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Ein Herbsttag zum Verlieben!

Heute nehme ich euch mit auf einen Herbsttag zum Verlieben.

Morgens um 7:00 Uhr bei 0 °C am See. Der Nebel wird langsam verscheucht von der Sonne und sie kämpft sich den Weg frei Richtung See. Es ist eine stille und mystische Stimmung, die immer wieder fasziniert.

 

 

Die Bergspitzen werden geküsst von der Sonne, langsam erscheint der See in ihr.

Richtung Schliersee werden die Strahlen immer wärmer und intensiver. Der Ort liegt bereits sehr in der Sonne, und ich mache mich auf zum Morgenkaffee. Herrlich ist es in der Früh am See und im Kurpark.

 

Dann packe ich meine Wanderschuhe. Mein Ziel ist die Schliersbergalm. Heute gehe ich von der Unterleiten hoch. Der Weg geht herrlich durch den Wald, Stück für Stück nach oben, und man sieht bei jedem Schritt die Baumspitzen näherkommen.

Oben angekommen, begeistert mich wie immer dieser herrliche Blick über den See.

Eine kurze Rast mit einer Brotzeit muss natürlich sein.

Beim Abstieg kann ich es nicht lassen ‒ wie oft habe ich diesen See schon von dieser Perspektive fotografiert? Unzählige Male, aber es ist immer wieder schön.

 

Kaum auf der Teerstraße angelangt, geht es links Richtung Hochburg. Ein kleines Stück, dann den Waldweg hoch ‒ und wieder dieser Ausblick. Ein Träumchen, wenn nicht zwei.

 

Jetzt packt mich der Durst, und ich laufe weiter auf Richtung Lauber Beach. Das ist auch so ein Anziehungspunkt am See. Ich genieße immer wieder den Blick vom Ufer aus über den See.

 

So ein Tag müsste einfach mehr Stunden haben.

Langsam geht die Sonne unter, und die letzten Strahlen liegen über dem See, bevor sie hinter den Bergen verschwinden.

 

Und dann wird es wieder leise, und der Ort erstrahlt im Lichtermeer.

Der Mond sagt noch kurz Hallo, dann verschwindet auch er hinter den Bergen und flüstert leise: „Gute Nacht, Schliersee.“

 

 

Ich hoffe, ihr habt euch auch wieder verliebt … wie ich. Immer wieder aufs Neue.

 

Bis bald am Schliersee, gute Nacht.

 

 

 

Sabine Hartmann

Geboren in Ingolstadt als echte Schanzerin. Zweitheimat Schliersee. Naturmensch mit Leidenschaft zur Fotografie

 

 

 

Wandern für Faule: drei Aussichtspunkte in Schliersee, die ihr ohne Anstrengung erreicht.

Wandern liegt im Trend. Und das völlig zu Recht. Durch die Täler und auf die Gipfel der Schlierseer und Spitzingseer Berge: Die Bewegung in der Natur zählt zu den schönsten Freizeitbeschäftigungen direkt vor unserer Haustür. Aber nicht jede oder jeder schafft die große alpine Klettertour. Und nicht jeden Tag bleibt Zeit für einen fünfstündigen Weg über malerische Almwiesen und zu hochaufragenden Gipfelkreuzen.

 

 

Deshalb stelle ich euch drei geniale Aussichtspunkte in Schliersee vor, die ihr mit minimalem Aufwand – in unter 30 Minuten – erreicht. Und die euch dennoch eine maximal schöne Aussicht auf unseren See und die Berge bieten. Ohne schweißtreibenden Aufstieg, aber mit sensationellem Fotopanorama.

 

Der Schlierseer Weinberg

 

Ja, tatsächlich, wer genau hinsieht, entdeckt die Weinstöcke, die diesem Hügeln mitten im Ort seinen Namen geben. Der Schlierseer Weinberg liegt gleich neben dem Rathaus und ist in gemütlichen Serpentinen zu erklimmen – für schnelle Geher in unter zehn Minuten. Wer es etwas langsamer angehen lässt, braucht vielleicht 20 Minuten bis zur Kuppe. Unterwegs laden zahlreiche Sitzgelegenheiten zum Verweilen und Aussichtbestaunen ein.

