Der sagenumwobene Schatz auf Burg Hohenwaldeck

Der Volksmund erzählt die Legende, dass die frühen Waldecker in Schliersee auf Burg Hohenwaldeck Schätze aufbewahrt hatten und unzählige Schatzsucher schon versuchten, dort einen Schatz zu finden.

In dem Büchlein „Sagen und Legenden um Miesbach und Holzkirchen“ schreibt Gisela Schinzel-Penth (S. 164), dass bisher lediglich ein „gotischer Dolch“ gefunden wurde und dass dieser im Miesbacher Heimatmuseum aufbewahrt werden würde.

Neugierig geworden, beschließe ich, mich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Dolch ins Miesbacher Heimatmuseum zu begeben. Leider ist das Museum im Moment wegen Umzugsplänen für unbestimmte Zeit geschlossen, und so freue ich mich umso mehr, als der Museumsmitarbeiter der Stadt Miesbach ‒ Alexander Langheiter – es mir trotz der Umstände gerne ermöglicht, dieses Relikt aus historischer Zeit einzusehen.

Gespannt blicke ich schließlich in eine Glasvitrine, und zu meiner Verwirrung liegen da gleich drei alte Dolche, aber welcher davon ist nun der von der Burg? „Der in der Mitte, das müsste er sein, ja, ich meine, der ist es“, erklärt mir Alexander Langheiter.

Um Gewissheit zu bekommen, werfen wir einen Blick in das Inventarverzeichnis des Museums, und zu unserer Überraschung stellen wir verdutzt fest: Für alle drei Dolche wurde schon früher weder ein Fundort noch der Finder vermerkt!

Das Rätsel um die Legende vom gotischen Dolch von der Burgruine Hohenwaldeck mit der Inventarnummer 816 ist Folgendes: Ist diese Legende durch mündliche Überlieferungen und Fantasien von Museumsbesuchern im Volksmund entstanden, gingen die genauen Umstände und Beweise in den Mühlen der Zeiten verloren, oder ist Alexander Langheiter noch einer der wenigen, die es noch von seinen Vorgängern wissen?

Jedenfalls möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bei der Stadt Miesbach, die den sagenumwobenen gotischen Dolch von Hohenwaldeck hoffentlich weiterhin für die Nachwelt aufbewahren wird, dafür bedanken, dass ich dieses außergewöhnliche Ausstellungsstück hier exklusiv für unsere Leser abbilden darf. Ich jedenfalls glaube fest daran, er ist es.

Aber gibt es nun einen Schatz auf der Burgruine Hohenwaldeck?

Wieder einmal sitze ich hoch über Schliersee auf der Bank vor der Burgruine Hohenwaldeck, und urplötzlich wird mir ‒ im Geiste verbunden mit den damaligen Herren der Burg ‒ klar, wie gleich wir sterblichen Menschen doch alle sind. Waren es damals die Waldecker Ritter, die hier gesessen, so ist es heute der einfache Wanderer, welcher Herr ist über den Schatz der Burg Hohenwaldeck, den Schatz direkt vor Augen, den jeder finden kann. Der große Schatz des eigenen Lebens und des Erleben-Dürfens. Der wahre Schatz ‒ es ist die grandiose Aussicht von hier oben auf die unbeschreiblich schöne Schöpfung eines großen Unbekannten, der uns so nah ist und doch so fern.

Vielleicht finden sich in den Wirren der Welten und in den Zufällen des Lebens doch noch irgendwann Beweise für einen irdischen Schatz auf der Burgruine Hohenwaldeck. Gleichwohl entzückt mich der Gedanke, er würde nie gefunden, denn das Geheimnisvollste im Leben ist und bleibt doch ‒ „die Suche nach dem noch Unentdeckten“.

Und wenn sie nicht gestorben sind,
dann leben sie noch heute,
und spüren „für einen Moment das Glück Schliersee“.

Museumsverein Miesbach e. V.
http://www.museumsverein-miesbach.de/index.html

 

Helmut Jenne Helmut Jenne

Auf seinen Streifzügen durch die Natur ist sein Fotoapparat ein ständiger Begleiter. Helmut Jenne, wohnhaft in Schliersee, ist Musiker und EDV-Fachmann, Fotokünstler und Naturliebhaber.

Mit seinen Fotos dokumentiert er seine Erlebnisse auf sehr natur- und heimatverbundene Weise, und so entstehen – trotzdem weltoffen – tief empfundene Momente und Blicke auf Landschaften, Pflanzen und Tiere der Berg- und Seenwelt rund um Schliersee.