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Räuchern mit heimischen Kräutern und Harzen

Eine Reise durch die Zeit mit „Marlies Bader“

Stellt euch vor, ihr lebt vor ca. 10.000 Jahren. Es ist ein kalter Abend, und alle sitzen zusammen mit den Sippenmitgliedern in einer Höhle um ein loderndes Feuer herum. Die letzte Jagdbeute liegt, damit die Tiere sie nicht erreichen, in der oberen Nische der Höhle. Das trockene Holz ist verbraucht, und ein Mitglied kommt auf die Idee, einen noch frischen Wacholderbusch zum Verbrennen auf das Feuer zu legen. Das lodernde Feuer erlischt dadurch, aber die Glut lässt die ätherischen Harze des Wacholders verdampfen. Nachdem sich der erste beißende Rauch verzogen hat, wird die Höhle vom aromatischen Duft des Wacholders erfüllt. Der Husten, den die Menschen um das Feuer hatten, wird gemildert, und allmählich tritt eine entspannte Stille ein.

Selbst die gichtigen Gelenkschmerzen der Oma werden etwas gelindert. Die Wirkung des keimtötenden Rauchs wird auch an der Jagdbeute sichtbar. Der Rauch zieht bis unter die Höhlendecke und konserviert damit das Wildfleisch.

Daraufhin wurden die Heiler der Gruppe auf die Wirkung des Rauchs aufmerksam und nutzten ihn, um körperliche Leiden zu lindern, und die Jäger nutzten fortan den Rauch, um Fleisch haltbar zu machen. Die Schamanen nahmen mithilfe des Rauchs und der Trommeln fortan dieses Handwerkszeug zum Reisen in die geistige Welt. Die Praxis des Räucherns verbreitete sich weltweit und wurde mehr und mehr verfeinert.

Es wurde geräuchert, um den Göttern oder Ahnen zu huldigen. Die Vorstellung, der balsamische Rauch sei die Nahrung der Götter und trage die Gebete zu ihnen, war weitverbreitet. Aber auch zu profanen Zwecken wurde geräuchert, etwa um Kleider, Haare oder Wohnräume zu aromatisieren ‒ und nicht zuletzt zur Schädlingsabwehr.

Bis zur heutigen Zeit wird auf der ganzen Welt geräuchert. In den asiatischen orientalischen Ländern ist das Räuchern sogar alltägliche Praxis. Nur die westliche Wissenslinie über die Kraft des Räucherns ist bzw. war zum großen Teil unterbrochen (abgesehen vom Konservieren bei Fleisch und Fisch). Reste des geistigen Räucherns finden wir heute noch in den Hochämtern der katholischen Kirche, wobei hier meist der orientalische Weihrauch verwendet wird.

Mittlerweile haben die kräuterkundigen Frauen und Männer wieder Hochkonjunktur.

Beim Räuchern geht es ‒ ähnlich wie in der Homöopathie – darum, den Geist (die Wirkung) der Pflanze von der Materie (Pflanzenkörper) zu lösen. Für diesen Vorgang werden Glut und Hitze des Feuers zur Transformation verwendet.

 

 

Ich hatte das Glück, die großen Kräuterkundigen wie Maria Treben, meine Tante Walburga, meine Eltern, Eva Aschenbrenner, Ignaz Schlifni, Inge Kogler, Marlies Bader und viele weitere noch persönlich kennenzulernen. Schon als kleines Mädchen war ich zuständig für den Kräuterbusch, der an Maria Himmelfahrt geweiht und zum Trocken an der Stalltür aufgehängt wurde. Bei Krankheit von Tier und Mensch hatte mein Vater immer intuitiv die richtigen getrockneten Kräuter genommen und auf die Glut im Küchenherd gelegt. Auch für den Wettersegen wurde gebetet und geräuchert (Königskerze) ‒ es hat immer gewirkt. Mein Vater war es auch, der mich neugierig machte, welche Räuchermischungen in der Kirche verwendet wurden. Als langjähriger Mesner und Räucherexperte für Schwarzgeräuchertes kannte er sich bestens aus. Wenn Vater von der Waldarbeit heimkam, hatte er immer a Stückal Fichtenharz dabei und legte es intuitiv ins Feuer. Dieser wohlriechende Duft, der sich daraufhin ausbreitete, ist bis heute für mich sehr angenehm.