 

Auf der Hälfte des Weges wartet eine wahrhaft royale Begegnung auf die Wanderer: Eine Bronzebüste von König Ludwig II. erinnert daran, dass der Märchenkönig im Jahr 1865 zu Gast in Schliersee war. Im Alter von 20 Jahren, so fanden es Historiker heraus, sei der sogenannte Märchenkönig zur Hochzeit eines Schlierseer Brautpaars an den See gereist.

 

Auf dem Hügel angekommen, genießt ihr eine wunderbare Sicht auf See und Ortskern – inklusive der gelb leuchtenden Pfarrkirche Sankt Sixtus. Zu bestaunen ist auch die kleine gotische Kapelle Sankt Georg, die Georg von Waldeck der Ältere 1350 errichten ließ.

 

Übrigens: Auf Bewegung folgt Biergarten, oder nicht? Am Fuße des Weinbergs liegt der Ratskeller Schliersee. Bayerische Schmankerl und traditionelle Wirtshauskultur erfreuen dort müde Wanderer.

 

 

Mein Fazit:

Bester Blick für den kürzesten Aufstieg

 

Adresse:

Hans-Miederer-Straße 3

83727 Schliersee

 

Link in Google Maps:

https://goo.gl/maps/LAFWPjdhizHipbiX7

 

Ratskeller Schliersee

Rathausstraße 1a

83727 Schliersee

https://www.ratskeller-schliersee.de

 

 

Die Schlierseer Hochburg

 

Keine „Burg“ mehr, aber zweifelsohne „hoch“ gelegen: Die sogenannte „Hochburg“ befindet sich etwas versteckt auf einem Hügel am Fuße des Schliersbergs. Historisch stand an diesem Platz das ehemalige Wohnhaus der Waldecker, genannt „Hochburg“. Heute erwarten euch dort eine steinerne Ruhebank sowie eine Bronzebüste des Schlierseer Kunstmalers Karl Haider.

 

Auch die Hochburg ist direkt vom Ortszentrum aus in höchstens 30 gemütlichen Gehminuten zu erreichen. Direkt hinter dem Rathaus folgt ihr der Hans-Miederer-Straße den Berg hinauf und passiert unter anderem das im Heimatstil verzierte Landhaus Radspielergasse. Zur Zeit des Waldecker-Grafen waren im Schutze der Burg die Handwerker des Ortes angesiedelt – Schneider, Schuster, Weber und Metzger.

 

Achtung, Abzweigung nicht verpassen: Bei einer Bank auf der linken Seite der Hans-Miederer-Straße folgt ihr dem gelben Wegweiser über den Musikmeister-Reil-Weg in Richtung „Hochburg“. Oben angekommen, begrüßt euch das 1921 errichtete Karl-Haider-Denkmal mit der ein wenig streng dreinblickenden Büste des Künstlers. Aus dem Schatten des baumbeschirmten Denkmals tretet ihr heraus in die Sonne – und genießt einen wunderbar wilden Blick über den ganzen Schliersee, Insel Wörth inklusive.

 

Für den Abstieg in die Ortsmitte Schliersee folgt ihr dem gelben Wegweiser – und gelangt über einen kleinen Ziehweg zum Biohof Sonnenstatter. Wer Glück hat, bekommt dort in den Morgenstunden selbst gemachten Mozzarella, Joghurt, Topfen oder Milch direkt ab Hof. Wandern macht schließlich hungrig …

 

 

Mein Fazit:

Verwunschener Aussichtspunkt mit historischem Flair

 

Adresse

Karl-Haider-Denkmal

83727 Schliersee

 

Link in Google Maps:

https://goo.gl/maps/Zx41KdZR1Tz9hPkz9

 

Biohof Sonnenstatter

Schießstättstraße 7

83727 Schliersee

http://gaestehaus-sonnenstatter.de/

 

 

Der Sonnleitenweg in Schliersee

 

Wo Berg und Tal zusammentreffen – da befindet sich dieses wunderschöne Fleckchen Erde. Der „Sonnleitenweg“ oder „Ledersberg-Rundweg“ führt über die sanften Hügel oberhalb des Schliersees und wieder zurück in den Ortskern bis zum Gasthof Terofal.

