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Blasmusik goes Rock – 15. August 2018

„Music“ (von John Miles): Unser Posaunist lässt sein grenzenloses Gefühl, seinen überwältigten Geist, ja, sein ganzes Dasein in diesem Solo-Eingang durch sein Instrument tröpfeln. „Music was my first love …“. Und ich denke mir: Ja, da ist es wieder, dieses angenehm leichte Kräuseln im Nacken angesichts der harmonischen Klänge und dem sphärischen Teppich der Holzbläser auf dem stabilen Fundament der Bässe mit andächtiger Teilnahme der sonst auch schon mal deftigen Rhythmusgruppe.

Nein, ich stehe nicht unter verbotenen Drogen – ich befinde mich auf einer Probe zum diesjährigen „Blasmusik goes Rock“ der Schlierseer Blasmusik – Vorbereitung für den großen Auftritt am 15. August 2018 20:00 Uhr im Festzelt am Waldfestplatz.

Ich fühle mich in eine Zeit zurückversetzt, in der mein Vater Rockmusik noch mit stark pigmentierten Menschen aus Afrika in Verbindung brachte, als wir in spärlich beleuchteten Partykellern erste Knutschversuche unternahmen, begleitet von „heißer“ Musik tendenziell überforderter Kassettenrecorder.

Inzwischen schreiben wir allerdings das Jahr 2018 und proben im nigelnagelneuen wohlriechenden und akustisch hoch optimierten geräumigen Saal im neuen Anbau des Heimatmuseums. Wir, das sind die Schlierseer Blasmusiker – einst entstanden aus Musikanten, die sich durchaus selbstkritisch „Kapelle Fürchterlich“ nannten. Polka, Marsch, Landler, konzertante und unterhaltende Blasmusik „unplugged“ sind unser normales Metier, dennoch ist dies nicht unser erster Ausflug in die Welt der Rockmusik ‒ mit „Blasmusik goes Rock“ werden wir heuer nach zwei Auftritten in den vergangenen Jahren erneut zu Wiederholungstätern.

Zurück zur Probe.

Unser Tubist stülpt seine Lungen energisch in sein Instrument, sorgt für die Klangfülle in den niedrigeren Frequenzen mit Unterstützung jener der Rockmusik eigenen Rhythmen – alles analog nur mit der urbayerischen Kraft und Körperbeherrschung, die das größte Instrument der Blasmusik verlangt. Unser Tubist ist echt cool, der coolste eigentlich, und einfach immer cool, es sei denn, er regt sich auf, weil wieder jemand mit der Pünktlichkeit suboptimal umgegangen ist oder er Dinge einfach nur für enorm verbesserungswürdig hält.

Ich zupfe an der Bassgitarre rum, wenn wir Rockmusik machen, habe oft der Tuba ähnliche Sequenzen und dabei die Macht des Volume-Reglers an meinem Verstärker, mit dem ich meinen armen Mitstreiter gefühlt locker durch die Wand blasen könnte. Doch das lasse ich dem Gesamtklangbild und meiner Herkunft geschuldet lieber. Schließlich bin ich des Bayerischen im Wesentlichen nur hörend mächtig, sie lassen mich aber trotzdem mitspielen – solange ich’s Maul nicht aufreiße … und als Bayer verkleidet, habe ich durchaus bayerische Körperdimensionen und entsprechend inspirierte Optik. Und diese Rockmusik … eigentlich bin ich ja ein Headbanger, der sich lediglich durch spärlich schütteres Resthaar auf dem Kopf zurückhält und sich nicht blamieren mag.

Richtig „sauguad“ hätte ich ja gefunden, wenn wir wie üblich in Lederhosen und Dirndln gerockmusikt hätten, aber die Mehrheit hat sich für Jeans und T-Shirts entschieden – eigens gestaltet und erstellt für unsere Rockmusik-Events ‒ mit einer von heißer Musik angekokelten Gitarre mit rauchender Trompete hinten (oder vorn, wenn man das T-Shirt andersherum anzieht) und dem flambierten Logo der Schlierseer Blasmusik auf der anderen Seite. Das Tollste daran ist, dass ich anscheinend immer noch dieselbe Größe trage wie in meiner Jugend, als ich noch keinen „mittleren Ring“ hatte, nur halt mit ein paar „X“ davor.

