgenhänden.

Eine alte Holzbrücke kreuzt unseren Weg, der Zahn der Zeit hat seine Geschichten in das Holz geschrieben ‒ schon wieder tolle Ansichten und etwas Zeit zum Verweilen.

Es lohnt sich auch, sich die über die Valepp verteilten Almhütten genauer anzusehen, hier entdeckt man so manches interessante „alpenländische“ Motiv.

Über die Wiesen geht es zur Albert-Link-Hütte. Wer mag, kann sich hier von der anstrengenden Fotografiererei erholen und sich stärken. Über die Teerstraße geht es dann wieder hinauf zum Spitzingsee, den wir nach zehn leichten Minuten bergauf wieder erreichen. Ich denke, ich habe einige ganz spannende Bilder im Kasten!

Es lohnt sich, nicht nur die Szenen abzulichten, die schon Tausende vor einem in mehr oder minder guter Qualität fotografiert haben, sondern gerade an Tagen mit Schmuddelwetter kann man, auch durch die weniger ausgeprägten Lichtkontraste, sein fotografisches Auge schulen.

Es lohnt sich übrigens genauso, die Fotos nicht in Rekordzeit durchzuklicken, sondern auch hier etwas zu verweilen und zu schauen 🙂

Zur Wanderung: Entfernung 3-4 km, leichtes Gelände, festes Schuhwerk empfehlenswert

Dauer: je nachdem, bei wie vielen Motiven man stehen bleibt, 45 Min. bis 1 ½ Stunden

Man kann den Weg an der Valepp auch bis zum Blecksteinhaus weitergehen und dann auf dem Rückweg auf den Wiesen am Fluss neben der Teerstraße nach weiteren Motiven Ausschau halten; die Route beträgt dann 5-6 km

 

 

Jens Pohl Jens Pohl

Jens Pohl ist selbstständiger Tierarzt in der Kleintierpraxis Hausham. In seiner Freizeit ist er viel mit seinen beiden Foxred-Labradoren PeeWee und Arnie in der heimischen Natur unterwegs, die Kamera ist immer dabei. Er ist Mitglied im Tennisclub Schliersee, im Fischereiverein Schliersee und in der Skizunft Neuhaus. Viele seiner Bilder sind auf seinem Blog SEHSTÄRKE bei Facebook zu sehen.