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Leonhardifahrt von Schliersee nach Fischhausen – eine der ältesten christlichen Traditionen in Bayern

„Leonhardi is a Wallfahrt zu Ehren vom Heiligen Leonhard. In de meist‘n Fälle werd g‘rittn oder auf Pferdl-Fuhrwerk g‘fahrn. Des hod damit z’doa, dass da Leonhard als Schutzheiliga fia d‘ Viacha verehrt werd. Einglich fia alle bäuerlich g‘nutztn Viacha, aber fia‘d Pferdl besonders.“

 

https://bar.wikipedia.org/wiki/Leonhardi

 

Am 6. November ist der Namenstag des Heiligen Leonhard, dem Schutzpatron der Nutztiere. Ihm zu Ehren gibt es auch in Schliersee alljährlich eine Leonhardifahrt. Diese findet dieses Jahr am Sonntag, den 05.11. 2017, statt. Sie beginnt in Schliersee am Bahnhof. Eine Prozession von liebevoll bemalten und geschmückten Truhenwägen mit herausgeputzten Rössern rollt entlang des Seeufers nach Fischhausen zur Leonhardikirche. Dort findet um 10:00 Uhr ein Feldgottesdienst auf der Wiese hinter dem Kircherl statt. Danach werden die Rösser in ihrer Funktion als Last- und Arbeitstiere gesegnet. Musiker, Trachtler und Gebirgsschützen begleiten die Wallfahrt. Wunderschön anzusehen sind die in tagelanger Arbeit fantasievoll geschmückten Wägen. Zum Beispiel fährt die Wallfahrtskirche Birkenstein als Nachbildung mit.

 

Wer die Prozession miterleben möchte, sollte rechtzeitig vor Ort sein, weil die Durchfahrt Schliersee-Fischhausen zwischen 9:00 und 13:00 Uhr gesperrt ist.

 

Mein Tipp: Nutzen Sie die BOB (Bayerische Oberlandbahn), um von Schliersee nach Fischhausen zu fahren. Und lassen Sie sich mitreißen von dieser alten bayerischen Tradition und der Farbenpracht der traditionellen Trachtengewänder sowie den Pferden mit kunstvoll geflochtenen und mit Blumen geschmückten Mähnen. Es fühlt sich an wie ein Eintauchen in eine andere Welt.

 

 

Wallfahrtskirche St. Leonhard

Neuhauser Straße 30

83734 Schliersee-Fischhausen

 

 

Ulrike Mc Carthy Ulrike Mc Carthy

Geborene Münchnerin und seit vielen Jahren begeisterte „Wahl-Schlierseerin“
Personaldiagnostikerin, Trainerin, Seminarleiterin, Hypno- und Gesprächstherapeutin, Hofbetreuerin im altbayerischen Dorf und vor allem Hobby-Fotografin.

 

 

 

Reitererlebnis hautnah für Groß und Klein in Schliersee

„Das höchste Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“, soll einst der Lyriker Friedrich Bodenstedt gesagt haben. Deshalb lohnt es sich auf jeden Fall, es einmal zu versuchen und hoch zu Ross die herrliche Landschaft rund um den Schliersee zu erkunden. Also nehme ich die Kinder mit und mache mich mit ihnen auf zum Schliersee! Einer der beiden Bauernhöfe, die Reitmöglichkeiten anbieten, liegt am südlichen Ende des Sees im Ortsteil Fischhausen.

Auf dem Asenbauer-Hof leben insgesamt sechs Pferde. Vier davon stehen Hausgästen, Touristen und Einheimischen für geführte Ausritte zur Verfügung. „Wanderreiten“ liegt im Trend: Je nach Wetter und Jahreszeit begleitet Hofbesitzer Sebastian Holzer rund dreimal pro Woche Reitgruppen in die Natur.

Vor allem feste Touren können beim Asenbauer gebucht werden. Zwei bis vier Stunden dauert ein solcher Wanderritt. Ein besonderes Erlebnis ist ein Ausflug zur Krainsbergalm hoch oben über dem Schliersee. Aber vor dem Vergnügen kommt bei Sebastian Holzer die Arbeit: „Jeder Reiter putzt und sattelt sein Pferd vor einem Ausritt selbst. Das gehört einfach dazu.“ Aus diesem Grund sollten die Reitgäste vom Asenbauer-Hof auch Reiterfahrung mitbringen und mindestens zwölf Jahre alt sein. Gerade bei Geländeritten ist es nämlich wichtig, sein Pferd im Griff zu haben.