„Smoke on the water“ & Co. … unser Gitarrist ist einfach begnadet ‒ satte Licks (Solo-Läufe) mit der Präzision einer Nähmaschine und der Perfektion eines Feinmechanikers. Seine Finger nageln über das Griffbrett, verbiegen sich zu Griffen, zu Akkorden, die man in der einschlägigen Literatur nur auf den ganz hinteren Seiten findet … sicher ein großes Vorbild und Inspiration für die Kollegen von ACDC, Queen usw. in Songs wie „Highway to Hell“, „I love rock and roll“, „Jump“, „Final Countdown“, „Satisfaction“, „Whatever you want …“ . Und er ist schön laut, wie sich das für Rockmusik gelegentlich gehört. Ich weiß nicht, ob er insgeheim auch ein Headbanger ist …

Keyboard – ich nenne es tief in meinem Inneren „das rote Ding“ – unsagbar viele Knöpfe, weiße und schwarze Tasten, dahinter ein Schwabe, der sich sonst bei uns am 1. Tenorhorn vergnügt. Er darf bei uns mitspielen, obwohl auch Schwaben eigentlich als sicheres Herkunftsland gilt. Seine Soli bei „Jump“ und Konsorten gelten als legendär, seine Begleitung in anderen Passagen als beglückend. Er wird wahrscheinlich aus Sparsamkeitsgründen kein Headbanger sein …

Die drei von der Rhythmusgruppe … starke Oberarme und fingerfertige Füße, die Aggression im Kampf mit Becken und Trommeln, die Sensibilität, einem mit Wumms den richtigen Drive, die Beats um die Ohren zu schlagen. Es werden noch Wetten angenommen, ob sie insgeheim alle drei Headbanger sind, obwohl ich bei einem skeptisch bin, weil ihm sein Kopfhaar komplett ins Gesicht abgerutscht zu sein scheint.

Als Trompeter gehört man mit Sicherheit stets auch zur erotischen Komponente eines jeden Blasorchesters, so auch bei unserer Rockmusik das sogenannte hohe Blech, das sich mit Präsenz und Kraft in Höhen begibt, die sonst nur noch Reinhold Messner ohne künstlichen Sauerstoff erreichen könnte. Unser Dirigent bezeichnet sie schon mal liebevoll als Vuvuzela-Truppe und vertritt gelegentlich die Theorie, dass häufiges und auch häusliches Üben Schwere und Anzahl von Spielfehlern stark zu vermindern in der Lage sei. Ob das womöglich demografische Konsequenzen für Schliersee haben könnte, soll an dieser Stelle nicht weiter untersucht werden. Einer der Trompeter – der, der links direkt neben Schlagzeug und Bassgitarre platziert wurde ‒ pflegt, sein rechtes Ohr mit einem weit überstehenden Papierpfropfen ‒ gefertigt aus einem wohl obsoleten Notenblatt ‒ zu bestücken, wohl damit ihm die Geräuschkulisse nicht seine Zahnspange raushaut. Oder die Musik hängt ihm einfach nur zum Ohr raus – sicher kein Headbanger …

Hörner und Posaunen – für den Rocksound unverzichtbar, die akustische und optische Elite von „Blasmusik goes Rock“. Alles Headbanger, die es nur selbst noch nicht wissen …

Ein Großteil der Klarinetten-Abteilung hat extrem aufgerüstet und sich mit Saxophonen bewaffnet. Groove, Swing, Jazz und vor allem Rockiges … ein kompletter Saxophonsatz (ohne Sopran allerdings, wohl weil Sopran-Saxophonisten zumeist einsam leben). Daneben Klarinetten und Querflöten in weiblicher Überzahl – alle schon haartechnisch mit Potenzial zum Headbangen …

„Simply the best“ … unser Dirigent, elfengleich, hochsensibel, korrekt, herrisch, aufmunternd, Leader of the Gang … man sieht, wie er mitgeht und seinen ganzen Körper Tina-Turner-like bewegt. Bissl blasser als das Vorbild … Minirock steht ihm überhaupt nicht. [Das Bild bringt ihr bestimmt so bald nicht wieder aus eurem Kopf.] Und Headbangen kommt für ihn nicht infrage, weil seine Schäfchen sonst Unsinn anstellen könnten. Obwohl …

 

Was mir an den Proben auffällt, ist der Spaß, den alle dabei haben, Lust, Konzentration, Leidenschaft ‒ von Jung bis Alt (14–80 Jahre), die Jungen so alt … wie ich damals, als ich noch jung war. Es scheint so, als würde der eigentliche Auftritt am 15. August dem Spaß auf dem Weg dahin – ob mühsam oder nicht – dann noch das letzte Krönchen aufsetzen.

