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Wenn das Eis die Herzen der Menschen erwärmt

Es war Sonntag, der 29. Januar 2017, und damit voraussichtlich die letzte gute Gelegenheit in diesem Jahr, den Schliersee auf Eis zu genießen. „Mama, heute kann man auf dem Schliersee wandern gehen“, verkündet ein kleiner Junge glückselig und voller Stolz seiner Mutter. Für ihn ist es das erste Mal. Wer schlau war, hat seinen Schlitten mitgebracht ‒ viele Eltern ziehen damit ihre Kinder über das Eis, und er dient als bequemer Sitzplatz zum Anziehen der Schlittschuhe. Schlittschuhfahren und Eishockeyspielen sind nirgendwo so frei und unbeschwert möglich wie auf einem See wie diesem ‒ und welch ein erhabenes Gefühl ist es, auf dem See zu wandern.

Die Sonne erstrahlt heute mit zunehmender Kraft und spendet mollige Wärme. Das Eis gluckst und rumpelt, doch niemanden stört es, niemand zeigt Angst, dass die Eisfläche brechen könnte, sie ist an den meisten Stellen über 15 cm dick tiefgefroren und wird schon halten.

Inzwischen tummeln sich schon mehrere Hundert Menschen auf dem See, und sie ziehen dadurch immer mehr Besucher auf die Eisfläche nach. Doch Vorsicht und Wachsamkeit sind stets geboten, es gibt keine Garantie für Sicherheit! Der Schliersee kann auch tückisch sein, besonders an Stellen unterirdischer Quellen und in den Bereichen seiner Zuläufe. Es gilt deshalb weiterhin überall: „Betreten der Eisfläche ist verboten! Betreten auf eigene Gefahr!“

Pferdekutschen traben gemütlich durch den Schlierseer Kurpark, und aus sicherer Höhe beobachten Heißluftballonfahrende das Treiben da unten auf dem Eis.

Den Eisseglern fehlt heute der nötige Wind, erst ab Mittag ist eine laue Briese zu spüren. Nach den vergangenen frostigen Wochen, welche den Schliersee zu dickem Eis erstarren ließen, atmen die Menschen nun auf, denn die „Eiszeit“ hat heute für jeden deutlich spürbar ihren Höhepunkt überschritten, und die Eisdecke des Sees wird schon in wenigen Tagen nicht mehr tragen. Jeder fühlt es ‒ nur noch zwei Monate, und dann wird es Frühling.

An manchen Stellen bilden sich schöne Eismuster, und der schnell gefrostete Schnee am Ufer ist überzogen mit fächerförmigen Eiskristallen, die bei Berührung zerfallen wie kleine Dominosteinchen.

In den glücklichen Gesichtern der zahlreichen „Eismenschen“ lässt es sich ablesen, in Hunderten  von Selfies wird es festgehalten: Der letzte Tag auf dem Eis in diesem Jahr ‒ sonnenüberflutet unter tiefblauem Himmel und mitten auf dem Schliersee ‒ erwärmt das Eis in unser aller Herzen, und so viele Menschen verspüren heute unvergesslich „für einen Moment das Glück Schliersee“.

Fotos+Text: 29.1.2017 Helmut Jenne sen.

 

 

Helmut Jenne Helmut Jenne

Auf seinen Streifzügen durch die Natur ist sein Fotoapparat ein ständiger Begleiter. Helmut Jenne, wohnhaft in Schliersee, ist Musiker und EDV-Fachmann, Fotokünstler und Naturliebhaber. Mit seinen Fotos dokumentiert er seine Erlebnisse auf sehr natur- und heimatverbundene Weise, und so entstehen - trotzdem weltoffen - tief empfundene Momente und Blicke auf Landschaften, Pflanzen und Tiere der Berg- und Seenwelt rund um Schliersee.

 

 

 

Spitzingsee im Winter: Familienvergnügen für Groß und Klein

Eine magische Winterlandschaft umgibt den zugefrorenen Spitzingsee. Inmitten des Mangfallgebirges zwischen Jägerkamp, Taubenstein, Rotwand, Stümpfling, Bodenschneid und Brecherspitz liegt einer der größten Bergseen Bayerns. Jetzt im Januar ist er zugefroren und Treffpunkt von Touristen und Einheimischen.

