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Film Preview, Samstag, 14:00 Uhr ‒ Die Sennerin im neuen Saal des Heimatmuseums

Preview: 21.09.2019, 14:00 Uhr, im neuen Saal des Heimatmuseums in Schliersee, Eintritt frei

Sendetermin: 23.9.2019 im Bayerischen Fernsehen, Bayern erleben, 21:00 Uhr

Regie und Kamera: Ralph-Jürgen Schoenheinz

Redaktion: Ulrike Lovett

 

 

Die Sennerin

Ein ganz besonderer Film, der behutsam intensive und intime Einblicke in das Leben einer jungen Frau gibt. Ein bayerisches Madl, das sich aus dem „normalen“ Leben rausnimmt und wochenlang weit entfernt von allem, abgeschieden, sich selbst kennenlernen will, bevor es den nächsten Schritt im Leben geht. Weit weg vom Elternhaus, als 20-jähriges Mädchen allein in den Bergen, ohne Internet, als Selbstversorgerin, verantwortlich für das Wohlergehen Dutzender junger Rinder ‒ und das Ganze monatelang nur für ein Taschengeld. Josefa Leitner sucht bewusst nach dieser Erfahrung: als Sennerin auf der uralten Ochsenalm bei Rottach-Egern. Bevor sich die junge Frau, raus aus dem Elternhaus, an einen Lebenspartner bindet, vielleicht eine eigene Familie gründet, will sie wissen, wie sie mit sich selbst auskommt. Sie will sich selbst besser kennenlernen. Alleine und in Ruhe ohne den Trubel unten.

Ein kleines Stück Heimat freilich nimmt sie mit hoch: zwei eigene Pferde, mit denen sie täglich rund um die Alm galoppiert. Pferde sind ihre große Leidenschaft, die sie Kraft und Lebendigkeit spüren lassen. Aber bald werden ihr auch die sanften Rinder immer vertrauter, und sie denkt nach, warum überhaupt Tiere, selbst die kleine Spinne auf der Hand, für sie so wichtig sind: „Tiere zwingen mich, präsent zu sein, im Moment zu leben, nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft.“ Tiere seien ihr eine große Hilfe, denn es zähle das „Jetzt“, der Augenblick: Sind wirklich alle Rinder da nach dem Wolkenbruch? Hat sich keines verlaufen oder wurde vom Blitz erschlagen? Was tun mit der verletzten Kuh?

Der Autor begleitet Josefa mit einer kleinen Kamera und schafft es so, Josefa natürlich und authentisch zu zeigen. Dennoch sind die Bilder hochwertig und zeigen die ursprüngliche Schönheit der bayerischen Berge und den Reiz der Einsamkeit.

 

 

Die Sennerin

Buch, Regie und Kamera: Ralph-Jürgen Schoenheinz

Idee und Ton: Cornelia Schoenheinz

Editor: Erec Brehmer

Sprecher: Udo Wachtveitl

Multicopter-Aufnahmen: Julian Scholz

Redaktion: Ulrike Lovett

Leitung: Christine Peters

Bayerischer Rundfunk 2019

44 Minuten

 

 

Judith Weber Judith Weber

Redakteurin/freie Mitarbeiterin bei “Das Gelbe Blatt Miesbach”, Webdesign und Fotografie – Freude an neuen Blickwinkeln mithilfe eines Quadrokopters. Reiselustig und heimatverliebt. Lieblingsplatzerl: Insel Wörth im Schliersee

 

 

 

Regisseurin Alexandra Kaufmann: „Geschichten, die sonst unerzählt blieben.“

Es war ein Foto, das Alexandra Kaufmann nicht mehr aus dem Kopf ging. Ein Bild, das sich der Schlierseer Regisseurin einbrannte: ein Pferd auf einer Müllhalde. Ausgesetzt im Zuge der Eurokrise in den 2010er-Jahren. Als Renn- und Zuchtpferde plötzlich kein Statussymbol mehr waren, sondern teure Hobbys einer vergangenen Zeit. Aus der Schwarzweiß-Fotografie von Gianpaolo La Paglia ist heute ein Dokumentarfilm entstanden. Im Mai dieses Jahres feierte „Las Hermanas de Rocinante“ („Rosinantes Schwestern“) Weltpremiere auf dem Münchner DOK.fest, im Juni war die Kurzfassung auf ARTE zu sehen.