 

 

Angelika Prem Angelika Prem

Naturverliebte Schlierseerin, Kräuterpädagogin, Referentin und Seminarleiterin, Senior-Hennererwirtin, BBV Ortsbäuerin, liebt gutes regionales hausgemachtes Essen und entspannt beim Kuchen backen

 

 

 

Die Rau(ch)nächte ‒ seit Jahrhunderten eine ganz besondere Zeit

Die Zeit zwischen den Jahren, die Rau(ch)nächte, galten bei uns in der Familie als Quelle der Ruhe und Kraft, Zeit für sich und die Familie zu haben. Es wurde nur das Notwendigste erledigt, wie Stallarbeit und Nahrungszubereitung. In dieser heiligen Zeit durfte keine Wäsche gewaschen werden, alles wurde auf Sparflamme zurückgefahren. Allerdings sollte zuvor alles in Ordnung gebracht werden, damit das alte Jahr in Frieden gehen kann.

Am 21. Dezember, auch Thomastag genannt, ist Wintersonnwende. Es ist der kürzeste Tag des Jahres und Beginn der zwölf Raunächte. Die Natur und auch die Menschen ziehen sich zurück und halten inne. Gebet, Meditation, räuchern und orakeln, gemütliches Beisammensein und Geschichten erzählen erfüllen die ganz besondere Zeit zwischen den Jahren.

Das Räuchern zu den Rau(ch)nächten ist eine Art von Orakeln. Man nimmt getrocknete heimische Kräuter und Harze, die mithilfe von Feuer (glühende Kohle oder Teelicht mit Sieb) verräuchert werden. Dabei wird das ätherische Öl der Pflanzen oder Harze freigesetzt und wirkt stimmungsaufhellend für Geist und Seele ‒ je nach Einsatz der Pflanzen. Salbei beispielsweise löst Spannungen, Rose ist für die Liebe, Styrax ist herzöffnend und gehört auch in die Liebesräucherung …

In den zwölf Nächten (ausgenommen sind die Weihnachtstage vom 24. bis 26. Dezember) ist das Tor zu den Ahnen ganz besonders geöffnet. In diesen Tagen ist nichts wie sonst. Man bediente sich ganz bewusst der Energie der Ahnen, um sich neu zu orientieren und persönliche Anliegen zu klären. Eine heilsame Chance auch in unserer heutigen schnelllebigen Zeit. Das Innehalten zwischen dem alten und dem neuen Jahr. Dieser Raum bietet uns die Möglichkeit, um zu reflektieren, nachzudenken, nachspüren und gleichzeitig neue Impulse und Ideen für das kommende Jahr wahrzunehmen. Mit dieser ganz besonderen Auszeit ‒ liebevoll gestaltet ‒ kommen wir wieder schneller in unser Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele.

Jede Nacht der zwölf Raunächte steht für einen Monat des kommenden Jahres. Jeder kann das ganz unterschiedlich für sich selber gestalten. Die ersten sechs Nächte, um das Vergangene abzuschließen, um dann die zweiten sechs Nächte das Kommende zu visionieren.

Mein Vater hatte sein ganz persönliches Wetterorakel. Er nahm eine Zwiebel, schnitt sie auseinander und legte sie in eine kleine Glasschüssel. Je nachdem, wie viel Wasser sich während der Raunächte in jeder Schüssel gesammelt hat, so viel Regen würde es in dem zugeordneten Monat geben.

 

 

Zum Abschluss der Rau(ch)nächte wird am Morgen des Dreikönigstags oder am Abend zuvor mit der ganzen Familie noch mal durch das ganze Haus und den Stall gegangen. Mit einem alten Bügeleisen oder einer Kohleschaufel mit glühender Kohle (Vorsicht!!!, die glühende Kohle sollte auch wirklich in den Gefäßen bleiben), darauf Weihrauch, Myrrhe und Lavendel. Ein Schutzritual, das heute nach Kaspar, Melchior und Balthasar benannt ist. Dabei wird mit Kreide an den Türstock „K+M+B“ geschrieben, was auch heißt: „Herrgott, segne dieses Haus, diesen Stall und alle, die hier gehen ein und aus.“ Das Weihwasser darf dabei nicht fehlen. Diese Aufgabe übernimmt meist das jüngste Familienmitglied.

 

 

Angelika Prem Angelika Prem

Naturverliebte Schlierseerin, Kräuterpädagogin, Referentin und Seminarleiterin, Senior-Hennererwirtin, BBV Ortsbäuerin, liebt gutes regionales hausgemachtes Essen und entspannt beim Kuchen backen

 

 

 

Rauhnächte…Old Rituals are Alive in Schliersee

Between the 21st of December and the 6th of January, in what is known here in Bavaria as Rauhnächte (smoke nights), it is believed that at this time the veil between this world and the hereafter is at its thinnest. This is a time for change, purification and reflection. It is believed that at this time, through the ritual of “räuchern” or incense burning, you could affect positive change in the new year while protecting your family, farm and livestock. This might all seem very mystical but these old beliefs are now being found to have real evidence in science in our modern times. Many of these plants have antimicrobial and antibacterial properties.

