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Das muss man erlebt haben: Sonnenaufgangstour zum Roßkopf

Mein Wecker klingelt: 3.15 Uhr früh. Wo bin ich? Wieso klingelt mein Wecker? Jetzt?! Es ist stockfinster und mitten in der Nacht!

Da fällt es mir ein ‒ und plötzlich bin ich hellwach: Heute ist die Sonnenaufgangstour zum Roßkopf, und in einer Dreiviertelstunde, um vier Uhr, muss ich am Treffpunkt am Lyraparkplatz/Stümpfling am Spitzingsee sein. Schnell raus aus dem Bett, kurz frischgemacht, in die bereitgelegten Wanderhosen und ins T-Shirt geschlüpft und den bereits am Vorabend gepackten Rucksack geschultert. Jetzt noch schnell eine Banane für meinen Kreislauf/Blutzucker essen, und los geht‘s.

Auf der Fahrt zum Spitzingsee schaue ich immer wieder auf die Temperaturanzeige von meinem Auto, und mit jedem Höhenmeter sinkt sie weiter ab. Als ich aussteige, sind es gerade einmal +10 °C. Macht nichts, ich bin nach dem Zwiebelsystem gekleidet. Die Luft ist herrlich, und ganz hinten am Horizont zeigt sich schon ein grauer Schimmer. Wir sind sieben Wanderer, die sich alle auf die Tour und vor allem auf den Sonnenaufgang am Gipfel freuen. Obwohl so früh am Morgen, sind wir leichten Schrittes unterwegs, und der Aufstieg auf dem breiten Sommerweg zum Stümpfling rauf vergeht – fast – wie im Flug. Die Augen haben sich schnell an die Dunkelheit gewohnt, und schon nach den ersten paar Kurven beginnen sogar die Vögel ihr morgendliches Pfeifkonzert.

So eine schöne Stimmung! An der Bergstation der Stümpflingbahn angekommen, machen wir in der Morgendämmerung eine kurze Rast. Jetzt sind es nur noch etwa 20 Minuten bis zum Roßkopfgipfel, und um uns herum erwacht mit zunehmendem Tag immer mehr das Leben. Kurz vor Sonnenaufgang, der für 5.28 Uhr angesagt ist, erreichen wir bei bewölktem Himmel das Gipfelkreuz vom Roßkopf (1.580 m). Schafft es die Sonne durch die Wolken durch? Sehen wir überhaupt den Sonnenaufgang? Alle sind gespannt, und dann – die Sonne spitzt zum ersten Mal an diesem Tag durch die Wolken hindurch! Ein ganz besonderer Moment!

Gut eingepackt genießen wir den Sonnenaufgang für ein paar Minuten direkt am windumwehten Gipfelkreuz, gehen zur wohlverdienten Brotzeit aber ein paar Höhenmeter hinab und lassen uns von den ersten richtigen Sonnenstrahlen wärmen. Für den Abstieg wählen wir den mit Blumen übersäten Steilhang runter Richtung Grünsee und Valepper Almen. So wird die Wanderung eine Rundtour, und vorbei an Jungrindern, Pferden und Schafen kommen wir um kurz vor acht Uhr wieder zurück zum Parkplatz. Was für ein erfrischender, lohnender und gelungener Start in den Tag!

Termine der Wanderungen unter der fachkundigen Führung von Jürgen Koschyk: in der Sommersaison jeweils dienstags und donnerstags mit unterschiedlichen Zielen. Voranmeldung unbedingt erforderlich. Witterungsbedingte Änderungen vorbehalten, max. 10 Personen, das Mitführen von Hunden ist nicht erwünscht. Mit Gästekarte frei, ohne Gästekarte € 5,00 pro Person.

Anmeldung bei der Gästeinformation Schliersee, Tel.: 08026-60650

 

Ursula Höllerl Ursula Höllerl

Mitarbeiterin in der Gäste-Information Schliersee, aufgewachsen in Neuhaus und Miesbach. Mein Motto: "Ein Tag am Berg ist wie eine Woche Urlaub – egal ob im Sommer zum Wandern oder im Winter beim Schneewandern, Skifahren und Rodeln."

 

 

Schliersee im Winter: Skitour auf den Roßkopf (1.580 m)

Mit dichtem Schneegestöber hat der lang herbeigesehnte Winter endlich Einzug gehalten. Es herrscht dichtes Schneetreiben. Gelegentlich werden die tanzenden Flocken von einer Windböe durcheinandergewirbelt. Für wenige Augenblicke wird überraschend die Sicht frei auf die umliegenden Schlierseer Berge. Endlich scheinen sie jetzt allesamt im Winterschlaf zu liegen.

Ich ziehe die Klebefelle auf meine Ski. Die Bindung rastet ein, und ich spure die ersten Meter durch den frischen Neuschnee. Schon nach wenigen Minuten ist er wieder da, der gewohnte, lieb gewonnene Steigrhythmus. Schritt für Schritt schiebe ich meine Tourenski im Pulverschnee vorwärts, höre das monotone Klacken meiner Skitourenbindung. Meine Aufstiegsspur lege ich durch den Wald ‒ immer der gleiche Rhythmus, die gleiche Neigung, das gleiche Tempo. Jede Geländeformation wird genutzt. Es macht unsagbar Spaß, endlich wieder in meinen winterlichen Schlierseer Bergen unterwegs zu sein. Kaum eine Stunde bin ich vom Ausgangspunkt entfernt, und dennoch verspüre ich das Gefühl, dem Alltag vollkommen entrückt zu sein. Mein Atem geht gleichmäßig, Probleme des Alltags verblassen, und ich spüre innere Zufriedenheit. Skitouren bieten mir Naturerlebnis und Körpererfahrung in Vollendung ‒ ich weiß, dass ich danach süchtig bin.