 

 

Über drei Jahre lang porträtiert Alexandra Kaufmann die Arbeit von Lois Ford, einer Pferderetterin in der spanischen Region Valencia. Der Hintergrund: Auf den Baum-Boom in Spanien folgte die Wirtschaftskrise – viele Besitzer konnten sich ihre stolzen Zuchtpferde sowie deren Futter und Pflege nicht mehr leisten. Abgemagert, krank, ausgesetzt und sich selbst überlassen: Alexandra Kaufmann nimmt die Perspektive der betroffenen Pferde und ihrer Retter ein – und liefert so einen zutiefst menschlichen Blick auf die wirtschaftlichen Herausforderungen der Zeit.

 

Eine Stimme für Spaniens vergessene Pferde

„Mir war wichtig, dass diese Geschichte nicht unerzählt bleibt“, sagt die 39-Jährige, die zwischen ihren Auslandsdrehs in Schliersee lebt und arbeitet. „Mein Film rückt die Pferde und den Respekt vor ihnen in den Mittelpunkt.“ Insgesamt viermal reiste die Regisseurin mit ihrem Team an die Costa Blanca, wo unweit des Mittelmeers der Hof von Pferderetterin Lois Ford – einer Britin – liegt.

 

Gemeinsam mit einer bunten Truppe von Helfern aus England, Deutschland, Argentinien und Spanien befreit Lois Ford Pferde, die nicht mehr gepflegt oder gefüttert werden – und nicht selten vom Hungertod bedroht sind. Mehrmals im Monat rettet das kleine Team vergessene Vierbeiner: „Für den Film haben wir drei Erzählperspektiven: die erwachsenen Helfer, die Mädchen auf dem Hof und natürlich die Pferde – das ist eine Herausforderung“, sagt Alexandra Kaufmann.

 

 

 

Südtiroler Filmförderung unterstützt den Dokumentarfilm

Um „Las Hermanas de Rocinante“ zu finanzieren, realisierte Alexandra Kaufmann eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne. Auf diese Weise konnten ein Recherchedreh – mit Filmausrüstung, Reisen und Unterkünften für ihr Team – und auch der erste Rohschnitt finanziert werden. Seit dem vergangenen Jahr ist auch die Südtiroler Filmförderung IDM an Board, die schon Alexandra Kaufmanns Abschlussfilm („Being You, Being Me“) unterstützt hat. Und mit Sonja Kilbertus von Evolution Film München hat die Regisseurin eine Produzentin an der Seite, „die immer an unseren Stoff geglaubt hat, zum Glück“.

 

Eine Zusammenarbeit, die sich bewährt hat: Im Juni war „Die Pferderetterin. Spaniens vergessene Tragödie“ als Dokumentarfilm bei ARTE zu sehen. In der 43-minütigen Fassung geht es vor allem um Protagonistin Lois Ford und ihre Mission. Die Festival-Langfassung als Coming-of-Age-Story mit Fokus auf die pferdebegeisterten Mädchen am Hof feierte schon im Mai beim DOK.fest in München Weltpremiere. Dazu schaffte es „Las Hermanas de Rocinante“ gleich auf die Shortlist zweier wichtiger Branchenpreise – des ARRI AMIRA Awards sowie des FFF Förderpreises Dokumentarfilm.

 

„Über Umwege einen eigenen Zugang zur Kunst gefunden“

„Mein Wunsch, mich in Film auszudrücken, war schon immer da – und auch die Geschichten, die ich erzählen wollte“, sagt Alexandra Kaufmann. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in München studierte die 39-Jährige Journalismus an der Freien Universität Berlin, bevor sie ihr Regiestudium an der ZeLIG – Schule für Dokumentarfilm, Fernsehen und Neue Medien in Bozen/Südtirol aufnahm. Trotz familiärer Prägung – Alexandra Kaufmanns Vater ist der Fotograf Hans-Günther Kaufmann, ihre Mutter Sylvia Kaufmann besitzt eine Agentur für Grafikdesign – habe sie „über Umwege einen eigenen Zugang zur Kunst gefunden“, so Alexandra Kaufmann.