Ihr könnt an unserem Spaß teilhaben, mit dabei sein, einmal davon euren Kindern erzählen, wenn es euch gelingt, euch den 15. August 2018 abends freizuhalten und noch Karten zu ergattern oder bei der Gäste-Information Schliersee in der Vitalwelt].

Ihr dürft gern Stofftierchen oder Ähnliches mitbringen und sachte auf die Bühne werfen, wenn es euch gefällt. Von Ohnmachtsanfällen, Kinderwunsch etc. bitten wir, abzusehen. Headbangen bei moderatem Alkoholkonsum ist ausdrücklich erlaubt.

 

 

„Music was my first love … and it will be my last …“

Sehen wir uns am 15. August??

 

 

Karl Bergkemper Karl Bergkemper

Begeisterter Schlierseer, Musiker und Internet-Schraubenzieher. Der technisch orientierte "Beutebayer" der Redaktion - immer für Ideen zu haben, die Schliersee weiterbringen

 

 

 

Erfolgreich und trotzdem bodenständig – der Schlierseer Schauspieler Ben Blaskovic

Wenn er vom stressigen Alltag abschalten möchte, geht Ben Blaskovic am liebsten zum Wandern in die Schlierseer Berge. Der 29-Jährige ist Schauspieler und hat am Schliersee seine Kindheit verbracht. Dass er einmal einen künstlerischen Beruf ergreifen und darin auch noch erfolgreich werden sollte, davon war er als Kind weit entfernt. Seine Eltern zogen nach der Geburt seiner Schwester vor über vierzig Jahren von Nordrhein-Westfalen nach Neuhaus und galten damals als „Zuagroaste“. Ein „Makel“, den auch der kleine Ben damals deutlich zu spüren bekam: Aufgrund seiner Herkunft wurde er von seinen Spielkameraden gehänselt.

Als er mit sechs Jahren das Schlagzeugspielen und später das Gitarrespielen lernte, nahm er sich vor, darin richtig gut zu werden. „Ich dachte mir, denen werd ich’s schon zeigen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Nach der Grundschule wechselte er auf das Gymnasium Miesbach, und von da an spielte seine „norddeutsche“ Herkunft keine Rolle mehr. Er spielte im Schulorchester und in der Bigband und fand in der Musik seine erste große Leidenschaft.

Mehr oder weniger durch Zufall gründeten einige seiner Schulkameraden dann eine Theater-AG am Gymnasium, und Ben machte mit. Seine erste große Rolle bekleidete er in dem Klassiker von Friedrich Dürrenmatt „Der Besuch der alten Dame“. Das gab den Ausschlag: Der Berufswunsch Schauspieler stand fest. Sein Handwerk lernte er durch privaten Schauspielunterricht in München, Berlin und Los Angeles. Seine erste Fernsehrolle bekam der smarte Darsteller im ARD-Dauerbrenner „Marienhof“. Von da an ging‘s steil bergauf mit der Karriere. Ben Blaskovic spielt in zahlreichen Serien mit, wie „Rosenheim Cops“, „Hubert und Staller“, „In aller Freundschaft“ und demnächst auch in „Soko Kitzbühel“. Außerdem war er in großen Fernsehfilmen und sogar schon im Kino zu sehen. Seine Engagements führen ihn durch ganz Europa, sogar in der Karibik durfte er schon für eine Folge des „Traumschiffs“ vor der Kamera stehen.

Seine „wahre Leidenschaft“, das Musikmachen, hat er neben all seinem Erfolg aber nie aufgegeben. Als Singer-Songwriter tritt er regelmäßig auf verschiedenen Bühnen auf. Ein kurzer Ausflug ins Produzentenfach führte ihn im vergangenen Jahr beruflich in seine Heimat. Bei dem Kinofilm „Nesseltal“ fungierte Blaskovic als Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent. Gedreht wurde die unheimliche Geschichte unter anderem im Gebiet rund um den Schliersee. Premiere feiert der Film an Halloween in München.

Ben Blaskovic ist gut im Geschäft. Allein in diesem Jahr hat er ein Pensum von rund 100 Drehtagen zu bewältigen, auch für sein neuestes Projekt: Die RTL-Serie „Lifelines“. Darin übernimmt er die Rolle des Bruders der Hauptfigur.