Sebastian holt heute „Olympia“ und „Lotte“ für uns von der Wiese. Nach kurzer Einweisung in die Benutzung von Striegel und „Kardätsche“ – der Pferdebürste ‒ geht es auch schon los. Die Pferdehaare kitzeln in der Nase, der Staub wirbelt durch die Luft, und bald glänzen die Pferdeleiber in der Sonne. Sattel und Zaumzeug anlegen, aufsteigen ‒ und los geht‘s. Herrlich und irgendwie erhaben fühlt man sich in den bequemen Wanderreitsätteln. Solange „Olympia“ und „Lotte“ brav im Schritt dahinzuckeln, ist auch alles gut. Wild durch die Gegend zu galoppieren, gehört ohnehin nicht zum Repertoire der Asenbauer-Pferdefamilie. „Das ist dann doch zu gefährlich“, bestätigt Sebastian Holzer. Leise Gedanken an schmerzhaften Muskelkater schiebe ich beiseite und genieße einfach nur die sanfte Bewegung des warmen Pferdekörpers unter mir. Daran könnte ich mich gewöhnen, und auch die Kinder fühlen sich wohl.

Für einen zweistündigen geführten Ausritt verlangt Familie Holzer 50 Euro, vier Stunden kosten 80 Euro pro Person. Diese Preise gelten für Gruppen. Einzelausritte mit dem Chef persönlich kosten mehr.

Ein paar Bauernhöfe weiter liegt ein weiteres Schlierseer Pferdeparadies: der Langerbauer-Hof. Veronika Widmann hat sich auf dem elterlichen Anwesen eine professionelle Reitschule aufgebaut, die keine Wünsche offenlässt. Rund 20 Pferde grasen auf den umliegenden Weiden. Vom Shetlandpony bis zum Vollblut ist hier fast jede Pferderasse vertreten. Dementsprechend groß ist auch das Angebot an Kursen und Stunden. Das Reitschulangebot richtet sich vorwiegend an Hausgäste des Langerbauer-Hofs und an Einheimische. Eine halbstündige Einzelreitstunde auf dem Reitplatz schlägt für Kinder mit 20 Euro und für Erwachsene mit 25 Euro zu Buche. Die gleichen Preise gelten für eine ganze Stunde in der Gruppe. Für Kinder ab zwei Jahren bietet Veronika Widmann geführtes Ponyreiten für 15 Euro pro Stunde und Nase an. Die beiden Shetlandponys „Blitz“ und „Prinz“ sind gutmütige Zeitgenossen und erleichtern sogar ausgemachten Pferdemuffeln den ersten Kontakt.

Das Größenverhältnis Kind-Pferd passt bei meiner Tochter und dem Shettie „Blitz“ perfekt. Und deshalb gehen auch das Putzen, Satteln und Aufsteigen fast wie von selbst. Vielleicht liegt es aber auch an der fachkundigen Anleitung von Veronika Widmann, die ihre kleinen Gäste mit Kompetenz und Humor an den Pferdesport heranführt. Die Lage des modernen Reitplatzes vom Langerbauer-Hof ist fast nicht zu überbieten: Vor dem Hintergrund des tiefblauen Schliersees drehen die Reiter ihre Runden. Postkartenidylle pur!

Viel zu schnell ist die Reitstunde vorbei und die weibliche Reitleidenschaft geweckt. Warum Mädchen und Pferde so eine besondere Affinität haben, ist von der Wissenschaft wohl auch noch nicht abschließend erforscht. Meine persönliche Erklärung: Reiten macht einfach einen Riesenspaß, besonders am Schliersee!

 

Asenbauer-Hof, Sebastian Holzer, Fischhauserstraße 6, 83727 Schliersee
Tel.: 08026-6629, Mobil: 0176-53331762. E-Mail: info@asenbauer-hof.de, www.asenbauerhof.de, ganzjährig geöffnet.

