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Wildkräuterspaziergang und Wiesen-Smoothies

Schön langsam fängt die Natur nach dem Winter wieder an zu wachsen. Es entstehen neue Triebe und Blüten …

Jetzt fängt die Zeit an, nach wilden Kräutern zu suchen, mit welchen wir unsere Mahlzeiten verfeinern können. Aber nicht nur zum Würzen eignen sie sich hervorragend, sie sind außerdem auch noch richtig gesund.

Da ich selbst nur über ein marginales „Kräuterwissen“ verfüge, habe ich mich entschlossen, bei einem Wildkräuterspaziergang mit Claudia Bernhardt mitzugehen. Sie ist eine Kräuterpädagogin BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) und lehrt uns eine Menge neuer und wichtiger Dinge über die Kräuter, welche hier im Bayerischen Oberland wachsen. Es ist gar nicht so leicht, und man muss einiges beachten, um essbare von ungenießbaren oder gar giftigen Pflanzen zu unterscheiden.

  • Der Bärlauch z. B. hat einen Stiehl, ist an der Unterseite matt und riecht nach Knoblauch. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Mittelrippe, welche hörbar knackt, wenn man sie bricht. Bärlauch wächst im Moment, und es gibt einige giftige ähnliche Pflanzen, u. a. das Maiglöckchen.
  • Die Knoblauchsrauke ist eine gute Alternative bei einer Unverträglichkeit von Knoblauchsgewächsen. Sie ist mit unseren Kohlgewächsen verwandt und enthält Senföle.
  • Das Scharbockskraut ist nur bis zur Blüte essbar und ist ein hervorragender sowie köstlicher Vitamin-C-Lieferant.
  • Der Giersch hat einen dreikantigen Stängel, einen „Geißfuß“ unten sowie keine Härchen. Viele kennen ihn als Unkraut in ihren Gärten. Aber statt ihn herauszureißen, sollte man ihn lieber essen, weil er ein wirklich wohlschmeckendes Wildgemüse ist. Er erinnert ein bisschen an Petersilie und gekocht an Spinat.
  • Der Löwenzahn enthält Bitterstoffe. Er hat glatte Blätter. Die gelben Blüten können roh gegessen oder aber auch zu Sirup verarbeitet werden. Die jungen Blätter eignen sich hervorragend als Salat. Sogar die Wurzel kann genutzt werden. In den Nachkriegsjahren wurde aus ihr Ersatzkaffee hergestellt.
  • Das Wiesenschaumkraut und Gänseblümchen eignen sich sehr gut als essbare Deko.

Nachdem wir über einige der gerade wachsenden Kräuter aufgeklärt wurden und wir einiges an Blättern und Blüten gesammelt haben, wurde uns von Claudia gezeigt, wie man köstliche Wiesen-Smoothies zubereitet. Dazu kann man der Fantasie freien Lauf lassen. Wir haben als „Vorspeise“ einen Tomaten-Gurken-Smoothie mit Giersch und Kefir sowie Salz und Pfeffer gemixt. Anschließend gab es einen Löwenzahn-Vitamintrunk mit Joghurt, Honig, Orangen, Bananen, Äpfeln und etwas Apfelsaft.

Ich kann nur sagen, es war ein sehr lehrreicher, interessanter Spaziergang, und die Smoothies waren einfach toll! Und das Beste daran ist: Die Kräuter lassen sich alle rund um den Schliersee finden!

 

http://miesbacher-kraeuterpaedagogen.de/

Claudia Bernhardt
www.kräuterspaziergang.de
Tel.: 08026 2059182

 

Ulrike Mc Carthy

Geborene Münchnerin und seit vielen Jahren begeisterte „Wahl-Schlierseerin“ Personaldiagnostikerin, Trainerin, Seminarleiterin, Hypno- und Gesprächstherapeutin, Hofbetreuerin im altbayerischen Dorf und vor allem Hobby-Fotografin.

 

 

 

Kommt die Weihnachtsgurke zurück nach Schliersee?

„Süßer die Gurkal nie klingen, als zu der Weihnachtszeit …“

Nein, Essiggurken gehören nicht an den Weihnachtsbaum. Viele Amerikaner würden dagegenhalten. „Jeder Deutsche hat eine Essiggurke am Weihnachtsbaum – das ist deutsche Tradition!“

Tatsächlich handelt es sich in den letzten Jahren um eine Art „Traditions-Re-Import“. Man findet die kleine Gurke inzwischen auf den meisten Christkindlmärkten. Es gibt ja auch Telefonzellen, Flamingos oder Donuts im Sortiment – aber die Gurke ist echtes Brauchtum. Forscht man etwas nach, findet man schnell heraus, dass die Weihnachtsgurke sogar aus Bayern kommt. Schon um 1900 soll es eine Urform gegeben haben.

Heute wird die grüne Gurke in Amerika an den Weihnachtsbaum zwischen den Zweigen versteckt, und derjenige in der Familie, der sie als Erstes entdeckt, darf das erste Geschenk öffnen oder erhält ein zusätzliches Geschenk.

Aber kennt diesen Brauch auch jemand hier in Schliersee?

Ich habe auf dem Christkindlmarkt „Romantische Weihnacht beim Terofal“ nachgefragt:

Margot (75) schaut mich entsetzt an: „Ich will gar keine – weder eine Wurst noch eine Gurke! Doch nicht zu Weihnachten.“ Zwei Mädels, die gerade ihre Gulaschsuppe löffeln, schauen mich mit großen Augen an: „Nein, davon haben wir noch nie gehört!“ Franz (42), in der Schlange für eine Grillfleischsemmel, lacht, als er die Gurke anschaut: „Eine Gurke an den Weihnachtsbaum? Nein, bestimmt nicht.“ Überall stoße ich auf völlige Unverständnis. Also bei uns in Schliersee ist das sicher noch keine gängige Tradition.

Wahrscheinlich war es doch mehr ein Werbegag der Christbaumkugelexporteure, damals, Anfang 1900, beim Versuch, den Amerikanern die Gurke als Christbaumschmuck schmackhaft zu machen. Die Tatsache, dass es sie schon so lange gibt, macht sie automatisch zum Kult. Und egal, wo sie nun herkommt, der Grundgedanke, sich nicht gleich auf die Geschenke zu stürzen, nochmal innezuhalten, den wunderschönen Baum zu bewundern und die Gurke zu suchen, hört sich für mich sehr schön an.

Vielleicht sollten wir einfach mal ein „Essig-Gurkal“ an unseren Weihnachtsbaum hängen – nett schauen sie ja aus, und Glück bringen sollen sie auch noch. Frohe Weihnachten.

 

Judith Weber

Redakteurin/freie Mitarbeiterin bei “Das Gelbe Blatt Miesbach”, Webdesign und Fotografie – Freude an neuen Blickwinkeln mithilfe eines Quadrokopters. Reiselustig und heimatverliebt. Lieblingsplatzerl: Insel Wörth im Schliersee