 

Los geht der circa 30-minütige Spaziergang am Minigolf Schliersee (Seestraße 23). Von dort aus folgt ihr den gelben Hinweisschildern „Sonnleitenweg“. Ihr passiert die Minigolfbahnen und gelangt auf einen baumbestandenen Weg durch weite grüne Wiesen, auf denen im Spätsommer die Kühe grasen. Am Ende des Wiesenwegs folgt ihr der Straße „Unterleiten“ – und biegt gleich nach dem Gästehaus Sonnblick links ab. Die gelben Hinweisschilder weisen euch den Weg zur „Sonnleiten“, „Ledersberg“.

 

Nach einem klitzekleinen Anstieg erreicht ihr das Plateau, auf dem gleich mehrere Bänke zum Verweilen einladen. Ein perfekter Platz, um die satten Farben der Schlierseer Spätsommerlandschaft zu genießen und Energie zu tanken.

 

Für den Abstieg in Richtung Schliersee passiert ihr das Gatter am Ende des Weges und quert eine Kuhweide. Über den Ledersberg und die Konrad-Dreher-Straße lauft ihr hinab bis zum Gasthof Terofal – und belohnt euch dort mit einem Kaltgetränk oder einer Köstlichkeit aus der Küche.

 

 

Mein Fazit:

Sonnenbeschienener Sitzplatz mit Seepanorama

 

Adresse:

Ledersberg

83727 Schliersee

 

Link zu Google Maps:

https://goo.gl/maps/93GpWyBhF3JTYFL46

 

Hotel & Gasthof Terofal

Xaver-Terofal-Platz 2

83727 Schliersee

https://hotelterofal.de

 

Ich wünsche euch viel Freude bei einem entspannten, in jeder Hinsicht aussichtsreichen Wandertag in Schliersee. Denn wie sagte schon Pippi Langstrumpf: „Faul sein ist wunderschön!“

 

 

 

Sandra Leu

Rheinländerin in Oberbayern. Ist der Liebe gefolgt und hat den Schliersee als Herzensort entdeckt. Freie Redakteurin, PR-Frau und Mama von Zweien. Zeigt Unternehmerinnen und Gründerinnen, wie sie mit Storytelling sichtbar werden und ihre besten Kunden anziehen. Ihr Business: Hallo Heldin! Ihre Kreativitätstechnik: die Joggingrunde um den See.

 

 

 

Carl Schwarz – ein musikalischer Tausendsassa

Ich weiß ein kleines Tal … ‒ so lautet der erweiterte Titel des bekannten Schlierseer Liedes, das Carl Schwarz unserem Ort gewidmet hat. Das Volkslied in bayerischer Mundart erzählt von der unbandigen[1] Schönheit unserer Gegend und dem hiesigen Brauchtum. Die getragene Melodie und die warmen Harmonien lassen den Zuhörer die Idylle und Ruhe rund um den Schliersee geradezu spüren. Mit anderen Worten: Carl Schwarz hat eine wunderschöne Liebeserklärung an Schliersee niedergeschrieben.

Am 9. Februar 1891 wurde Carl Schwarz, der seinen Namen anfangs mit „K“ und später mit „C“ schrieb, in München geboren. Er begann im zarten Alter von sieben Jahren, Zither zu spielen, und übte fleißig, denn, so schrieb er einmal selbst: „Als ich zum erstenmal das Tegernseer Bauerntheater sah […], war ich begeistert, besonders von den Zwischeneinlagen des Zitherterzetts, denn Musik liebte ich über alles. Mein einziger Wunsch war, auch so spielen zu können.“[2] Mit 15 Jahren bekam er ein Engagement als Zitherspieler in der Schweiz. Während seines vierjährigen Aufenthalts in Zürich erlernte er das Streichmelodion, auch Streichzither oder Schoßgeige genannt – ein typisches, aber sehr selten gespieltes Instrument der alpenländischen Volksmusik ‒, und entwickelte sich über die Jahre zu einem Virtuosen auf seinen Instrumenten.

