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Spätsommer-Bootsfahrt auf dem Spitzingsee

Noch sind die Bäume nicht goldgelb und orange eingefärbt wie in einem typischen „Altweibersommer“, wie wir hier im bayerischen Oberland so schön sagen, wobei der Begriff überhaupt nichts mit alten Frauen zu tun hat!

„Im Schriftsprachlichen wird der ,Altweibersommerʻ seit Anfang des 19. Jahrhunderts erwähnt, als man das Jahr noch in die Winter- und die Sommerhälfte einteilte. … Dieser Wärmerückfall, der uns zwischen Mitte September und Anfang Oktober ein paar strahlend sonnige Tage beschert, wird durch ein Festlandhoch über Osteuropa bestimmt, das trockene Luft nach Mitteleuropa bringt.

Wenn dann ein lauer Wind weht, lassen sich viele kleine Spinnen an ihren zarten Fäden durch die Luft pusten. Die Krabbeltiere haben unmittelbar mit der Namensgebung zu tun, denn ,Weibenʻ ist ein altdeutscher Ausdruck für das Knüpfen von Spinnweben. In klaren Septembernächten kühlt es schon stark ab, sodass die vom Tau benetzten Spinnweben in der Morgensonne deutlich zu erkennen sind. Die glitzernden Fäden erinnern an die langen silbergrauen Haare älterer Frauen.“

 

 

Mein Tipp für diese wunderschöne Jahreszeit, die uns sicherlich noch mit ein paar warmen Tagen überrascht, bevor der kühlere Herbst beginnt:

Fahren Sie an den Spitzingsee, einen der größten Bergseen Bayerns, der vor allem auch einer der schönsten ist! Mieten Sie sich ein Boot – es gibt Elektro- und Tretboote und sogar ein kleines Segelboot ist vertäut – und fahren Sie auf den See hinaus. Sie werden von ein paar Enten begleitet und können die Blesshühner im Schilf bei ihrer Suche nach etwas Essbarem beobachten. Umgeben vom Mangfallgebirge und dem Ort Spitzingsee sowie dem bewaldeten Ufer können Sie sich in aller Ruhe treiben lassen und die Natur hier bei uns draußen genießen. Es gibt nichts Schöneres, um die letzten warmen Sonnenstrahlen zu genießen!

 

 

Ulrike Mc Carthy Ulrike Mc Carthy

Geborene Münchnerin und seit vielen Jahren begeisterte „Wahl-Schlierseerin“
Personaldiagnostikerin, Trainerin, Seminarleiterin, Hypno- und Gesprächstherapeutin, Hofbetreuerin im altbayerischen Dorf und vor allem Hobby-Fotografin.

 

 

Der Taubenstein – ein Bergwandererlebnis für Naturverbundene und Familien

Es ist mal wieder so weit: Der Berg ruft!

„Aufi zu die schwarzen Wolken ziagt‘s mi halt mit
aller G‘walt, i kim scho Berg i kim.
Secht‘s sa‘s denn net liabe Leit,
i muass am Berg und des no heit.“

Wolfgang Ambros

Das Mangfallgebirge ist ein perfektes Wandergebiet für Familien, da die Besteigung im Vergleich mit anderen Gebirgen gemäßigt ist. Trotzdem ist natürlich auch hier Vorsicht angebracht sowie auf gutes Schuhwerk (Bergstiefel!) und ausreichend Flüssigkeit zu achten. Wichtig ist in den Bergen immer eine gute Trittsicherheit. Wer es ruhig angehen möchte, kann mit der Taubensteinbahn in kleinen 4er-Gondeln bis zur Bergstation auf 1.613 m Höhe fahren und spart sich so ca. 550 Höhenmeter. Von hier aus kann man ins Rotwandgebiet wandern und mit etwas Glück auch Gämsen und sogar Murmeltiere sehen. Die Mitnahme eines Fernglases kann ich nur empfehlen.

Zwei kurze felsige Aufstiege müssen bewältigt werden, und dann ist es eine relativ einfache Wanderung bis zum Rotwandhaus. In den Sommermonaten kann man vom Wegesrand aus die eine oder andere wilde Orchidee entdecken. Es wird aus Sicherheits- und Naturschutzgründen dringend empfohlen, die Wege nicht zu verlassen. Sämtliche seltene Pflanzen wachsen genauso in der Nähe der Pfade und können von hier aus bewundert werden.

Von der Bergstation aus kann man selbstverständlich auch in die andere Richtung, z. B. zur Jägerkamp (1.746 m), oder zur Aiplspitz wandern. Auch der Abstieg zur Oberen Maxlraineralm ist empfehlenswert. Hier kann man gut einkehren, übernachten ‒ und es gibt sogar einen Pool.