Recently, on a very cold dark night in November, my colleague Ulrike McCarthy and I, were invited to learn about these traditions at one of our local farms. Our spiritual guide, Angelika Prem, also a writer for Schliersee magazine, has been teaching and performing these ancient rituals for more than 15 years. You can say she has been involved in them much longer as it was all just a very normal part of the seasonal calendar for her family farm. What she didn’t learn at her mother’s hearth, she learned by taking courses and reading extensibly on the subject and now offers courses and seminars at her farm, Hennerehof, right here in Schliersee.

When we first arrived, before we gathered together around the roaring fire,  Angelika used a “Räucherbündel or Räucherzigarre” to clean our energy and prepare us for this ritual. In the US we call this a smudging stick. The plants for the purpose of making smudging sticks and other smoking rituals, are traditionally gathered on the 15th of August the official holiday of the Assumption of Mary.

Once “clean” Angelika began to hand us various items she had gathered for ceremonial purposes from the forest around her farm. Hardened tree resin, dry bunches of various plants and even hand written notes. All were given out at different times in the ceremony and we were encouraged to dig deep in our emotions and cast the difficult or negative thoughts into the flames, along with the plants and powders. “This is a great time to unpack your baggage” she repeated often to us. I have to admit I had a hard time deciding which bag to unload as it sure has been a challenging year.

When we could stand the blustering cold no longer, we went into the cozy alpine farmhouse of Hennerehof. Once inside we sipped steaming mugs of tea and snacked on homemade pumpkin soup and cookies. The energy of gathering with such knowledgable women was very intoxicating. Could that magical moment be a result of the exotic scent of mystical vapors from the various incense we were learning their uses? I do not know the answer, but I have to highly recommend coming to Schliersee and taking a few of Angelika’s seminars. It will most definitely reignite your connection with the traditions of the old ways.

 

 

To find out more about the amazing Angelika Prem and sign up for her courses, please click this link:

https://www.hennerer.com

 

 

 

Laura Boston-Thek Laura Boston-Thek

American artist, photographer and professional wanderer who, after 20 years of roaming, put down roots in a 100 year old Bavarian farmhouse and fell in love with the Alpine village and its residents (both 2-legged and 4-legged).

 

 

 

Der „Wichtelpunsch“ aus Schliersee

Beim Hennererhof in Schliersee sind wieder die Wichtel unterwegs. Sie sollen in der Vorweihnachtszeit Freude in die Herzen der Menschen bringen. Und weil die Wichtel recht lebensfrohe kleine Gestalten sind, laben sie sich gerne am Schlierseer „Wichtelpunsch“ von Kräuterpädagogin Angelika Prem. Alle Zutaten dieses aromatischen Getränks sind hausgemacht und garantiert ohne künstliche Zusätze. Die kreative Wirtin des Hennererhofs hat bei der Kreation ihres Punsches auch bewusst auf den Zusatz von Alkohol verzichtet. Schließlich sollen auch die Kinder unbesorgt ein Haferl davon trinken dürfen.

Selbstgemachte Platzerl schmecken besonders gut zum „Wichtelpunsch“, und auch sonst findet man in dem urigen Bauernhof-Café so manche Zutat für fast vergessene Weihnachtsbräuche. Das Räuchern beispielsweise soll böse Geister vertreiben und positive Energie ins Haus bringen. Allerlei Kräuter aus dem Garten wurden dafür getrocknet. Auf einem Sieb über einer Feuerquelle beginnen sie zu glimmen und entfalten dabei ihren angenehmen Duft.

Am Wochenende vom 3. bis 4. Dezember 2016 lädt die Familie Prem zur stimmungsvollen „Woidweihnacht“ auf den Hennererhof ein. Spezialitäten aus der Kräuterküche werden ebenso angeboten wie ausgesuchtes Kunsthandwerk und weihnachtlicher Schmuck.

Den berühmten „Wichtelpunsch“ durfte ich vorab schon mal kosten:

 

Katharina Fitz Katharina Fitz

Wohnhaft in Warngau, geboren in Tegernsee, aber dem Schliersee herzlich zugetan. Zweifache Mama und als freiberufliche Redakteurin, Sprecherin und Schauspielerin viel unterwegs. Steckenpferde: Kunst und Kultur, Natur (vor allem Bäume) und Schuhe!