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Bücher sind Schokolade für die Seele – Gemeindebücherei Schliersee sorgt für Lesefutter

„Bücher sind Schokolade für die Seele“, steht auf dem blauen Schild im Fenster. Eine Welt voller „Schokolade“ verbirgt sich im Erdgeschoss des katholischen Pfarrheims in Schliersee. In der Gemeindebücherei warten mehr als 6.000 Bücher und CDs darauf, geliehen, gelesen, geblättert und gehört zu werden. Auch Urlauber können in der Schlierseer Bücherei ganz unkompliziert nach Lesestoff stöbern: Mit Gästekarte ist die Ausleihe kostenlos – ein Service, der schon so manch wechselhaften Aprilnachmittag gerettet hat.

Seit 30 Jahren ist die Gemeindebücherei Schliersee erste Anlaufstelle für kleine und große Leseratten. Das Angebot reicht von Bilderbüchern für die Allerkleinsten über Kinder- und Jugendliteratur bis hin zu Belletristik, Krimis und Hörbüchern auf CD. Auch zahlreiche Sachbücher sind in den Regalen zu finden, etwa Reiseführer, Koch- und Geschichtsbücher sowie Ratgeber zu Gartenbau, Kunst, Religion oder Psychologie. Acht Ehrenamtliche unter Leitung von Gabriele Dressel sorgen dafür, dass regelmäßig neuer, spannender Lesestoff verfügbar ist. Das Team wählt saisonal passende Bücher aus, managt Ausleihe und Rückgabe und gibt auch gerne die eine oder andere Buchempfehlung für Unentschlossene.

 

Bücherwünsche willkommen

„Ich bestelle bis zu 300 neue Medien im Jahr“, erzählt Gabriele Dressel, die die Gemeindebücherei seit nunmehr zehn Jahren leitet. „Das heißt natürlich auch, dass wir regelmäßig unsere Bestände durchforsten und Bücher aussortieren, die nicht mehr nachgefragt werden.“ Um den Geschmack der Schlierseer Leserschaft zu treffen, gibt es einen eigenen Ordner, in den die Kundinnen und Kunden ihre Bücherwünsche eintragen können. „Diese Liste ist eine wichtige Inspirationsquelle für mich“, so Gabriele Dressel. „Außerdem lesen wir gerne Buchrezensionen, um vielversprechende neue Veröffentlichungen zu entdecken.“ Die Neuzugänge in der Bücherei sind in einem eigenen Schrank zu finden.

 

Leserin der ersten Stunde

Kein Wunder, dass die Gemeindebücherei Schliersee eine äußerst treue Leserschaft besitzt: Die Leserin der ersten Stunde mit der Kartennummer 1 leiht bis heute aus – am liebsten Heimatromane, die ihre Kinder und Enkel ihr mit nach Hause bringen. Für ältere Kundinnen und Kunden hat Gabriele Dressel ein besonderes Angebot: Bücher in Großdruck, die auch dann noch gut lesbar sind, wenn die Augen schwächer werden. Für die jüngsten Leser gibt es die sogenannten Büchertröge mit kindgerechten, kleinen Stühlen davor. So können die Mädchen und Buben ihre liebsten Bilderbücher selbst auswählen und in Ruhe anschauen.

 

Serielle Erfolge sind gefragt

„Die meisten Leser lieben Serien und wiederkehrende Darsteller“, verrät Gabriele Dressel. „Bei den Kleinkindern sind das Figuren wie ‚Mama Muh‘ oder ‚Pettersson und Findus‘. Ältere Kinder lesen die Bücher der ‚Gregs-Tagebuch‘- und der ‚Lotta-Leben‘-Reihe oder auch Klassiker wie die ‚3 Fragezeichen‘.“ Auch die erwachsenen Schlierseer Leser mögen serielle Erfolge. Dazu zählen die Krimis von Donna Leon oder Henning Mankell, die historischen Romane von Sarah Lark oder Barbara Wood. „Unsere Kundinnen und Kunden wollen Bücher ausleihen, die ihnen auf angenehme Art und Weise die Zeit vertreiben“, so Gabriele Dressel.

 

 

Buchempfehlungen von Gabriele Dressel

 

Für die kleinsten Leser

Piotr Socha: Bienen.

 

Für Leseanfänger

Patricia Schröder: Flaffy Flitzekeks – ein Gespenst sorgt für Wirbel

 

Für Krimifans

Donato Carrisi: Der Nebelmann

 

Für Fans historischer Romane

Elizabeth Fremantle: Die Rivalin der Königin. Ein Tudor-Roman


Für Feinschmecker

Rita Falk: Knödel-Blues. Oma Eberhofers bayerisches Provinz-Kochbuch

 

Für Unternehmungslustige

Peter Bachhuber, Friedl Wegmann: Der Schlierseer Winkel.

Kompass Wanderbuch: Tegernsee – Schliersee – Bad Tölz

 

Die Jahresgebühr für die Schlierseer Gemeindebücherei beträgt für Erwachsene 6 €. Kinder sowie Urlauber mit Gästekarte können kostenlos ausleihen.

