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Familienwanderung: Mit Kindern auf die Gindelalm

„Wie weit ist es noch?“ Diese von Kindern allzu oft gestellte Frage werden alle Eltern kennen, insbesondere jene, die mit ihren Sprösslingen nur gelegentlich auf Wanderungen in den Bergen unterwegs sind. Die übliche Antwort der Eltern „Ist nicht mehr weit“ hat beim kürzesten Anstieg vom Parkplatz am idyllisch gelegenen Hennererhof im Tal des Breitenbachs hinauf zur 1.242 m hoch gelegenen Gindelalm in jedem Fall Gültigkeit. Der Anstieg über 390 Höhenmeter ist tatsächlich nicht besonders weit, gut ausgeschildert und sogar für kleinere oder wenig motivierte Knirpse in 1 ½  Stunden machbar. Der im Jahr 2015 neu sanierte, ziemlich breite Hüttenweg ist völlig gefahrlos zu begehen und für etwas ältere Kinder unter Umständen fast ein wenig eintönig. Vergessen Sie bitte nicht, für Ihr Kind oder Ihre Kinder immer ein Getränk und eine Kleinigkeit zu essen griffbereit zu haben. Besonders fitte Väter oder Mütter könnten sogar mit einem geländeerprobten Kinderwagen unterwegs sein.

Bei allzu sehr quengelnden Kids könnten neben spannenden Erzählungen oder Erklärungen auch folgende Lockmittel wie Wunder wirken: Auf der Gindelalm gibt es:

  • fast alle gängigen kindgerechten Getränke,
  • leckere Pfannkuchen oder gar Kaiserschmarrn mit Preiselbeeren,
  • deftige Wiener Würstchen,
  • verschiedene hausgemachte Kuchen,
  • einen Sandkasten und eine Schaukel (bei Gindelalm Nr. 2),
  • einen „richtigen“ Gipfel mit großem Gipfelkreuz und toller Aussicht ins Alpenvorland und
  • nicht zuletzt eine großartige Umgebung zum Herumtollen.

Die drei Almhütten ‒ übrigens alle seit Generationen im Besitz von Haushamer Landwirten ‒ sind während der üblichen Zeit von etwa Mitte Mai bis etwa Ende Oktober oder gar Anfang November bewirtschaftet. Mehr Komfort, eine etwas umfangreichere Auswahl an Speisen und sogar Übernachtungen mit 36 Schlafplätzen bietet die mittlere Almwirtschaft (Haus Nr. 2), während die vordere Alm (Haus Nr. 1) ‒ sie existiert laut Aussage ihrer Besitzerin seit 450 Jahren(!) ‒ und die obere Alm (Haus Nr. 3) dem Gast ausdrücklich eher gelebte Genügsamkeit und glaubhafte Almtraditionen offerieren.

Es ist wirklich ein ruhiger und besonders idyllischer Platz hier oben. Wer eher Ruhe und Entspannung bevorzugt, sollte unbedingt sonnige Wochenenden oder Feiertage meiden und einen Tag unter der Woche wählen. Sehr vielen Ausflüglern und Bergwanderern ist die Gindelalm ans Herz gewachsen. Der freie Blick nach Osten über die Schlierseer Berge zum Wendelstein ist für uns Erwachsene beeindruckend. Wer sich noch etwa 15 bis 20 Minuten Zeit nimmt und die zusätzlichen knapp 100 Höhenmeter hinauf zur kreuzgeschmückten flachen Gipfelkuppe der Gindelalmschneid hinaufsteigt, könnte die Ausblicke erheblich erweitern und bei sehr guter Fernsicht von dem 1.335 Meter hohen Gipfel bis nach München schauen.

Sehr häufig ist die Gindelalm auch Zwischenstopp auf der lohnenden Traverse vom Schliersee zum Tegernsee oder umgekehrt. Es ist eine relativ bequeme Wanderung auf Almstraßen und gut ausgeschilderten Bergwegen von etwa vier bis fünf Stunden Dauer mit einer zweiten Einkehrmöglichkeit im Berggasthaus Neureuth (1.261 m), die auch für Kinder oder ältere Personen ideal geeignet ist. Für Besucher aus dem Raum München empfiehlt sich auf jeden Fall die stressfreie und umweltverträgliche An- und Rückreise mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB).