Die Landschaft zeigt sich in einem Mix aus weißgrauer Eintönigkeit. Ich mag diese menschenleere, abgeschiedene und dadurch ernsthaft wirkende Atmosphäre in den Bergen, die für hochwinterliches Schlechtwetter kennzeichnend ist. In den vergangenen Jahren habe ich sie alle kennen- und lieben gelernt, all die Skitouren in der Umgebung. Meine Schlierseer Wahlheimat ist maßgeblich dafür verantwortlich. Die hier besonders waldreichen Berge sind vom Frühjahr bis in den späten Herbst – insbesondere für die Münchener ‒ ein sehr beliebtes Wandergebiet, und sie bieten – manche mögen es kaum glauben ‒ eine Fülle lohnender Skitourenmöglichkeiten. Die Lawinengefahr ist hier meist überall gering, und so sind Skitouren auch bei etwas ungünstigeren Bedingungen fast immer möglich. Zugegeben, bei keiner der Skirouten können besonders hohe Ansprüche an die jeweilige Abfahrt gestellt werden. Vielmehr ist Sensibilität für die Landschaft der Bayerischen Voralpen gefragt. Fast alle Skitouren der Region um Schliersee reduzieren sich auf lohnende Halbtagesunternehmungen.

Der Roßkopf – eine ideale Skitour für Anfänger

Charakter und Besonderheiten: Die kurze und abwechslungsreiche Skitour auf den Roßkopf (1.580 m) unweit der Stümpfling-Bergstation ist eine ideale Anfänger-Skitour. Auch mit gemütlicher Einkehr in einer der bewirtschafteten Almhütten im Pistenbereich ist diese Skitour problemlos an einem halben Tag durchführbar. Der Aufstieg vollzieht sich abseits der Skipiste anfangs durch Wald und danach über freie Hanglagen relativ einfach zum Gipfel. Die Abfahrt erfolgt über die präparierten Pisten zurück zum Ausgangspunkt. Insgesamt sollte man inklusive Einkehr für diese kurze Skitour etwa drei bis vier Stunden einplanen. All jene, die es noch etwas sportlicher mögen, haben natürlich die Möglichkeit, nach ihrer Skitour die Pisten zum Skifahren zu nutzen.

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Talort: Spitzingsee (Ortsteil von Schliersee, 1.090 m), von Schliersee über die Spitzingstraße erreichbar

Öffentliche Verkehrsmittel: BOB von München nach Fischhausen-Neuhaus, dann mit dem RVO-Bus hinauf zum Spitzingsee und weiter zur Stümpflingbahn-Talstation (alpenbahnen-spitzingsee.de)

Anforderungen/Schwierigkeit: leichte Halbtagestour ohne Orientierungsproblematik, für Kinder ab ca. zehn Jahren geeignet

Höhenunterschied: 550 Hm

Ausgangspunkt: Parkplatz an der Talstation der Stümpflingbahn

Gesamtdauer: etwa 1,5 bis max. 2 Stunden Aufstieg/0,5 Stunden Abfahrt

Beste Jahreszeit: Dezember bis März

Ausrüstung: normale Skitourenausrüstung

Einkehrmöglichkeiten: Jagahütt‘n an der Stümpflingbahn-Bergstation (http://www.jagahuettn.de), Osthangalm zwischen Kurven- und Osthanglift (http://www.osthangalm.de)

Karte: AV-Karte 1:25.000, Blatt BY15 „Mangfallgebirge Mitte, Spitzingsee, Rotwand“

Fremdenverkehrsamt: Gäste-Information Schliersee, Perfallstraße 4, 83727 Schliersee, Tel: 08026/6065-0 (http://www.schliersee.de)

Die Route: Vom Parkplatz neben der Talstation der Stümpflingbahn oberhalb vom Spitzingsee zunächst kurze Abfahrt nach links über die Piste bis zur Basis des Valeppalmlifts. Hier werden die Felle aufgezogen, und man marschiert ziemlich flach in südlicher Richtung zum nahen Haushamer Bach. Eine Brücke führt über den Bach, danach rechts und entlang des Bachs in den Wald. Mittelsteil auf einem Ziehweg zu den freien Flächen unter der Haushamer Alm. Unterhalb der Almhütte scharf nach rechts. Nun ziemlich flache Querung in nördlicher Richtung zur Grünseealm. (Achtung: Hier besteht nach ergiebigen Schneefällen an einigen kurzen Stellen Lawinengefahr!) Unter dem Roßkopf-Gipfelhang quert man nun zum östlichen Gratrücken des Roßkopfs. Kurze Querung der Piste, danach etwas steiler neben der Piste in etwa 30 Minuten zur Bergstation des Roßkopflifts und zum nahen Gipfelkreuz. Die Abfahrt erfolgt entweder nach Norden zur Stümpflingbahn-Bergstation oder zur Basis des Roßkopf-Sessellifts und danach über die präparierten Pisten zurück zum Parkplatz an der Talstation. Eine Alternative wäre die etwas anspruchsvollere Grünsee-Abfahrt zur Talstation des Valepperalmlifts. (Mit diesem Schlepplift gelangt man zurück zum Ausgangspunkt der Tour.)

 

Eckehard Radehose Eckehard Radehose

Eckehard Radehose In Schliersee zuhause, extrem berg- und reisesüchtig seit seinem 6. Lebensjahr. Dipl. Kartograph, Journalist und langjähriger Trekking- und Expeditionsleiter mit Vorliebe für besonders hohe Gipfelziele. An die 2.500 Gipfelbesteigungen weltweit und weit über 1.000 Skitouren. Mein bevorzugter Ort: Gipfel der Baumgartenschneid bei Sonnenuntergang mit einem Glas Rotwein.