 

 

Öffnungszeiten

Dienstag: 15:00‒17:00 Uhr
Donnerstag: 17:00‒19:00 Uhr
Sonntag: 10:45‒12:15 Uhr

 

Adresse

Gemeindebücherei Schliersee
Im Pfarrheim St. Sixtus
Lautererstraße 1
83727 Schliersee

 

 

Sandra Leu Sandra Leu

Rheinländerin in Oberbayern. Ist der Liebe gefolgt und hat den Schliersee als Herzensort entdeckt. Freie Redakteurin, PR-Frau und Mama von Zweien. Bloggt unter countrykruemel.de über Familienleben und Freizeittipps im Oberland.

 

 

 

Schliersee für’s Sofa – der Krimiautor Andreas Föhr

An einem eisigen Januarmorgen wird im zugefrorenen Spitzingsee die Leiche eines 15-jährigen Mädchens gefunden. Kurioses Detail: Sie wurde durch einen Stich mitten ins Herz getötet und trägt ein goldenes Brokatkleid …

Bei diesen Worten läuft es einem kalt den Rücken herab. Ein Mord – am beschaulichen Spitzingsee? Zum Glück sind diese Sätze nicht der Realität entsprungen, sondern der Fantasie von Andreas Föhr. Er zählt zu den bekanntesten Krimi-Autoren Deutschlands.

Mit dem Fund der oben genannten, auf kuriose Weise getöteten und seltsam gekleideten Leiche beginnt Föhrs allererster Roman: „Der Prinzessinnenmörder“. Dass diese Geschichte in der Gemeinde Schliersee ihren Anfang findet, ist kein Zufall. Andreas Föhr ist am Tegernsee aufgewachsen und hat dort seine gesamte Schulzeit verbracht. „Im Winter sind wir oft zum Schliersee rübergefahren, weil der im Gegensatz zum Tegernsee an kalten Tagen zugefroren war. Dort konnten wir dann Schlittschuh laufen.“ Seine Romane über die beiden unkonventionellen polizeilichen Ermittler Kommissar Clemens Wallner und Polizeiobermeister Leonhard Kreuthner spielen fast ausschließlich im Landkreis Miesbach. Beide sind für die Kripo Miesbach im Einsatz – rein fiktiv, versteht sich. Dieser Leonhard Kreuthner ist nämlich ein ziemlicher Haudegen, der es mit dem Gesetz nicht immer ganz genau nimmt. „Aber schlau ist er“, sagt Föhr augenzwinkernd über seinen zweiten Protagonisten. Wer schon mal einen der mittlerweile acht Romane des Schriftstellers über das bajuwarische Ermittlergespann gelesen hat, weiß, dass ohne Kreuthner so mancher Fall nicht hätte gelöst werden können. Diese Tatsache muss auch sein Kollege Wallner des Öfteren zähneknirschend in Kauf nehmen. Mit Kommissar Wallner hat Föhr einen Gegenpart zu seinem aufmüpfigen Polizeibeamten Kreuthner geschaffen. Wallner bringt kaum etwas aus der Ruhe, außer sein agiler Großvater Manfred vielleicht, mit dem der Junggeselle in einer Art Wohngemeinschaft lebt. Schon irgendwie schräg, die Charaktere in Föhrs Büchern. Aber die Geschichten sind unheimlich spannend und dank des manchmal deftigen Humors und der Prise bayerischen Lokalkolorits nicht nur im Landkreis ein Verkaufsschlager. Bis nach Norddeutschland reist Andreas Föhr zu Lesungen, denn scheinbar sind Bayern und vor allem der Tegernsee und der Schliersee „da drobn“ äußerst beliebt.

Zum Schreiben kam Andreas Föhr durch einen Freund. „Mein Schulfreund Thomas Letocha hat mich Anfang der Neunzigerjahre gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm zusammen Drehbücher zu schreiben. Ich hatte Lust, und so hat sich das entwickelt. 2009 hab ich mich dann hingesetzt und mit meinem ersten Roman begonnen, dem ‚Prinzessinnenmörder‘.“ Sein Erstlingswerk war auf Anhieb ein Erfolg und wurde sogar mit dem renommierten Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet.

Drehbücher schreibt Andreas Föhr mittlerweile fast gar keine mehr, die Schriftstellerei ist zu seiner Berufung geworden. 2016 hat er eine neue Romanfigur erschaffen, diesmal eine Frau: Rachel Eisenberg, eine clevere Rechtsanwältin mit interessanten charakterlichen Ecken und Kanten. Neben ihrem Job als Mitinhaberin einer Münchener Kanzlei ermittelt sie in Mordfällen und klärt diese auf ebenso ungewöhnliche Art und Weise auf wie ihre beiden „Kollegen“ der Miesbacher Kripo.

Doch zurück zu Wallner und Kreuthner. Ob und wie viele Fortsetzungen es von der beliebten Romanreihe noch geben wird, darauf will Andreas Föhr sich nicht festlegen. Bestimmt spielen jedoch in einigen davon auch wieder der Schliersee und seine Umgebung eine Rolle.

„Schwarzwasser“, der jüngste Band der Reihe, ist im Juli erschienen.

Wer mehr von Kreuthner und Wallner lesen möchte: Die Romane von Andreas Föhr sind auch in der „Schlierseer Bücheroase“ erhältlich.

 

 

 

Katharina Fitz Katharina Fitz

Wohnhaft in Warngau, geboren in Tegernsee, aber dem Schliersee herzlich zugetan. Zweifache Mama und als freiberufliche Redakteurin, Sprecherin und Schauspielerin viel unterwegs. Steckenpferde: Kunst und Kultur, Natur (vor allem Bäume) und Schuhe!