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Schlierseer Kirchendreiklang

Der Himmel hängt tief über Schliersee, es regnet. Kein Wetter für eine Wanderung, möchte man meinen. Und doch bin ich unterwegs. Nicht auf einen Berg, sondern auf eine besondere Entdeckungsreise: den Schlierseer Kirchendreiklang.

Kirchenführerin Mechtild Manus erwartet uns an der Christuskirche. Sie begrüßt die kleine Gruppe, stellt sich vor und sagt lächelnd: „Eine Kirchenführung kann man auch gut im Regen machen.“ Und sie hat recht. Sobald wir die helle, moderne Christuskirche betreten, bleibt das Grau des Tages draußen.

Christuskirche – Gemeinschaft

Die evangelische Christuskirche wurde 1954 erbaut. Sie ist das erste von insgesamt 27 Werken des Architekten Olaf Andreas Gulbransson und zeigt seine unverwechselbare Handschrift. Geometrisch klar, offen, einladend. Hier ist das evangelische Thema „Gemeinschaft“ spürbar. In diesem lichten Raum entsteht Verbindung. Zwischen Menschen, zwischen Innen und Außen, zwischen dem, was war, und dem, was kommt.

St. Sixtus – Schutz und Verantwortung

Der Weg führt uns von der modernen Christuskirche hinüber zur barocken Pfarrkirche St. Sixtus. Schon beim Betreten spüren wir die ganz andere Atmosphäre durch die goldenen Altäre, die prachtvollen Deckenfresken und den seitlichen Lichteinfall. Besonders berührt ein altes Gemälde: die Schutzmantelmadonna von Jan Polak aus dem Jahr 1494. Die Mutter Gottes breitet ihren weiten Mantel aus. Dieses Bild allein stellt eine Frage, die nicht mehr loslässt: Wer schützt mich, und wen schütze ich? Die barocke Kirche wird zum Spiegel für unser eigenes Handeln, für Verantwortung und Mitgefühl.

St. Georg – Errettung und Dankbarkeit

Nachdenklich gehen wir weiter, durch den Friedhof und hinauf auf den Weinberg zum spätgotischen Weinberg-Kirchl St. Georg. Schon von außen strahlt die kleine Kirche eine besondere Ruhe aus. Der beliebte Ausblick über Schliersee ist herrlich, bei jedem Wetter.  Innen überrascht das Kircherl mit dem originellen Hochaltar von Stephan Zwinck. Der heilige Georg mit dem Drachen ist ein Sinnbild für Mut, Überwindung und Erlösung. Hier geht es um Errettung und Dankbarkeit. Wenn wir Gewalt erleiden, wie bewahren wir Hoffnung? Und wenn wir daraus befreit werden, wie sagen wir Dank?

Mechtild Manus führt uns mit viel Herzblut und einem feinen Gespür für Atmosphäre. Dabei gelingt es ihr, nicht nur historisch Interessierte zu erreichen. Auch spirituell Suchende fühlen sich angesprochen. Der Schlierseer Kirchendreiklang findet regelmäßig vom 22. Mai bis 18. Dezember 2025 statt. Bei jedem Wetter lädt er dazu ein, Schliersee einmal ganz anders zu erleben. Still, tiefgründig und überraschend inspirierend.

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Gäste-Information Schliersee

Perfallstr. 4

83727 Schliersee

Telefon 08026 60650

E-Mail tourismus@schliersee.de

Für Schlierseer und Urlauber mit Gästekarte ist die Kirchenführung kostenfrei. Alle anderen bezahlen 5 Euro.

Kirchenführung „Schlierseer Kirchendreiklang“

Judith Musterfrau

Judith Weber

Heimatverliebt und reiselustig. Ich liebe Schliersee zu jeder Jahreszeit und bin immer auf der Suche nach neuen Blickwinkeln und Inspirationen. Mit einem Auge für das aktuelle Geschehen interessiere ich mich für alles, was in Schliersee los ist.

April, April, der weiß nicht, was er will…

… bald lacht der Himmel klar und rein,
Bald schaun die Wolken düster drein…
O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee!
Und schneit mir in den Blütenbaum,
In all den Frühlingswiegentraum…
Heut Frost und gestern Hitze,
Heut Reif und morgen Blitze;
Das sind so seine Witze.
O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee!“

 

(Kurzfassung nach Heinrich Seidel)

 

April, April, der macht was er so will, ist wohl eine der bekanntesten Bauernregeln.

Auch hier am Schliersee hat uns der Schnee nach ein paar sehr warmen Tagen mal wieder „besucht“, oder vielmehr „heimgesucht“. Aber ganz so unerwartet kommt er gar nicht. Wir befinden uns immerhin 777 m. ü. NN. (Höhe über dem Meeresspiegel). Wer hier daheim ist, weiß genau, dass er vor den Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia keine empfindlichen Frühlingspflanzen setzt. Und diese Wetterheiligen kommen erst im Mai (11. bis 15.05.2017).

Trotzdem ist es natürlich vor allem für den ein oder anderen Urlauber erstmal ein Schreck, wenn er einen Frühlingsurlaub geplant hat und sich auf einmal im Winter wiederfindet. Nichtsdestotrotz hat diese Jahreszeit auch ihre schönen Seiten. Der verschneite April mit den schon helleren Abendstunden lässt die Berglandschaft nochmal in einem ganz anderen Licht erscheinen. Wer einen Sinn für diese fast unwirklich wirkende, traumhafte Schneelandschaft entwickeln kann, findet sich in einem „April-Frühlings-Winter-Wonderland“ wieder.

Mein Tipp: nutzen Sie die Zeit, um die schönen Seiten zu entdecken. Machen Sie dick eingemummelt einen Spaziergang am Schliersee, hoch zur St. Georgskapelle auf dem Weinberg, oder rund um den Spitzingsee. Auch ein Besuch im Markus Wasmeier Freilichtmuseum in Neuhaus ist empfehlenswert. Noch sind dort nicht so viele Besucher und Sie haben die Möglichkeit, das altbayerische Dorf sehr idyllisch und ruhig kennenzulernen und die Stille auf sich wirken zu lassen.

„Die Kunst zu Leben besteht momentan darin, zu lernen, im Schnee zu tanzen, anstatt auf die Sonne zu warten…“ Aber diese lässt sich immer mal wieder blicken.

 

 

[tourim-redakteur]