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Der fliegende Edelstein vom Schliersee

Langsam nähere ich mich meinem Beobachtungspunkt auf dem Brückerl über die Schlierach. Tarngrün und in ruhigen Bewegungen blicke ich durch ein handliches Fernglas ‒ und da sitzt er, regungslos, in voller Farbenpracht, zwischen den frisch verschneiten Ästen, ungefähr zwei Meter über dem Wasser ‒ ein Eisvogel.

helmutjennesen-eisvogel-05100_v4Wie in Zeitlupe greife ich zu meiner Kamera, nur ein einziges Foto gelingt, dann schießt er blitzartig ins Wasser, taucht mit einem Fischchen im Schnabel wieder auf und verschwindet im Bruchteil einer Sekunde hinter einem Busch.

Seit einigen Jahren ist der Eisvogel wieder häufiger am Schliersee und in der Schlierach zu beobachten ‒ ein gutes Zeichen dafür, dass Wasserqualität und natürliche Wildnis diesem beeindruckenden Vogel in Schliersee ein Zuhause bieten können, und welch eine Bereicherung für die Artenvielfalt in unserer Heimat, denn zu Recht wird er auch „der fliegende Edelstein“ unter den Vögeln genannt und ziert das Wappen des Landesbundes für Vogelschutz (LBV).

Trotz seiner bescheidenen Körpergröße lassen mich seine Geschwindigkeit, Wendigkeit und Farbenpracht als Mensch ganz schön klein erscheinen.

Im Herbst wird es still, denn die meisten Zugvögel sind dann längst in wärmere Gefilde entflohen.

Neben dem Eisvogel sind in Wassernähe ganzjährig auch noch besondere Vogelarten, wie z. B. Wasseramsel, Zaunkönig, Rotkehlchen, Amsel und vereinzelt Graureiher zu sehen.

Der Schliersee gefriert im Winter in den meisten Jahren vollständig zu, und so bildet die eisfreie Schlierach für diese seltenen Vogelarten besonders dann ein überlebenswichtiges Zuhause. Wir in Schliersee sollten deshalb gut auf unser kleines Bächlein achten.

Nicht alle Eisvögel überwintern bei uns in Bayern, viele kommen erst ab Februar in ihre Brutgebiete zurück. Doch bei uns in Schliersee machte ich die meisten Beobachtungen in den kühleren Herbst- und Wintermonaten, vermutlich, weil dann Jungtiere oder vorwiegend Männchen auf ständiger Suche nach neuen Revieren oder ergiebigen Nahrungsplätzen unterwegs sind.

Ein naturbewusster Spaziergang zum Freibad auf der Westseite des Schliersees oder vom Auslauf des Schliersees entlang der Schlierach bis zum Brückerl an der alten Mühle bietet Naturfreunden  zahlreiche Beobachtungsstellen, an denen man dem Eisvogel – ohne ihn zu stören ‒ begegnen kann (siehe Hinweiskarte). Zumeist fliegt er pfeilschnell knapp über der Wasseroberfläche dem Bach entlang an einem vorbei ‒ und das war es dann auch schon. Nur mit ruhigem Verhalten, Ausdauer, viel Geduld, einem Fernglas und stets immer wieder das Wasser im Blick, ergibt sich manchmal eine zufällige Gelegenheit, ihn sitzen zu sehen, und es näher und länger beobachten zu können,

„für einen Moment das Glück Schliersee“.

Text + Fotos: 07.11.2016 Helmut Jenne Sen.

Vogelbeobachtungen im Landkreis Miesbach auf der Internetseite des LBV Miesbach
http://www.lbv-miesbach.de/vogelbeobachtungen/bemerkenswerte-nachweise.html

 

Helmut Jenne Helmut Jenne

Auf seinen Streifzügen durch die Natur ist sein Fotoapparat ein ständiger Begleiter. Helmut Jenne, wohnhaft in Schliersee, ist Musiker und EDV-Fachmann, Fotokünstler und Naturliebhaber. Mit seinen Fotos dokumentiert er seine Erlebnisse auf sehr natur- und heimatverbundene Weise, und so entstehen - trotzdem weltoffen - tief empfundene Momente und Blicke auf Landschaften, Pflanzen und Tiere der Berg- und Seenwelt rund um Schliersee.

„Großer Fuchs“ in Schliersee – Eine Wanderung für alle Sinne

Das Frühjahr entdecken im Herzen Schliersees

An den ersten warmen Sonnentagen im Frühling ab Mitte März bis Anfang April, wenn sich der Schnee im kleinen Ort Schliersee nicht mehr hält, stürzt sich alles Leben eifrig ins Frühjahrsgetümmel ‒ „DIE GELEGENHEIT“ für besondere Entdeckungen!

Vom Schlierseer Rathaus über die Hans-Miederer-Straße bis zur Hochburg wären es eigentlich nur 10 Minuten zu Fuß, aber ich nehme mir bewusst zwei Stunden Zeit, um die vielen versteckten „kleinen Wunder“ der Natur und Kultur, die mir hier zufällig am Wegesrand begegnen, auch „erstaunen“ zu können. Gegen 10 Uhr gehe ich los.