„Im April 1910 kam ich zu den Schlierseern, die gerade in München im Deutschen Theater gastierten“[3], schrieb Carl Schwarz. Bis etwa Ende der 1920er-Jahre, unterbrochen vom Ersten Weltkrieg, tourte er mit dem Ensemble des Schlierseer Bauerntheaters durch Deutschland, Österreich-Ungarn und die Schweiz – und das nicht nur als Musiker, sondern auch als Darsteller: „Ich spielte auch Naturburschenrollen, aber die Hauptsache war mir […] doch die Musik.“[4] Später bereiste er mit seinem Schwarz-Trio ganz Europa, nahm in den 1930er-Jahren sogar Schallplatten in London auf und war für die jungen Musiker ein großes Vorbild, „eine Größe, ein absoluter Chef, der sich um alles gekümmert hat“, wie sich Kurt Halletz, musikalischer Leiter beim Bauerntheater Schliersee, erinnert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beendete Schwarz seine Laufbahn als Berufsmusiker, blieb aber der Musik und der Schlierseer Bühne bis zu seinem Tod am 7. November 1969 treu – als Leiter der Schlierseer Heimatabende, bei denen er als Musiker und Ansager mit komödiantischem Talent sein Publikum begeisterte. Karl B. Kögl erzählt: „Carl Schwarz war ein musikalischer Tausendsassa. Ich habe ihn als Bub und Jugendlicher viele Male beim Schlierseer Heimatabend als grandiosen Zitherspieler, Sänger und Moderator erlebt.“

In Würdigung seiner Verdienste um den Ort und als Komponist des Schlierseer- und des Spitzing-Liedes wurde Carl Schwarz 1959 zum Ehrenbürger von Schliersee ernannt. Außerdem erinnern die Carl-Schwarz-Straße, unweit des Schlierseer Strandbades, und die vom Fremdenverkehrsverein Schliersee auf der Hochburg angebrachte Gedenktafel an den Musiker und Komponisten. Carl Schwarz‘ letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof der katholischen Kirche St. Sixtus in Schliersee und trägt die sympathische Inschrift „I bin im Himmi drobn u. werd euch alle lobn“[5].

 

 

Quellen:

s’Schlierseer-Büchl. Zum 25-jährigen Bestehen des Schlierseer Bauerntheaters, Hrsg. Dr. Ernst Hohenstatter, im Selbstverlag Der Schlierseer, München 1918, S. 26‒28.

Schliersee 779–1979. Eine Chronik zum Jubiläum, Hrsg. Markt Schliersee, November 1978, S. 99/100, 253, 288, 291, 294.

 

[1] Bayerisch für unbändig, unbeschreiblich.

[2] s’Schlierseer-Büchl. Zum 25-jährigen Bestehen des Schlierseer Bauerntheaters, Hrsg. Dr. Ernst Hohenstatter, im Selbstverlag Der Schlierseer, München 1918, S. 27.

[3] s’Schlierseer-Büchl. Zum 25-jährigen Bestehen des Schlierseer Bauerntheaters, Hrsg. Dr. Ernst Hohenstatter, im Selbstverlag Der Schlierseer, München 1918, S. 27.

[4] s’Schlierseer-Büchl. Zum 25-jährigen Bestehen des Schlierseer Bauerntheaters, Hrsg. Dr. Ernst Hohenstatter, im Selbstverlag Der Schlierseer, München 1918, S. 28.

[5] Bairisch: Ich bin im Himmel oben und werde euch alle loben

 

 

Kathrin Zott

Aufgewachsen und noch immer wohnhaft in Neuhaus am Schliersee, zweifache Mama, studierte Germanistin und Musikpädagogin, freiberufliche Lektorin und Korrektorin – mit anderen Worten: heimatverbundene, musikbegeisterte, kreative, tierliebe und vor allem komplett italienverrückte Leseratte.

 

 

 

Werner Bochmann – der Filmkomponist, der sein Zuhause am Schliersee fand

Kennen Sie ihn, den Schwarzweiß-Filmklassiker Die Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann aus dem Jahr 1944? Höchstwahrscheinlich! Denn auch heute noch ist diese Filmkomödie fast jedermann ein Begriff. Weniger bekannt dagegen dürfte sein, dass die Musik zu diesem Film aus der Feder von Werner Bochmann stammt, der über 50 Jahre in Schliersee lebte und arbeitete.