Mit etwas mehr als 28 Hektar Fläche bietet er genügend Platz für viele Spaziergänger, Eisläufer, Langläufer, Jogger, Eltern, die ihre Kinder auf dem Schlitten über den See ziehen, und Teams, die sich im Eisstockschießen versuchen und Wettkämpfe austragen.

Vorsichtig betrete ich die Eisfläche und prüfe am Rand, ob das Eis auch wirklich dick genug ist. Ein Minimum von 15 cm Dicke wird von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) empfohlen, und trotzdem bleibt ein Restrisiko, da das Eis je nach Strömung und Beschaffenheit des Grundes unterschiedlich stark sein kann. Es muss über einen längeren Zeitraum Minusgrade haben, damit die Eisdecke dick genug ist, um sie zu betreten und darauf Schlittschuh zu laufen. Man sollte nie alleine auf dem Eis unterwegs sein und etwaige Risse und ein Knacken durchaus beachten. Bedenke: Der Gang über das Eis erfolgt stets auf eigene Gefahr!

Der Spitzingsee ist heute von einer dicken Schneeschicht bedeckt. Dort, wo der Schnee für die Schlittschuhfahrer und Eishockeyspieler geräumt ist, erscheint das Eis blau bis durchsichtig, was ein gutes Zeichen ist. Vereinzelt kann man in Ufernähe die Wasserpflanzen unterhalb des Eises erkennen. Trotz der vielen Menschen, die sich auf dem Eis vergnügen, können wir dank der Größe des Sees einen idyllischen, fast einsamen Spaziergang zu zweit unternehmen. Die Bergkulisse wirkt aus dieser eher ungewohnten Perspektive wie ein schützender Ring aus Bäumen und Felsen.

Am Ufer kann man in der Schneebar einen Jagertee trinken und ein paar Wiener essen, oder man gönnt sich einen Glühwein direkt an der Eisstockbahn, während die Mitspieler dabei sind, ihren Eisstock über die geräumte Eisfläche zu schießen. Eisstockschießen ist ein alter Volkssport und durchaus auch dem bayerischen Brauchtum zuzurechnen. Für 5 Euro pro Eisstock kann man eine Stunde lang die Bahn für ein ausgelassenes Spiel nutzen. Die Menschen hier wirken entspannt und entschleunigt. Wenn man ihnen in die Gesichter sieht, spiegeln diese zwar die Kälte des Wintertages, aber auch die Freude am ungezwungenen Beisammensein ‒ sei es beim Spiel, gemeinsamen Eislaufen oder beim Ziehen der fröhlichen Kids über die Eisdecke.

Schon August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798‒1874) beschrieb vor über einem Jahrhundert den Eislauf in seinem Gedicht:

Der Eislauf

Der See ist zugefroren
Und hält schon seinen Mann
Die Bahn ist wie ein Spiegel
Und glänzt uns freundlich an.

Das Wetter ist so heiter.
Die Sonne scheint so hell.
Wer will mit mir ins Freie?
Wer ist mein Mitgesell?

Da ist nicht viel zu fragen:
Wer mit will, macht sich auf.
Wir geh‘n hinaus ins Freie,
Hinaus zum Schlittschuhlauf.

Was kümmert uns die Kälte?
Was kümmert uns der Schnee?
Wir wollen Schlittschuh laufen,
Wohl auf dem blanken See.

Da sind wir ausgezogen
Zur Eisbahn also bald,
Und haben uns am Ufer
Die Schlittschuh angeschnallt.

Das war ein lustig Leben
Im hellen Sonnenglanz!
Wir drehten uns und schwebten,
Als wär‘s ein Reigentanz.

 

 

Ulrike Mc Carthy Ulrike Mc Carthy

Geborene Münchnerin und seit vielen Jahren begeisterte „Wahl-Schlierseerin“ Personaldiagnostikerin, Trainerin, Seminarleiterin, Hypno- und Gesprächstherapeutin, Hofbetreuerin im altbayerischen Dorf und vor allem Hobby-Fotografin.