(c)HelmutJenneSen-DerWegZurWeinbergkapelle

Rechts vom Schlierseer Rathaus führt ein schmaler Weg hinauf zur Weinbergkapelle St. Georg.

Während ich gehe, lausche ich aufmerksam den Vogelgesängen und erkenne Stare, Blaumeisen, Amseln, Kleiber und Rabenkrähen. Ein knallgelber Zitronenfalter fliegt unübersehbar vorüber.

Erste Blüten von weißen Buschwindröschen, blauen Leberblümchen, gelben Schlüsselblumen und Huflattich spitzen aus dem Boden, und dann ‒ eine kleine Sensation ‒, ein Schmetterling, der in unserer Gegend eigentlich nicht vorkommt, nämlich der „Große Fuchs“, setzt sich genau vor mir ins Gras.

Diese in Deutschland sehr gefährdete Tagfalterart versucht seit einigen Jahren fast unbemerkt, den Landkreis Miesbach zu erobern, mitunter indirekt ein Verdienst vieler Naturschutzmaßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt. Ein zunehmend achtsamer Umgang mit der Natur bringt uns insgesamt mehr Lebensqualität zurück. Außergewöhnliche Naturbeobachtungen können Naturfreunde der Naturschutzbehörde des Landratsamts Miesbach und interessante Vogelbeobachtungen direkt dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) melden.

(c)HelmutJenneSen-Zitronenfalter(c)HelmutJenneSen-KönigLudwigIIDenkmal(c)HelmutJenneSen-AussichtWeinbergkapelle

An einer Büste König Ludwigs des II. halte ich kurz inne. Auch der „Bayern-Kini“ soll hier gewesen sein, und so wie er damals, so genieße auch ich heute auf einer der Bänke vor der Kapelle St. Georg die Aussicht über Schliersee.

Hinter der Kapelle führt der Weg wieder hinab zur Hans-Miederer-Straße. Unten angekommen, folge ich der Straße aufwärts zwischen historischen Bauernhäusern und stattlichen Häuschen.

Mitten in einer Hecke blühen Märzenbecher, in den Gärten Krokusse, Schneeglöckchen, ja sogar gepflanzte rosa Schneerosen sind zu entdecken.

Hoch über mir fliegt ein seltener Tannenhäher und setzt sich auf die Spitze der höchsten Fichte. Nur durch sein leises Krächzen wurde ich auf ihn aufmerksam.

Ein unscheinbarer Weg führt links hinauf zur Hochburg, ein schon seit dem Mittelalter genutzter Burgberg. Heute ziert ihn das sehenswerte Karl-Haider-Denkmal des Fremdenverkehrsvereins Schliersee e.V.

(c)HelmutJenneSen-AussichtVonDerHochburg

Besonders im Frühjahr hat man von hier oben durch den noch niedrigen Bewuchs eine schöne Aussicht auf den Schliersee und die Berge. Unter der Woche verläuft sich zu dieser Jahreszeit kaum jemand hierher ‒ dann lässt sich die Natur in Ruhe beobachten.

Entspannt sitze ich auf einer Bank, vor mir spitzen erste Veilchen zwischen Dornen hervor, und der „Kleine Fuchs“ (leicht zu verwechseln mit dem etwas größeren „Großen Fuchs“) fliegt in dieser Zeit schon zahlreich in werbendem Hochzeitstanz. Hinter mir raschelt ein Eichhörnchen, auf Bayerisch „Oachkatzl“ (Eichkätzchen), und sucht nach seinen letzten Wintervorräten.

Auf einem fast zugewachsenen dornigen Schleichwegerl gehe ich in kleinen Serpentinen abwärts und entdecke unterhalb der Hochburg wild wachsende Eiben. Die Eibe ist ein seltener strauchiger Baum, aber Vorsicht, er ist sehr giftig!

Nach zwei Stunden gegen Mittag komme ich voller Freude zurück, und der Biergarten vom Ratskeller gleich neben dem Rathaus hat zufällig schon geöffnet, eine gute Gelegenheit für„a guade Brotzeit“.(c)HelmutJenneSen-BiergartenAmRathaus

Naturbewusst und genussvoll kann es sein, „für einen Moment das Glück Schliersee“.

 

Biergarten Ratskeller Schliersee
http://www.ratskeller-schliersee.com/

Fremdenverkehrsverein Schliersee e. V.
http://www.schliersee-touristik.de/

Fachlicher Naturschutz
http://www.landkreis-miesbach.de/Bürgerservice/Dienstleistungen/Natur_Umwelt/Naturschutz/

Landesbund für Vogelschutz
http://www.lbv-miesbach.de/start.html

 

Helmut Jenne Helmut Jenne

Auf seinen Streifzügen durch die Natur ist sein Fotoapparat ein ständiger Begleiter. Helmut Jenne, wohnhaft in Schliersee, ist Musiker und EDV-Fachmann, Fotokünstler und Naturliebhaber. Mit seinen Fotos dokumentiert er seine Erlebnisse auf sehr natur- und heimatverbundene Weise, und so entstehen - trotzdem weltoffen - tief empfundene Momente und Blicke auf Landschaften, Pflanzen und Tiere der Berg- und Seenwelt rund um Schliersee.