Charakter und Besonderheiten: Abwechslungsreiche und landschaftlich sehr lohnende Bergwanderung ohne jegliche Schwierigkeiten

Talort: Schliersee (784 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: BOB von München nach Schliersee

Anforderungen/Schwierigkeit: leichte Halbtagestour ohne Orientierungsproblematik, für Kinder ab ca. 6 Jahren geeignet

Höhenunterschied: etwa 400 Hm, bei Besteigung der Gindelalmschneid ca. 100 Hm mehr

Ausgangspunkt: Großer Parkplatz am Hennererhof (850 m), zu erreichen mit Pkw oder zu Fuß von Schliersee über dem Ortsteil Breitenbach

Gesamtdauer: etwa 2,5 bis 3 Stunden (Aufstieg 1 bis 1 ½  Std./Abstieg 1 Std.)

Beste Jahreszeit: Mitte Mai bis Ende Oktober

Ausrüstung: einfache Wanderausrüstung mit Regenschutz

Einkehrmöglichkeiten: 3 verschiedene Almwirtschaften auf der Gindelalm (http://www.gindelalm.de, Tel. 0173/9439384)

Beste Karte: AV-Karte 1:25.000, Blatt BY15 „Mangfallgebirge Mitte, Spitzingsee, Rotwand“

Fremdenverkehrsamt: Gäste-Information Schliersee, Perfallstraße 4, 83727 Schliersee, Tel: 08026/6065-0, (http://www.schliersee.de)

Die Route:

  1. Für Bahnreisende: Vom Bahnhof Schliersee nördlich der Bahngleise auf einem Fußweg im ca. 10 Min. zum Schlierseer Ortsteil Westenhofen bis zu einer Bahnschranke. Über die Bahngleise in die Breitenbachstraße. Auf dieser teilweise etwas steiler zunächst zum Ortsteil Breitenbach und geradeaus weiter ins Breitenbachtal bis zum Hennererhof (vom Bhf. Schliersee etwa 3,2 km, ca. 50 Min., mit Kindern entsprechend länger). Weiter wie bei b).
  2. Für Gäste mit dem Pkw: Vom Wanderparkplatz bis zu einem Abzweig vor dem Hennererhof (Hinweisschild). Hier nach rechts abbiegen und auf sehr gut angelegter Wegführung – meist durch Wald – zur Gindelalm.

 

 

Eckehard Radehose

Eckehard Radehose In Schliersee zuhause, extrem berg- und reisesüchtig seit seinem 6. Lebensjahr. Dipl. Kartograph, Journalist und langjähriger Trekking- und Expeditionsleiter mit Vorliebe für besonders hohe Gipfelziele. An die 2.500 Gipfelbesteigungen weltweit und weit über 1.000 Skitouren. Mein bevorzugter Ort: Gipfel der Baumgartenschneid bei Sonnenuntergang mit einem Glas Rotwein.

 

 

Ich war dabei – Bayerns verrücktestes Liebesexperiment!

„Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut, sondern dass man gemeinsam in dieselbe Richtung blickt.“*

Bayerns verrücktestes Liebesexperiment ging am vergangenen Sonntag zu Ende. Um ehrlich zu sein, ich selbst und sicherlich auch Alex Römer – mein Führerkollege – sowie das gesamte Schlierseer Orga-Team hatten ziemlich hohe Erwartungen in diese außergewöhnliche, um nicht zu sagen etwas verrückte Idee gesetzt. Über 800 Personen ‒ übrigens vorwiegend Damen(!) ‒ hatten sich für dieses aufsehenerregende Experiment beworben. Nur zehn Personen – fünf Frauen und fünf Männer – wurden entsprechend ihrem Charakter vom renommierten fränkischen Charakterforscher und Mentalcoach Walter Rotter ausgewählt. (Originalton Walter Rotter: „Sie müssen ja nicht gleich heiraten, aber sie werden sich von Anfang an mögen“) Nachdem der ursprüngliche Termin aufgrund sehr schlechten Wetters verschoben wurde, kamen leider vermutlich aufgrund von Terminschwierigkeiten nur noch vier Personen (zwei Frauen und zwei Männer) zum Ersatztermin in die Schlierseer Vitalwelt. Alle Teilnehmer/-innen waren vermutlich ähnlich aufgeregt wie die Organisatoren, als am ersten Septemberwochenende die Großwetterlage die Durchführung des Biwaks auf der knapp 1.750 Meter hohen Jägerkamp endlich möglich machte.