Werner Bochmann wurde am 17. Mai 1900 in Meerane, Sachsen, geboren und lernte bereits zu Schulzeiten Klavierspielen. Nach dem Abschluss der Oberrealschule begann er, der Vernunft halber, zunächst ein Chemie- und Mathematikstudium in Dresden. Doch die Liebe zur Musik war letztlich stärker. Bochmann brach sein Studium ab und widmete sich ganz der Musik. Das Kompositionsstudium bei Joseph Gustav Mraczek und Franz Schreker finanzierte er sich durch das Erteilen von Nachhilfestunden in Mathematik.

Nach dem Studium verdiente er sich sein Geld zunächst als Korrepetitor an der Oper in Dresden und dann als Pianist beim Orchester von José Soler, mit dem er durch Europa tourte. Bochmann erzählt darüber: „Jahre, bevor mir der ,Einstieg‘ in die UFA-Karriere glückte, fiel die Entscheidung für die Unterhaltungsmusik, als ich unversehens in das argentinische ,Orchestra tipukta‘[1] des großen José Soler engagiert wurde. Dort war der Pianist ausgefallen. Zunächst in einem Münchener Konzertcafé, dann in vielen Großstädten lernte ich in dieser interessanten Position alles kennen, was das Repertoire spanisch-argentinisch-brasilianischer Folkloremusik zu bieten hatte. Kein Wunder, dass ich mich eines Tages auch als Komponist auf diesem Spezialgebiet versuchte, und als ich das erste Dutzend UFA-Filme komponiert hatte, machte ich meine ersten Aufnahmen mit dem ,Tango-Orchester Werner Bochmann‘ bei COLUMBIA.“[2]

Sein erster großer Kompositionserfolg gelang ihm 1929 mit dem Slowfox I Called to Say Good Night, der nach längerer, erfolgloser Suche nach einem Verlag schließlich in Amerika von Irving Berlin verlegt wurde und zum internationalen Erfolg wurde. Ab 1933 arbeitete Bochmann dann für die Filmgesellschaft UFA und komponierte im Laufe seiner langen Karriere unzählige Lieder, Bühnenstücke sowie Filmmusiken, mit denen er die Zeit des Tonfilmschlagers prägte. Zu seinen bekanntesten Liedern zählen sicherlich Der Theodor im Fußballtor, das in der Interpretation von Theo Lingen im gleichnamigen Film zum Evergreen wurde, sowie Heimat deine Sterne aus dem Film Quax, der Bruchpilot. Durchweg von Erfolg gekrönt waren auch seine Kompositionen für Ilse Werner, deren Talent zum Singen und Pfeifen Werner Bochmann durch einen Zufall entdeckte. 1967 wurde Bochmann mit dem Bundesfilmpreis in Gold, 1984 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie 1985 mit dem Paul-Lincke-Ring ausgezeichnet.

Im Artikel des SPIEGEL-Verlags Eine „Spiegel“-Seite für Werner Bochmann (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44435584.html) aus dem Jahr 1949 berichtet Werner Bochmann in überaus erheiternder Weise über sein Leben als Filmkomponist, das nicht immer so angenehm war, wie man es sich vielleicht vorstellt. Als Bochmann diese Zeilen niederschrieb, lebte er bereits in Schliersee, das er noch während des Zweiten Weltkrieges zu seiner Wahlheimat auserkoren hatte und wo er die Ruhe fand, die er für seine Arbeit brauchte. In seinem Haus am Schliersberg wohnte er bis zu seinem Tod am 3. Juni 1993. Werner Bochmann wurde auf dem Friedhof St. Sixtus in Schliersee beigesetzt.