Langerbauer-Hof
, Veronika Widmann (Pferdewirtin und Tierheilpraktikerin), Fischhauserstraße 10, 83727 Schliersee
Mobil: 0176-96977994, E-Mail: veronika.novelle@gmx.de, www.langerbauer.de

 

Katharina Fitz Katharina Fitz

Wohnhaft in Warngau, geboren in Tegernsee, aber dem Schliersee herzlich zugetan. Zweifache Mama und als freiberufliche Redakteurin, Sprecherin und Schauspielerin viel unterwegs. Steckenpferde: Kunst und Kultur, Natur (vor allem Bäume) und Schuhe!

 

 

Der kleine Ben auf Pferdeschlittenfahrt

Ganz aufgeregt ist er, der kleine Ben, der mit roten Backen eingewickelt in eine warme Decke über herunterhängenden Fäustlingen mit seinen Zeigefinger auf die sich sanft wiegenden Pferderücken vor dem Schlitten deutet: “Papa hat gesagt, wir machen heute eine Pferdeschlittenfahrt! Da dürfen die Pferde nicht mit auf den Schlitten, die müssen selber laufen!”.

“So ein Schlitten ist ganz schön groß und komisch – ohne Räder, wir haben zwei blonde Pferde, aber es gibt auch schwarze und brunette. Die riechen alle nach Bauer, sind ganz schön stark und haben eine weiche Nase mit paar Haaren drauf.” Ganz eingefangen ist der kleine Ben von der tiefverschneiten Winderlandschaft, die still mit leisem Schnauben der Rösser, begleitet vom fröhlichen Klang der Schlittenglocken, vorüberzieht.

“Papa soll den Fahrer mal fragen, ob ich da vorn sitzen darf. Der schaut fast so aus wie der Weihnachtsmann, nur mit brauner Jacke ohne Bart. Aber reiten darf man die …” er zeigt wieder auf die Pferde “… ja nicht, weil der Fahrer dann nix sehen kann.” “Schade, aber schön, so Schlittenfahren”.

Mit dampfenden Nüstern stapfen die braven Rösser durch den Schnee. “Das kann ich auch!”, und er hält die Hand vor den Mund und verfolgt die kleinen Dampfwölkchen, die er aus seiner Nase ausstoßen kann.

Der Kutscher lenkt den Schlitten von der Straße auf irgendetwas, was ein Feldweg sein könnte, kann man aber bei dem vielen Schnee nicht wirklich sehen. “Boah, jetzt gibt er Gas!”- Der kleine Ben spürt die Kraft der Rösser, das Rucken, das durch den Schlitten geht, als die Pferde antraben – der Schnee stiebt, der Kutscher hält seinen Hut. “Fahrtwind” weiß der kleine Ben “da muss er aufpassen!”.

Kleine Eiskristalle prickeln in sein Gesicht und er spürt, wie der Schlitten unter ihm schnell aber weich auf dem Schnee gleitet. Der kleine Ben schaut seinen Vater an: “Boah, ist der schnell” bis der Kutscher sanft an den Zügeln zieht “Jetzt bremst er”, “hat der eigentlich ne Bremse?”

“Komisch, daß gar nicht kalt ist” denkt der kleine Ben, “sonst ist Winter immer kalt und eklig, aber hier ist trotz Schnee warm.” kuschelt sich in seine Decke an die Mama, und kann sich gar nicht sattsehen an den Rössern, wie sie laufen, wie sie mit den Schwänzen wedeln und den Köpfen nicken. Eigentlich riechen sie ja nicht mal so übel.

 

Asenbauer-Hof
Fischhauser Straße 6
83727 Schliersee
+49 8026 6629
info@asenbauer-hof.de
www.asenbauer-hof.de

Kutschfahrten Spitzingsee
Seestr. 25
83727 Schliersee/Spitzingsee
+49 152 01472283
www.kutschfahrtenroetzer.de

Kutschfahrten Sprenger
Kalkgraben 4
83727 Schliersee
+49 8026 2800
info@sprengerhof.de
http://kutschfahrten.schliersee.de

Kutschfahrten Hirtreiter
Schießstättstr. 7
83727 Schliersee
+40 8026 20011
info@gaestehaus-sonnenstatter.de
www.kutsch-und-wanderfahrten.de

Karl Bergkemper Karl Bergkemper

Begeisterter Schlierseer, Musiker und Internet-Schraubenzieher. Der technisch orientierte “Beutebayer” der Redaktion – immer für Ideen zu haben, die Schliersee weiterbringen