Doch wann immer er Zeit findet, zieht es ihn an den Schliersee zu seiner Familie und in die geliebten Berge. Denn seine Heimat ist und bleibt ihm wichtig, ob im Sommer zum Wandern oder im Winter zum Skifahren.

Und seine drei Lieblingsplätze in Schliersee hat er uns auch verraten:

der Gipfel der Brecherspitz, die Badebucht in Fischhausen und das Restaurant des Schlierseer Strandbads zum „Burger-Essen“.

 

 

www.benblaskovic.com

 

Copyrights Bilder:

Wanderbilder Tegernseer Hütte – Katrin Nicols
Portraitbilder bunter Pulli, Cappi, grauer Pulli – Daniela Pfeil
Segelbilder – privat
Bilder mit blauem Dakine Cappi – Adrian Winkler
Wanderbilder Winter Kesselalm – privat

 

Katharina Fitz Katharina Fitz

Wohnhaft in Warngau, geboren in Tegernsee, aber dem Schliersee herzlich zugetan. Zweifache Mama und als freiberufliche Redakteurin, Sprecherin und Schauspielerin viel unterwegs. Steckenpferde: Kunst und Kultur, Natur (vor allem Bäume) und Schuhe!

 

 

 

Helmut Jenne – „Schliersee, des is‘ mei‘ Heimat!“

„Aus de‘ Berg‘ fliaßt des Wasser, frischkalt ins Tal, und sammelt sich in am See, und beim Blick hinüber zur Insel, bleibt mei‘ Herz vor Sehnsucht fast steh‘. Schliersee, des is‘ mei‘ Heimat …“

Die zwei Stunden, die ich mit Helmut Jenne auf seinem Bankerl im Kurpark in Schliersee verbringe, sind superschön. Das, was Helmut singt, berührt mich gleichermaßen wie die anderen Besucher des Kurparks. Die einen lassen sich in der Nähe auf einer Bank oder auf der Wiese nieder, um seiner Musik zu lauschen, andere bleiben stehen. Aber auch die, die vorbeiziehen, halten einen kleinen Moment inne und nehmen etwas mit. Die Kulisse spielt in Helmuts Hände. Es ist ein traumhafter Herbsttag, und der Blick auf den See und die umliegenden Berge ist atemberaubend. Es gibt in diesem Moment kein perfekteres Lied als „Schliersee, des is‘ mei‘ Heimat“ – eine Hymne auf Schliersee. „Das Lied ist aus meinem Herzen heraus entstanden!“, erzählt er mir. Das nehme ich ihm ab. Als Helmut es singt, spüre auch ich, wie sehr Schliersee in den letzten 15 Jahren zu meiner Heimat geworden ist. Immer wieder bleiben Menschen stehen, sagen „Servus“, bedanken sich, werfen als Wertschätzung ein paar Euro in den Gitarrenkoffer, und eine Dame kauft seine selbst produzierte CD „i‘ zupf di‘“. Man spürt deutlich, dass Helmut sich hier wohlfühlt. Er ist tatsächlich Schliersees einziger Straßenmusikant mit einer offiziellen Erlaubnis. Er spielt seit sieben Jahren im Kurpark, und sein Repertoire ist vielfältig ‒ wie die Menschen, die vorbeigehen.

Neben einer Vielzahl eigener Lieder spielt er auch gut ausgesuchte Hits, Schlager, Country- und Folksongs. Der bayerische Liedermacher spielt einfach alles, was zu seiner Stimme und seiner „Band“ – bestehend aus Gitarre und der Mundharmonika – passt. „Das Musizieren hier am See bedeutet für mich Lebensqualität!“, erzählt mir Helmut weiter. Und auch für mich ist das ein ganz besonderer Nachmittag – mit viel Musik und etwas Einblick in Helmuts Leben als Musiker.

Haltet doch einfach mal Ausschau nach Helmut, wenn er mit seiner Gitarre im Kurpark sitzt. Vielleicht kann er auch euch ein wenig verzaubern.

 

 

Helmut Jenne
http://www.helmutjenne.com

 

Veranstaltungstipp: Helmut Jenne ganz gemütlich und ungezwungen am 28. Oktober 2016 im Glückselig (http://www.bistro-glueckseelig.de/) erleben.

 

Judith Weber Judith Weber

Redakteurin/freie Mitarbeiterin bei “Das Gelbe Blatt Miesbach”, Webdesign und Fotografie – Freude an neuen Blickwinkeln mithilfe eines Quadrokopters. Reiselustig und heimatverliebt. Lieblingsplatzerl: Insel Wörth im Schliersee