Die Schlierseer schätzen ihren „Hauskomponisten“[3], wie er auf der Internetseite des Schlierseer Singkreises liebevoll genannt wird, sehr. Karl B. Kögl, der Leiter des Schlierseer Singkreises, erzählt: „Er war ein sehr liebenswürdiger und bescheidener Mann.“ Zum 100. Geburtstag Werner Bochmanns wurden ihm zu Ehren im Schlierseer Bauerntheater unter Leitung von Timm Tzschaschel zwei sehr erfolgreiche Konzerte gegeben. Mit dem Lied Vom Schliersee bis zum Spitzingsee hinterließ Bochmann auch eine Hommage an seine Wahlheimat Schliersee. „Ich selbst singe dieses Lied bei den Kurkonzerten Klingendes Schliersee – Tausend Takte gute Laune, begleitet von den Unterleiten-Musikanten“, berichtet Karl B. Kögl. Außerdem erinnern die Werner-Bochmann-Straße östlich des Schlierseer Bahnhofs sowie eine vom Fremdenverkehrsverein Schliersee gestiftete Gedenktafel auf der Hochburg an den berühmten Komponisten.

 

 

Quellen:

https://www.meerane.de/beruehmte-meeraner-werner-bochmann.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44435584.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Bochmann

https://www.singkreis-schliersee.de/schlierseer-komponisten/werner-bochmann/

UFA Autorenporträts – Werner Bochmann, Thema: Mit Musik geht alles besser, Manuskript und Moderation: Helmuth M. Backhaus (Gesamtdauer 65:05), UFA-Musik- und Bühnenverlage, München

[1] Druckfehler? Vermutlich „Orchester Typica“ oder „Orquesta tipica“.

[2] Quelle: https://www.meerane.de/beruehmte-meeraner-werner-bochmann.html.

[3] Quelle: https://www.singkreis-schliersee.de/schlierseer-komponisten/werner-bochmann/.

 

 

Kathrin Zott

Aufgewachsen und noch immer wohnhaft in Neuhaus am Schliersee, zweifache Mama, studierte Germanistin und Musikpädagogin, freiberufliche Lektorin und Korrektorin – mit anderen Worten: heimatverbundene, musikbegeisterte, kreative, tierliebe und vor allem komplett italienverrückte Leseratte.

 

 

 

Karl Haider ‒ ein verkannter Künstler

Der Namensgeber der Karl-Haider-Straße am nördlichen Ortsende von Schliersee war ein bayerischer Landschafts- und Porträtmaler, der seine letzten Lebensjahre in Schliersee verbrachte und dort auch seine letzte Ruhestätte fand. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Porträts „Elise Greinwald“ und die „Schlierseerin“ sowie das Gemälde mit dem Titel „Blumenwiese“.

Karl Michael Haider wurde am 6. Februar 1846 als Sohn eines Forstmeisters in Anzing geboren. Einige Jahre seiner Schulzeit verbrachte er auf einem musischen Gymnasium in München. Sein erster Berufswunsch war Sänger, doch schon bald wurde ihm seine wahre Berufung klar: Karl Haider wollte Maler werden. In einer privaten Malschule lernte er die ersten künstlerischen Grundlagen und wechselte später auf die Münchener Kunstakademie.

Schon bald lernte er dort zwei Kommilitonen kennen, die sein künstlerisches Schaffen stark prägten und beeinflussten: die Maler Hans Thoma und Wilhelm Leibl.

Der Erfolg blieb zunächst aus

Mit 29 Jahren reiste der junge Künstler nach Florenz, wo er ein Jahr verbrachte und „alte Meister“ kopierte, indem er Holzschnitte von ihren Werken anfertigte. 1876 zurück in München, ließ er sich dort als freier Maler nieder. Doch der künstlerische Erfolg ließ auf sich warten. Alle Museen und Galerien lehnte seine Bilder ab, und nur einige private Aufträge sorgten für einen kargen Lebensunterhalt. Im Jahr 1882 starb seine Ehefrau Katharina. Da Haider das Geld für die Bestattung nicht aufbringen konnte, griff ihm der Münchener Malerfürst Franz von Lenbach unter die Arme. Große Unterstützung erfuhr Haider – der mittlerweile hoch verschuldet war – auch durch seine Kollegen und Freunde aus dem Künstlerkreis um Wilhelm Leibl.

1890 heiratete Karl Haider seine zweite Ehefrau Ernestine Schwarz. Doch auch diese Verbindung erwies sich als äußerst unglücklich. Einziger Lichtblick war der gemeinsame Sohn Ernst Haider, später ein ebenso bekannter Maler wie Hubert Haider, Karl Haiders Sohn aus erster Ehe.

