Unterwegs mit Friedhofsgärtner Jürgen Höltschl
Ich treffe Jürgen Höltschl auf dem Friedhof in Westenhofen. Während wir zwischen den Gräbern stehen, kommen drei Radlfahrer auf uns zu. Sie haben ihre Mountainbikes vor dem Friedhof abgestellt und spazieren umher. Friedhöfe besuchen sie auf ihren Touren immer wieder gerne, erzählen sie. Besonders angetan haben es ihnen die kunstvoll gestalteten Eisenkreuze an den Gräbern.
Jürgen kommt schnell mit ihnen ins Gespräch. „Seid ihr auf der Suche nach dem Grab vom Jennerwein?“, fragt er. Die drei schütteln den Kopf. Weder das Grab noch die Geschichte des bekannten Wildschützen sind ihnen ein Begriff. Also zeigt ihnen Jürgen den Weg und holt etwas weiter aus. Er erzählt von Jennerwein, dessen Leben und Tod bis heute zahlreiche Geschichten, Lieder und Legenden liefern. Die drei Radlfahrer hören aufmerksam zu. Aus einem zufälligen Friedhofsbesuch wird so eine kleine Geschichtsstunde. „Jennerwein war schon ein Halodri, aber ein guter Kerl“, sagt Jürgen abschließend und schmunzelt. Historisch belegt ist vor allem, dass Georg Jennerwein als Wildschütz lebte und 1877 von Jagdaufsehern erschossen wurde. Vieles Weitere gehört längst zur Legende um seine Person.
Solche Begegnungen gehören für Jürgen zum Arbeitsalltag. Das Jennerwein-Grab zieht regelmäßig Besucher an. Täglich kommen zehn oder mehr Menschen, um es zu sehen. Wer es nicht auf Anhieb findet, fragt den Friedhofsgärtner.
Viel Arbeit zwischen den Gräbern
Seit 26 Jahren arbeitet Jürgen Höltschl für die Gemeinde Schliersee. Seit sechs Jahren kümmert er sich um die beiden gemeindlichen Friedhöfe. Rund 1.800 Gräber gibt es in Westenhofen, etwa 500 auf dem Friedhof in Schliersee. Im Sommer beginnt sein Arbeitstag meistens mit dem Gießen. Danach geht es mit der Fräse, dem gasbetriebenen Abflammgerät oder der Hacke weiter. Löwenzahn und anderes hartnäckiges Unkraut müssen entfernt, Wege gepflegt und Rasenflächen gemäht werden. Im Herbst wartet die große Hecke. Gerüst aufbauen, schneiden, alles wieder abbauen und aufräumen. Auch das gehört dazu. Wichtig ist ihm vor allem, dass die Wege sauber sind und der Friedhof gepflegt aussieht. Die Grabsteinkontrolle gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben. Mit einem speziellen Gerät wird geprüft, ob die Steine sicher stehen. Wenn ein Grabstein wackelt oder eine Einfassung nicht mehr richtig sitzt, werden die Grabinhaber von der Gemeinde informiert.
Jürgen freut sich über alle, die mithelfen und die Fläche rund um das von ihnen gepflegte Grab sauber halten.
Ein Platz für die letzte Ruhe
Wenn eine neue Grabstelle ausgewählt werden muss, nimmt Jürgen sich Zeit. Er fragt, ob das Grab gut erreichbar sein soll, ob ein sonniger oder schattiger Platz gewünscht ist und wie weit der nächste Brunnen entfernt sein darf. Er weiß, dass Menschen in dieser Situation jemanden brauchen, der zuhört und Rücksicht nimmt.
Und was macht Jürgen, wenn er nicht arbeitet?
Dann ist er in den Schlierseer Vereinen aktiv oder mit dem Radl in den Bergen unterwegs. Besonders gerne ist er auf dem Weinberg. Dort genießt er die Ruhe und den Blick auf den Schliersee. Auch am Spitzingsee verbringt er gerne seine freie Zeit

Judith Weber
Heimatverliebt und reiselustig. Ich liebe Schliersee zu jeder Jahreszeit und bin immer auf der Suche nach neuen Blickwinkeln und Inspirationen. Mit einem Auge für das aktuelle Geschehen interessiere ich mich für alles, was in Schliersee los ist.