Nach offizieller Begrüßung der vier Teilnehmer/-innen und des extra beauftragten Berufsfotografen, der notwendigen Einweisung und Verteilung der Biwak-Ausrüstung (mein besonderer Dank geht an dieser Stelle an die beiden Sponsoren Mountain Equipment für die Daunenschlafsäcke und Gaskocher sowie Adventure Food für die gefriergetrocknete Expeditionsverpflegung!) starteten wir samstags um 16.00 Uhr mit einem eigens für uns bereitgestellten Kleinbus zum Spitzingsee bzw. zur Talstation der Taubensteinbahn. Nach einer kurzen, jedoch überaus lohnenden „Kaiserschmarrn-Probierpause“ an der Schönfeldhütte erreichte unser kleines Team nach gut zwei Stunden Aufstieg eine flache, grasbewachsene Ebene wenige Meter unterhalb der Jägerkamp. Die erste sehr wichtige Aktion hier: trockene Klamotten anziehen, danach Suche nach den besten Schlafplätzen.

 

Alle im Team praktizierten von Beginn an einen für mich auffallend harmonischen, fast fürsorglichen Umgang untereinander. Es begannen aufschlussreiche Gespräche, anfangs humorvolle, später vermehrt auch Gedankenaustausch mit mehr ernsten Inhalten. Als wir nach dem gemeinsamen Abendessen dann etwas später in unseren Schlafsäcken lagen, folgten sogar sehr beziehungsproblembezogene Themen ‒ Gedankengut, das gewöhnlich nur unter besonders vertrauten Personen erörtert werden dürfte. Spätestens in diesen Momenten wurde für mich deutlich spürbar: Hier treffen ganz besondere Charaktere aufeinander, Personen, die sich ganz offensichtlich sympathisch sind und deswegen einen auffallend freundschaftlichen Umgang miteinander pflegen. Ich werde diese Momente als sehr wohltuend in Erinnerung behalten. Im wärmenden Schlafsack liegend, ein kleines Kunststoffgläschen Rotwein in der Hand ‒ und das alles mitten in den Schlierseer Bergen hoch über dem Tal.

Was jetzt noch zur perfekten Glücksseligkeit fehlte, war ein klarer Sternenhimmel, und das machte sich leider wenig später äußerst unangenehm bemerkbar. Fast unbemerkt waren Wolken aufgezogen, und beginnender Regen unterbrach unsere heimelige Biwak-Atmosphäre abrupt. Kurzerhand beschlossen Alex und ich, schnellstmöglich alles zusammenzupacken und mit den Stirnlampen zu einer nahegelegenen Almhütte abzusteigen. Hier verbrachten wir die restliche Nacht unter einem schützenden Hüttendach.

Der morgendliche Abstieg zurück zum Ausgangspunkt erfolgte bei herrlichem Sonnenschein. Gerne folgten wir vormittags der Einladung der Tourismusinformation Schliersee ins Freilichtmuseum von Markus Wasmeier zu einem Weißwurstfrühstück und einem angeschlossenen Pressetermin.

Mein persönlicher Eindruck von „Bayerns verrücktestem Liebesexperiment“: Für mich und, ich denke, für alle Beteiligten war es eine völlig neue, sehr interessante und auch lohnende Erfahrung. Fast 30 Jahre war ich in den zurückliegenden Jahren als Reiseleiter für meist anspruchsvolle Berg- und Trekkingreisen weltweit unterwegs. Eine Vielzahl von Personen hatte ich in dieser Zeit kennenlernen bzw. führen dürfen, Teilnehmer/-innen höchst unterschiedlichsten Charakters. Dass Menschen, die sich zuvor nicht kannten, von Beginn an derart offen miteinander umgehen, ist sicher äußerst selten. Ich wage die Aussage, die hier ausgewählten zwei Damen und Herren des „Liebesexperiments“ haben in außergewöhnlichem Maße miteinander harmoniert, und die zuvor erwähnte Behauptung vom Charakterforscher „… sie werden sich von Anfang an mögen“ sehe ich im Nachhinein zu 100 Prozent bestätigt. Eines steht jedenfalls fest: Die vier sympathischen Singles möchten sich demnächst wieder treffen. Sehr gerne wäre auch ich wieder mit dabei …