 

Wie der aussieht, zeigt sich bereits 2013 in ihrem Abschlussfilm „Being You, Being Me“: Die Regisseurin pflegt einen ruhigen Erzählstil, arbeitet mit starken, fast poetisch anmutenden Bildern und ist unglaublich nah dran an ihren Protagonisten. Was auch daran liegt, dass sie mit ihrer ersten Regiearbeit die Geschichte ihres Bruders erzählt: einem besonderen jüngeren Bruder, der wie ein Dirigent mit dem Wind spielt und ihn durch die Bäume vor dem Fenster fahren lässt. Der mit seinem Rufen die Vögel im Wäldchen anlockt. Und der mit Behinderung lebt, seit er im Alter von knapp zwei Jahren für einen kurzen Moment ohne Sauerstoff war.

 

 

 

Tiefe Verbindung zwischen Filmteam und Protagonisten

Durch die bewusst gewählte Innensicht des Films erfährt der Zuschauer so viel mehr als beim vermeintlich neutralen Blick von außen. Auch bei der Langzeitbeobachtung „Las Hermanas de Rocinante“ ist eine tiefe Verbindung zwischen Filmteam und Protagonisten entstanden. Entsprechend nah darf Alexandra Kaufmann den Menschen auf dem Pferderettungshof kommen: „Bei einem Dokumentarfilm lässt du dich ganz und gar ein auf das, was passiert“, sagt Alexandra Kaufmann. „Skript und Szenenplanung werden von der Realität immer wieder über den Haufen geworfen. Das muss man als Regisseurin auch erst einmal aushalten.“

 

Mit ihrem aktuellen Lebensort Schliersee hat Alexandra Kaufmann ein Gegengewicht gefunden zu ihren Herausforderungen im Joballtag: „Mein beruflicher Weg ist so total außerhalb jeder Routine, dass ich die Beständigkeit hier am See so wertschätze. Die Tatsache, dass so viele Dinge hier unverändert bleiben, ihren immer gleichen Rhythmus haben“, sagte Alexandra Kaufmann. „Kaum bin ich eine Nacht und einen Morgen am Schliersee, habe ich mich schon wieder ‚aufgefühlt’.“

 

„Der See ist meine große Leidenschaft“

Und noch etwas hat Alexandra Kaufmann am Schliersee für sich entdeckt ‒ die Fotografie: „Der See ist meine große Leidenschaft. Seit dreieinhalb Jahren mache ich fast täglich Fotos von ihm“, verrät sie. „Ich bin zwar in München geboren, aber hier im Oberland nahe der Wälder und Berge aufgewachsen. Tiere und die Natur sind sehr wichtig, damit es mir gutgeht.“ Sie habe lange in Italien gelebt und sich deshalb nie vorstellen können, in den Süden von München zurückzukehren, fügt Alexandra Kaufmann hinzu. Es sei vermutlich nicht für immer, aber: „Gerade ist hier alles im Gleichgewicht für mich.“

 

Tipp: Im Rahmen der Filmkunstwochen in München wird „Las Hermanas de Rocinante“ am 11. August um 11:00 Uhr im City-Kino gezeigt. Zu Gast wird auch Regisseurin Alexandra Kaufmann sein: https://filmkunstwochen-muenchen.de/programm-2019/filmstadt-muenchen/

 

Hier entlang zum ARTE-Trailer für „Die Pferderetterin“: https://www.facebook.com/watch/?v=376218962999630

 

Mehr zu Alexandra Kaufmanns Regiearbeit

 

https://www.lashermanasderocinante.com
https://www.facebook.com/lashermanasderocinante/

 

Fotos 5-13: © Evolution Film

 

 

Sandra Leu Sandra Leu

Rheinländerin in Oberbayern. Ist der Liebe gefolgt und hat den Schliersee als Herzensort entdeckt. Freie Redakteurin, PR-Frau und Mama von Zweien. Berät beruflich Heldinnen und bloggt unter countrykruemel.de über Familienleben und Freizeittipps am See.

