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Ruine Hohenwaldeck nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich

Unsere Ruine Hohenwaldeck, die über dem Schliersee thront, ist ein ganz besonderes Schmuckstück. Bereits im 13. Jahrhundert wurde sie von den Herren von Waldeck auf dem Bergsporn 209 m über dem Schliersee errichtet. Leider wurde die Burg Hohenwaldeck 1480 durch einen kräftigen Felssturz zerstört. Bisher konntest du die Überreste der Burg, die hohen bewachsenen Steinwände, besichtigen und auch den beeindruckenden Aussichtspunkt mit Bänken und einem Kreuz, der etwas unterhalb der Ruine liegt und einen atemberaubenden Ausblick bietet, besuchen. Für mich definitiv ein Lieblingsplatz direkt über dem Schliersee.

 

 

 

Die Sicherheit der Besucher ist nicht mehr gegeben

Eigentümer des Geländes ist das Forstamt Schliersee, ihm obliegt somit auch die Verkehrssicherungspflicht. 2018 hatte der Forstbetrieb bereits Bäume in einer Helikopter-Aktion „herausgenommen“, um den weiteren Verfall der Mauern durch das Wurzelwerk zu verhindern. Nach Gesprächen mit Fachbehörden bleibt nun trotzdem keine andere Möglichkeit, als die Ruinenanlage samt Aussichtspunkt zu sperren. Keine leichte Entscheidung für Forstamtsleiter Jörg Meyer. „Leider sehe ich momentan keine andere Möglichkeit“, sagt er. Ab sofort wird der Zugang zur Ruine mit einem Bauzaun gesperrt, um die Besucher zu schützen.

Bitte halte dich unbedingt an die Absperrung. Wer in letzter Zeit genau hingesehen hat, konnte feststellen, dass sich beispielsweise eine der Mauern im oberen Teil nach außen neigt. Es ist gefährlich, in der Ruine herumzulaufen.

 

Jetzt heißt es für uns alle,  Geduld zu haben

Nach einem Vorgutachten erfolgt nun eine detaillierte Bestandsaufnahme mithilfe von Laserscan- und Drohnenvermessung. Dann wird sich herausstellen, welche Möglichkeiten es gibt, die Ruine zu sanieren. Der Ruinen-Charakter soll dabei unbedingt erhalten bleiben. Ich halte euch auf dem Laufenden, wenn es Neuigkeiten gibt. Neue historische Erkenntnisse, beispielweise über die ursprüngliche Größe, erhofft sich Jörg Meyer auf jeden Fall.

 

Wanderweg bleibt offen

Wer von Schliersee nach Neuhaus wandern möchte, kann den Höhenweg selbstverständlich weiterhin nutzen. Als Brotzeitpause empfehle ich dir jetzt die Bänke auf der Almwiese kurz nach dem Oberleitenhof. Hier hast du auch eine traumhafte Aussicht auf unseren schönen Schliersee.

 

 

 

Judith Weber

Redakteurin/freie Mitarbeiterin bei “Das Gelbe Blatt Miesbach”, Webdesign und Fotografie – Freude an neuen Blickwinkeln mithilfe eines Quadrokopters. Reiselustig und heimatverliebt. Lieblingsplatzerl: Insel Wörth im Schliersee

 

 

 

Schneefeld-Vorsorgesprengarbeiten an der Spitzingstraße ‒ ich durfte dabei sein …

Am 12. Februar 2018 fand in diesem Winter die fünfte Schneefeld-Vorsorgesprengung im Zuständigkeitsbereich der Lawinenkommission Schliersee statt.

Um kurz vor 18:00 Uhr habe ich die Zusage erhalten, dass ich an der Vorsorgesprengung als „stiller“ Zuschauer teilnehmen und auch ein paar Fotos machen dürfe. Um kurz nach halb sieben sollte ich mich an dem vereinbarten Treffpunkt einfinden. Das hieß für mich, schnell nach Hause zu fahren, mich warm einzupacken, die Kamera zu schultern, und dann ging’s los. Wie aufregend! Ich hatte gar nicht damit gerechnet, wirklich dabei sein zu dürfen.

Mein Ansprechpartner ist Walter Alkofer, der langjährige ehrenamtliche Leiter der Lawinenkommission Schliersee. In drei Jahren ist er seit 50 Jahren mit dabei, erzählt mir der rüstige 75-Jährige. Er ist immer noch mehrfach in der Woche in unseren Bergen unterwegs, um die Schneedecke zu analysieren und Lageberichte nach München an den Lawinenwarndienst zu melden. 2011 wurde seine Leistung ausgezeichnet, indem er das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekam.

„Eine Lawinenkommission ist ein Beratungsgremium für die Sicherheitsbehörde (Gemeinde, Landratsamt). Sie besteht aus ortskundigen und bergerfahrenen Fachleuten, die bei Bedarf zusammentreten, um die aktuelle Wetter-, Schneedecken- und Lawinensituation zu beurteilen und daraus entsprechende Empfehlungen für Lawinensicherungsmaßnahmen (z. B. Sperrungen von Straßen und Skiabfahrten oder künstliche Lawinenauslösungen) abzuleiten. Auch die Aufhebung von Sperrungen wegen Lawinengefahr beruht auf einer Lagebeurteilung durch die örtliche Lawinenkommission.“

https://www.lawinenwarndienst-bayern.de/organisation/lawinenkommissionen/

Die Lawinenkommission Schliersee hat insgesamt 13 Mitglieder, davon zwei Sprengberechtigte. Aufgabe ist es, den öffentlichen Straßenbereich sowie den gesicherten Pistenbereich und den gesicherten Skiraum (bis zwei Meter Entfernung von der Piste) vor Lawinen zu schützen.