Umzug nach Schliersee im Jahr 1874

1874 bewilligte der Staat dem verarmten Künstler eine kleine Pension, und zwei Jahre später ließ sich Haider in Schliersee nieder. Erst zu dieser Zeit stellte sich langsam der lang ersehnte Erfolg ein. 1897 wurde sein Gemälde „Herbstabend“ auf der Münchener Internationalen Ausstellung mit einer Goldmedaille prämiert. In den folgenden Jahren reiste Haider immer wieder nach Österreich, Ungarn und Italien und verarbeitet seine dort gesammelten Eindrücke in kraftvollen Landschaftsbildern. Doch niemals vernachlässigte er seine eigentliche Passion: die Porträtmalerei. Der große Ruhm kam spät: Erst ein Jahr vor seinem Tod feierten die Münchener ihn mit einer großen Ausstellung, und die Universität Breslau verlieh ihm den Titel eines Ehrendoktors.

 

 

Karl-Haider-Denkmal hoch über dem Schliersee

Am 28. Oktober 1912 verstarb Karl Michael Haider in seiner Wahlheimat Schliersee. Sein Grabmal schuf der Bildhauer Hermann Lang. Es ist bis heute auf dem Friedhof der Pfarrkirche St. Sixtus zu besichtigen. Lang fertigte auch die Bronzebüste des Malers an, die hoch über dem Schliersee auf der sogenannten Hochburg, dem Standort der ehemaligen Wohnstätte des Adelsgeschlechts der Waldecker, über die großartige Landschaft wacht. Eine steinerne Bank lädt dort zum Verweilen und zum Gedenken an diesen begabten, aber lange Zeit verkannten Maler ein.

 

 

 

Katharina Fitz

Wohnhaft in Warngau, geboren in Tegernsee, aber dem Schliersee herzlich zugetan. Zweifache Mama und als freiberufliche Redakteurin, Sprecherin und Schauspielerin viel unterwegs. Steckenpferde: Kunst und Kultur, Natur (vor allem Bäume) und Schuhe!

 

 

 

„Großer Fuchs“ in Schliersee – Eine Wanderung für alle Sinne

Das Frühjahr entdecken im Herzen Schliersees

An den ersten warmen Sonnentagen im Frühling ab Mitte März bis Anfang April, wenn sich der Schnee im kleinen Ort Schliersee nicht mehr hält, stürzt sich alles Leben eifrig ins Frühjahrsgetümmel ‒ „DIE GELEGENHEIT“ für besondere Entdeckungen!

Vom Schlierseer Rathaus über die Hans-Miederer-Straße bis zur Hochburg wären es eigentlich nur 10 Minuten zu Fuß, aber ich nehme mir bewusst zwei Stunden Zeit, um die vielen versteckten „kleinen Wunder“ der Natur und Kultur, die mir hier zufällig am Wegesrand begegnen, auch „erstaunen“ zu können. Gegen 10 Uhr gehe ich los.

(c)HelmutJenneSen-DerWegZurWeinbergkapelle

Rechts vom Schlierseer Rathaus führt ein schmaler Weg hinauf zur Weinbergkapelle St. Georg.

Während ich gehe, lausche ich aufmerksam den Vogelgesängen und erkenne Stare, Blaumeisen, Amseln, Kleiber und Rabenkrähen. Ein knallgelber Zitronenfalter fliegt unübersehbar vorüber.

Erste Blüten von weißen Buschwindröschen, blauen Leberblümchen, gelben Schlüsselblumen und Huflattich spitzen aus dem Boden, und dann ‒ eine kleine Sensation ‒, ein Schmetterling, der in unserer Gegend eigentlich nicht vorkommt, nämlich der „Große Fuchs“, setzt sich genau vor mir ins Gras.