 

 

Auf die Kufen, fertig, los …

– mit etwas Glück in Schliersee an Weihnachten Schlittschuhlaufen

Stefan Hornfeck ist seit sechs Jahren Eismeister im Natureisstadion (http://www.eisstadion-schliersee.de/) des TSV Schliersee, Sparte Eishockey, im Schatten des Freudenbergs. Mit viel Liebe zum Eis engagiert sich Stefan in einem der wenigen letzten Natureisstadien Deutschlands. Leider kann aufgrund der Auflagen des Bayerischen Eissportverbandes kein Ligaspielbetrieb mehr durchgeführt werden. Somit wird das Stadion nur noch für den Trainings- und Freundschaftsspielbetrieb sowie für den öffentlichen Eislauf und Eisstockschießen genutzt.

Stefan zeigt mir Bilder aus alten Zeiten. 1949 fand sogar eine Eisrevue in Schliersee statt. „Damals war Eislaufen Kult!“, erzählt mir Stefan. Aufgewachsen in Schliersee, hat er jede freie Minute im Winter auf dem Eis verbracht. „Ich war stolz, wenn ich beim Eismachen helfen durfte“, so Stefan mit leuchtenden Augen.

Jetzt ist er für das Eismachen alleine verantwortlich und immer noch mit der gleichen Freude dabei. „Bodenfrost ist das A und O bei einem Natureisstadion“, erklärt mir Stefan. Das ist auch der Grund, warum es um Weihnachten eher schwierig ist für einen Eislaufbetrieb. Dieses Jahr allerdings sieht er schon die Möglichkeit, denn Bodenfrost hatten wir schon – da legt er auch gerne ein paar Nachtschichten ein. Um 6 Uhr morgens geht das Eismachen am besten, da die Luftfeuchtigkeit am niedrigsten ist. Erfahrung hat Stefan. Beziehungen auch ‒ den fehlenden Schnee zum Ausbessern der Eisfläche hat er kurzerhand bei den Alpenbahnen Spitzingsee (http://www.alpenbahnen-spitzingsee.de/) organisiert ‒ Kunstschnee.

Das kleine Vereinsheim ist wirklich gemütlich, ein neuer Schlittschuh-resistenter Boden wurde frisch verlegt. Es gibt Umkleiden und für das Mannschaftstraining auch Duschen. Außerdem bietet Stefan Kleinigkeiten zum Essen und Trinken an. Mit Cappuccino und Glühwein ist er bestens gerüstet für die kalten Tage.

 

Intersport Berauer (http://www.intersport-berauer.de/) in Schliersee bietet eine kleine Auswahl an Schlittschuhen für 10,- € am Tag zum Verleih an. Stefan kann manchmal auch in Notfällen aus seinem Fundus aushelfen.

Es geht gemütlich zu am Schlierseer Natureisstadion. Bei Musik drehen die Kleinen auf Wunsch mit Eislauflernhilfen ihre Runden, und die Eltern genießen den Tag mit einem heißen Getränk.

Die Vorfreude steigt. Jetzt heißt es Daumen drücken, dass es kalt bleibt, denn dann steht dem Spaß nichts mehr im Wege. Auch an Heiligabend will Stefan ein paar Stunden aufmachen, wenn das Wetter mitspielt. Mein besonderer Tipp fürs „Warten aufs Christkind“ in Schliersee: Schlittschuhlaufen! (unbedingt vorher anrufen, ob der Eislauf stattfinden kann!)

Öffnungszeiten: täglich von 14-17 Uhr und Di. und Fr. zusätzlich von 19-22 (je nach Witterung)

Nähere Auskünfte erhalten Sie unter der Tel.-Nr. 08026/2177 (Eisheim) oder unter www.eisstadion-schliersee.de.

Eintritt: Erwachsene 2,- €, Kinder 1,- €

Mit der Schlierseer Gästekarte kostenlos!

 

 

Judith Weber Judith Weber

Redakteurin/freie Mitarbeiterin bei “Das Gelbe Blatt Miesbach”, Webdesign und Fotografie – Freude an neuen Blickwinkeln mithilfe eines Quadrokopters. Reiselustig und heimatverliebt. Lieblingsplatzerl: Insel Wörth im Schliersee