 

 

 

Erfolgreich und trotzdem bodenständig – der Schlierseer Schauspieler Ben Blaskovic

Wenn er vom stressigen Alltag abschalten möchte, geht Ben Blaskovic am liebsten zum Wandern in die Schlierseer Berge. Der 29-Jährige ist Schauspieler und hat am Schliersee seine Kindheit verbracht. Dass er einmal einen künstlerischen Beruf ergreifen und darin auch noch erfolgreich werden sollte, davon war er als Kind weit entfernt. Seine Eltern zogen nach der Geburt seiner Schwester vor über vierzig Jahren von Nordrhein-Westfalen nach Neuhaus und galten damals als „Zuagroaste“. Ein „Makel“, den auch der kleine Ben damals deutlich zu spüren bekam: Aufgrund seiner Herkunft wurde er von seinen Spielkameraden gehänselt.

Als er mit sechs Jahren das Schlagzeugspielen und später das Gitarrespielen lernte, nahm er sich vor, darin richtig gut zu werden. „Ich dachte mir, denen werd ich’s schon zeigen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Nach der Grundschule wechselte er auf das Gymnasium Miesbach, und von da an spielte seine „norddeutsche“ Herkunft keine Rolle mehr. Er spielte im Schulorchester und in der Bigband und fand in der Musik seine erste große Leidenschaft.

Mehr oder weniger durch Zufall gründeten einige seiner Schulkameraden dann eine Theater-AG am Gymnasium, und Ben machte mit. Seine erste große Rolle bekleidete er in dem Klassiker von Friedrich Dürrenmatt „Der Besuch der alten Dame“. Das gab den Ausschlag: Der Berufswunsch Schauspieler stand fest. Sein Handwerk lernte er durch privaten Schauspielunterricht in München, Berlin und Los Angeles. Seine erste Fernsehrolle bekam der smarte Darsteller im ARD-Dauerbrenner „Marienhof“. Von da an ging‘s steil bergauf mit der Karriere. Ben Blaskovic spielt in zahlreichen Serien mit, wie „Rosenheim Cops“, „Hubert und Staller“, „In aller Freundschaft“ und demnächst auch in „Soko Kitzbühel“. Außerdem war er in großen Fernsehfilmen und sogar schon im Kino zu sehen. Seine Engagements führen ihn durch ganz Europa, sogar in der Karibik durfte er schon für eine Folge des „Traumschiffs“ vor der Kamera stehen.

Seine „wahre Leidenschaft“, das Musikmachen, hat er neben all seinem Erfolg aber nie aufgegeben. Als Singer-Songwriter tritt er regelmäßig auf verschiedenen Bühnen auf. Ein kurzer Ausflug ins Produzentenfach führte ihn im vergangenen Jahr beruflich in seine Heimat. Bei dem Kinofilm „Nesseltal“ fungierte Blaskovic als Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent. Gedreht wurde die unheimliche Geschichte unter anderem im Gebiet rund um den Schliersee. Premiere feiert der Film an Halloween in München.

Ben Blaskovic ist gut im Geschäft. Allein in diesem Jahr hat er ein Pensum von rund 100 Drehtagen zu bewältigen, auch für sein neuestes Projekt: Die RTL-Serie „Lifelines“. Darin übernimmt er die Rolle des Bruders der Hauptfigur.

Doch wann immer er Zeit findet, zieht es ihn an den Schliersee zu seiner Familie und in die geliebten Berge. Denn seine Heimat ist und bleibt ihm wichtig, ob im Sommer zum Wandern oder im Winter zum Skifahren.

Und seine drei Lieblingsplätze in Schliersee hat er uns auch verraten:

der Gipfel der Brecherspitz, die Badebucht in Fischhausen und das Restaurant des Schlierseer Strandbads zum „Burger-Essen“.

 

 

www.benblaskovic.com

 

Copyrights Bilder:

Wanderbilder Tegernseer Hütte – Katrin Nicols
Portraitbilder bunter Pulli, Cappi, grauer Pulli – Daniela Pfeil
Segelbilder – privat
Bilder mit blauem Dakine Cappi – Adrian Winkler
Wanderbilder Winter Kesselalm – privat

 

Katharina Fitz Katharina Fitz

Wohnhaft in Warngau, geboren in Tegernsee, aber dem Schliersee herzlich zugetan. Zweifache Mama und als freiberufliche Redakteurin, Sprecherin und Schauspielerin viel unterwegs. Steckenpferde: Kunst und Kultur, Natur (vor allem Bäume) und Schuhe!