 

Eckehard Radehose

Eckehard Radehose In Schliersee zuhause, extrem berg- und reisesüchtig seit seinem 6. Lebensjahr. Dipl. Kartograph, Journalist und langjähriger Trekking- und Expeditionsleiter mit Vorliebe für besonders hohe Gipfelziele. An die 2.500 Gipfelbesteigungen weltweit und weit über 1.000 Skitouren. Mein bevorzugter Ort: Gipfel der Baumgartenschneid bei Sonnenuntergang mit einem Glas Rotwein.

 

 

Ein Abenteuertag für Eltern und Kinder auf der Schliersbergalm

Auf geht‘s mit der Gondel zur Schliersbergalm auf 1.061 m Höhe. Die Fahrzeiten sind von 8:30 bis 22:00 Uhr. Auf der Alm angekommen, hat man einen herrlichen Blick auf den Schliersee und die umliegenden Berge. Es bieten sich vielfältige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung für Erwachsene und vor allem auch für Kinder. Wer länger bleiben will, kann hier natürlich auch übernachten und die himmlische Ruhe auf dem Berg erleben.

Was für ein Vergnügen: Trampolin springen bis in den Himmel! Ein Bällebad nehmen und anschließend ab ins Schwimmbad und eintauchen in die kühlen Fluten. Oder wie wäre es mit einer Partie Schach in traumhafter Kulisse? Oder einer Fahrt mit dem Alpenroller ‒ einer Schienenbahn zum Selbststeuern. Kleine Helden werden hier zu begeisterten Zugführern … Danach steht Minigolfspielen auf dem Programm. Auf der lauschigen 9-Loch-Anlage am Waldrand vergnügen sich Erwachsene genauso wie die Kinder. Wer mag, macht einen Abstecher zur Kapelle und genießt dabei den Blick auf den See. Die Kleinen lieben eine Fahrt mit dem Kinderkarussell und können nach Lust und Laune auf dem großen Robinienholz-Spielplatz toben, während die Eltern es sich auf den zur Verfügung stehenden Liegestühlen bequem machen und die Zeit nutzen, um sich zu entspannen.

 

 

Zur Stärkung geht‘s dann zur Brotzeit in den Biergarten oder ins Restaurant, wo es über einen frisch zubereiteten Kaiserschmarrn, einer gesunden Portion Bio-Heumilch-Bergkäse bis hin zu geschmorten Ochsenbacken vielerlei Schmankerln gibt.

Für frisch gestärkte große und kleine Wanderer empfehle ich eine Rundtour mit der ganzen Familie zum Schliersberggipfel auf 1.265 m (Schwierigkeitsgrad leicht, Länge 3,1 km). Auch für geübte Wanderer gibt es schöne Pfade entlang der Wiesen und durch den Wald bis nach Zielmoos und Taferlmoos und wieder zurück zur Alm.

 

 

Wer danach noch fit ist, nimmt den Weg nach unten bis nach Schliersee. Müde Abenteurer lassen sich mit der Gondel zurück ins Tal tragen und genießen dabei den Sonnenuntergang über dem See. Eine Alternative für Wagemutige ist die Fahrt mit der Sommerrodelbahn. Auf einer Länge von 950 m durch den Wald und unter einer Brücke hindurch geht‘s rasant zurück zur Talstation. Und so geht ein gelungener Tag zu Ende …

http://www.schliersbergalm.de/

 

Ulrike Mc Carthy

Geborene Münchnerin und seit vielen Jahren begeisterte „Wahl-Schlierseerin“ Personaldiagnostikerin, Trainerin, Seminarleiterin, Hypno- und Gesprächstherapeutin, Hofbetreuerin im altbayerischen Dorf und vor allem Hobby-Fotografin.