Sicherheitsrechtliche Anordnungen, wie z. B. Sperrungen, werden von der Gemeinde veranlasst.

Der Sprengberechtigte wiederum trägt die Verantwortung im Sinne von § 19 Sprengstoffgesetz (SprengG). Er muss sich einen Überblick darüber verschaffen, was genau gesprengt werden soll, die notwendige Menge an Sprengstoff berechnen und den Ablauf der Arbeiten überwachen. Außerdem muss er sich um die Sicherheit kümmern für Sprenghelfer und alle sonstigen Personen, die mit der Verarbeitung oder Herstellung von explosionsgefährlichen Sprengmitteln zu tun haben und damit umgehen.

 

Gesprengt wird heute mithilfe der Lawinensprengbahn, die wie ein Skilift funktioniert und in der Schweiz gebaut wurde. Als Sprengstoff wird LADIN verwendet. LADIN ist ein speziell für Anforderungen von Schneefeldsprengungen entwickelter Sprengstoff. LADIN enthält neben Ammoniumnitrit nur pflanzliche Bestandteile und einen geringen Anteil von Mineralöl. Der sogenannte Ladungsabwerfer kann vier Sprengladungen à 4,5 kg tragen. Die Sprengungen werden mechanisch über ein Funkgerät ausgelöst.

Heute ist es besonders spannend, weil Andreas Lechner im Rahmen seiner Ausbildung zum Sprengberechtigten im Auftrag des Marktes Schliersee zum ersten Mal die Sprengladungen vorbereitet, mithilfe von Manfred Eckmair anbringt und schließlich auch per Funk die Sprengung auslöst. Die beiden Sprengberechtigten  Herr Eckmair und Herr Harald Gräbner erläutern ihm jeden Handgriff ausführlich, und er arbeitet äußerst konzentriert. Ich bin fasziniert von der Ruhe, welche die drei Männer ausstrahlen. Besonders bei der Anbringung der Sprengzünder an die Pulverzündschnur ist Vorsicht angebracht. Alle nicht direkt Beteiligten müssen einen Sicherheitsabstand von mindestens fünf Metern einhalten. Da wird‘s mir direkt ein bisschen mulmig ‒ und mir wird der Ernst der Situation bewusst!

Nachdem die Zünder angebracht und die Sprengladungen bereit sind, werden sie am Ladungsabwerfer befestigt.

Und dann geht‘s auch schon los: Der Ladungsabwerfer fährt mit den vier Sprengladungen in die dunkle Nacht hinaus. Wir gehen auf die Straße hinunter und sind zwischen 500 und 800 Meter vom jeweiligen Gefahrenbereich der vier Sprengungen entfernt. Nachdem die Halteleine des ersten Sprengsatzes mechanisch gelöst wird, fällt der Sprengsatz an der Zündleine herunter. Wichtig ist, dass er drei bis fünf Meter über dem Schneebrett detoniert, das dann durch die Druckwelle gelöst wird.

Herr Gräbner schaut auf die Uhr, und nach etwa 2,5 Minuten sieht man den Lichtblitz der gezündeten Sprengladung. Erst ein paar Sekunden später ist die Detonation zu hören. Bei der vierten Sprengung sieht man den gezackten Kamm des Hagenberges für einen Sekundenbruchteil im schwarzen Nachthimmel aufleuchten.

Und dann ist die Sprengung auch schon vorbei. Nun wird noch die Spitzingstraße abgefahren, ob irgendwo Teile der ausgelösten Lawinen die Straße versperren. Das ist heute Abend jedoch nicht der Fall.

 

Was für ein spannendes Spektakel abseits von öffentlichen Zuschauern! Eine tolle Leistung unserer Lawinenkommission Schliersee und der Sprengberechtigten! Hut ab vor diesen ehrenamtlichen Helfern ‒ fernab von jedem Medienrummel!

Große Unterstützung beim Verfassen des Artikels habe ich von Herrn Eckmair erhalten. Er ist seit 33 Jahren Sprengberechtigter bei der Gemeinde Schliersee, hat unzählige Lawinensprengungen im Spitzingseegebiet betreut, auch aus Hubschraubern, und gehört seit 37 Jahren der Lawinenkommission Schliersee an. Als stellvertretender Obmann hat er im Juni 2013 das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste als Sprengmeister und die Tätigkeiten im Lawinenwarndienst erhalten.

 

 

Mit so vielen Mitgliedern der Lawinenkommission Schliersee, die bereits für ihre Leistungen höchste Auszeichnungen erhalten haben, dürfen Sie sich im hiesigen Zuständigkeitsgebiet in sicheren Händen fühlen!

 

https://www.lawinenwarndienst-bayern.de/

 

 

Ulrike Mc Carthy

Geborene Münchnerin und seit vielen Jahren begeisterte „Wahl-Schlierseerin“ Personaldiagnostikerin, Trainerin, Seminarleiterin, Hypno- und Gesprächstherapeutin, Hofbetreuerin im altbayerischen Dorf und vor allem Hobby-Fotografin.