Diese in Deutschland sehr gefährdete Tagfalterart versucht seit einigen Jahren fast unbemerkt, den Landkreis Miesbach zu erobern, mitunter indirekt ein Verdienst vieler Naturschutzmaßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt. Ein zunehmend achtsamer Umgang mit der Natur bringt uns insgesamt mehr Lebensqualität zurück. Außergewöhnliche Naturbeobachtungen können Naturfreunde der Naturschutzbehörde des Landratsamts Miesbach und interessante Vogelbeobachtungen direkt dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) melden.

(c)HelmutJenneSen-Zitronenfalter(c)HelmutJenneSen-KönigLudwigIIDenkmal(c)HelmutJenneSen-AussichtWeinbergkapelle

An einer Büste König Ludwigs des II. halte ich kurz inne. Auch der „Bayern-Kini“ soll hier gewesen sein, und so wie er damals, so genieße auch ich heute auf einer der Bänke vor der Kapelle St. Georg die Aussicht über Schliersee.

Hinter der Kapelle führt der Weg wieder hinab zur Hans-Miederer-Straße. Unten angekommen, folge ich der Straße aufwärts zwischen historischen Bauernhäusern und stattlichen Häuschen.

Mitten in einer Hecke blühen Märzenbecher, in den Gärten Krokusse, Schneeglöckchen, ja sogar gepflanzte rosa Schneerosen sind zu entdecken.

Hoch über mir fliegt ein seltener Tannenhäher und setzt sich auf die Spitze der höchsten Fichte. Nur durch sein leises Krächzen wurde ich auf ihn aufmerksam.

Ein unscheinbarer Weg führt links hinauf zur Hochburg, ein schon seit dem Mittelalter genutzter Burgberg. Heute ziert ihn das sehenswerte Karl-Haider-Denkmal des Fremdenverkehrsvereins Schliersee e.V.

(c)HelmutJenneSen-AussichtVonDerHochburg

Besonders im Frühjahr hat man von hier oben durch den noch niedrigen Bewuchs eine schöne Aussicht auf den Schliersee und die Berge. Unter der Woche verläuft sich zu dieser Jahreszeit kaum jemand hierher ‒ dann lässt sich die Natur in Ruhe beobachten.

Entspannt sitze ich auf einer Bank, vor mir spitzen erste Veilchen zwischen Dornen hervor, und der „Kleine Fuchs“ (leicht zu verwechseln mit dem etwas größeren „Großen Fuchs“) fliegt in dieser Zeit schon zahlreich in werbendem Hochzeitstanz. Hinter mir raschelt ein Eichhörnchen, auf Bayerisch „Oachkatzl“ (Eichkätzchen), und sucht nach seinen letzten Wintervorräten.

Auf einem fast zugewachsenen dornigen Schleichwegerl gehe ich in kleinen Serpentinen abwärts und entdecke unterhalb der Hochburg wild wachsende Eiben. Die Eibe ist ein seltener strauchiger Baum, aber Vorsicht, er ist sehr giftig!

Nach zwei Stunden gegen Mittag komme ich voller Freude zurück, und der Biergarten vom Ratskeller gleich neben dem Rathaus hat zufällig schon geöffnet, eine gute Gelegenheit für„a guade Brotzeit“.(c)HelmutJenneSen-BiergartenAmRathaus

Naturbewusst und genussvoll kann es sein, „für einen Moment das Glück Schliersee“.

 

Biergarten Ratskeller Schliersee
http://www.ratskeller-schliersee.com/

Fremdenverkehrsverein Schliersee e. V.
http://www.schliersee-touristik.de/

Fachlicher Naturschutz
http://www.landkreis-miesbach.de/Bürgerservice/Dienstleistungen/Natur_Umwelt/Naturschutz/

Landesbund für Vogelschutz
http://www.lbv-miesbach.de/start.html

 

Helmut Jenne

Auf seinen Streifzügen durch die Natur ist sein Fotoapparat ein ständiger Begleiter. Helmut Jenne, wohnhaft in Schliersee, ist Musiker und EDV-Fachmann, Fotokünstler und Naturliebhaber. Mit seinen Fotos dokumentiert er seine Erlebnisse auf sehr natur- und heimatverbundene Weise, und so entstehen - trotzdem weltoffen - tief empfundene Momente und Blicke auf Landschaften, Pflanzen und Tiere der Berg- und Seenwelt rund um Schliersee.