Auf den Almwiesen leben während der Sommermonate bis in den frühen Herbst hinein unsere Kühe. Rund um den Taubenstein kann man unterschiedliche Rassen beobachten. Es gibt Herden, die aus ausgewachsenen Kühen und Bullen bestehen, aber auch Kälber genießen die Bergluft und das frische Gras. Kühe sind i. d. R. friedliebende Tiere, aber sie sind auch neugierig, ganz besonders die Kälber. So passiert es, dass das eine oder andere Kalb den Wanderern sehr nahe kommt. Und dann ist Vorsicht angesagt, weil die Mütter ihrem Instinkt entsprechend ihre Kälber beschützen und verteidigen. Daher mein Rat: Halten Sie ausreichend Abstand zu den Herden und Einzeltieren (20-50 m). Bleiben Sie wenn möglich auf den Wanderwegen. Erschrecken und füttern Sie die Tiere nicht. Hunde müssen angeleint bleiben! Außer bei einem Angriff, da sollte der Hund von der Leine gelassen werden. Versuchen Sie nicht, ihn zu schützen, er ist schneller als die Kuh. Wenn man diese einfachen Regeln beherzigt, dann steht einem friedlichen Miteinander auf der Weide eigentlich nichts mehr im Wege.

In diesem Sinne: Erhören Sie den Ruf des Berges und nutzen Sie die wärmere Jahreszeit für eine erlebnisreiche Wanderung mit der ganzen Familie rund um den Taubenstein.

 

 

Anfahrt:
Mit der Bahn: Von München fährt man mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) nach Fischhausen-Neuhaus. Von dort geht es mit dem Bus bis zur Talstation der Taubensteinbahn weiter.
Mit dem Auto: Von München aus nimmt man die Autobahn A8 Richtung Salzburg bis zur Ausfahrt Weyarn. Über Thalham, Miesbach, Hausham, Schliersee und Neuhaus in Richtung Bayrischzell fahren. Etwa 1 km hinter Neuhaus rechts die ausgeschilderte Straße hoch zum Spitzingsee abzweigen und bis zur Talstation Taubenstein kurz vor der Ortschaft „Spitzingsee“ fahren. An der Taubensteinbahn befindet sich ein Parkplatz, der für Seilbahnnutzer kostenfrei ist (Abgabe der Parkscheinquittung an der Kasse!).

 

 

Alpenbahnen Spitzingsee GmbH

Spitzingseestraße 12
83727 Schliersee-Spitzingsee
Tel. +49 8026 9292230
info@alpenbahnen-spitzingsee.de

http://www.alpenbahnen-spitzingsee.de/sommer/sommer/

 

 

 

Ulrike Mc Carthy Ulrike Mc Carthy

Geborene Münchnerin und seit vielen Jahren begeisterte „Wahl-Schlierseerin“
Personaldiagnostikerin, Trainerin, Seminarleiterin, Hypno- und Gesprächstherapeutin, Hofbetreuerin im altbayerischen Dorf und vor allem Hobby-Fotografin.

 

 

 

Rund um den Spitzingsee – ein Sommerspaziergang für die ganze Familie

„In einer eindrucksvollen Kulisse umschließen dunkle Bergwälder den wildromantischen Spitzingsee südlich des Schliersees. Mit einer Fläche von 28 Hektar ist er Bayerns größter Hochgebirgssee.“

(http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/seen/objekte/spitzing.htm)

Der Spitzingsee liegt auf 1.084 m Höhe südlich des Spitzingsattels mitten im Mangfallgebirge. Im Sommer, wenn die typischen bayerischen Schäfchenwolken am Himmel stehen und sich auf der Oberfläche spiegeln, wirkt er besonders malerisch. Dieses idyllische Fleckchen Erde inmitten der Berggipfel verlockt geradezu zu einem beschaulichen Spaziergang rund um den See. Dank des gepflegten Rundweges können auch Familien mit Kinderwägen sowie Radfahrer und Jogger mühelos die Strecke bewältigen. Es gibt einiges zu sehen: Seerosenfelder mit wunderschönen gelben Blüten, die ihre Pracht im Laufe des Sommers erst noch vollständig entfalten. Schachtelhalmwiesen im knietiefen Wasser, zwischen denen Blesshühner nach Nahrung suchen. Bergwald, der einen harzigen Duft verströmt ‒ und vieles mehr.

Für die Umrundung benötigt man bei gemütlichem Gehen mit einigen Fotopausen ca. 1,5 Stunden. Die Uferlänge beträgt etwa 3 km. Da kaum Höhenmeter zu überwinden sind, ist keine besondere Kondition notwendig. Trotzdem möchte ich Ihnen unbedingt Wanderschuhe sowie die Mitnahme von ausreichend Flüssigkeit ans Herz legen. Wir befinden uns am Spitzingsee im Gebirge, und ab und an können eine Wurzel und kleinere Gesteinsbrocken den Weg kreuzen.

In der kleinen Ortschaft „Spitzingsee“ gibt es eine Vielzahl an guten Gasthöfen, in welchen u. a. „echt bayerische Kost“ genossen werden kann. Selbstverständlich gibt es auch Eisvariationen sowie Kaffee und Kuchen für die Sommerfrischler. Ein großer, wunderschön angelegter Spielplatz aus Naturholzbalken beschäftigt die Kinder, welche hier das eine oder andere Abenteuer erleben können. Natürlich darf auch gebadet werden. Und wer seine Freizeit lieber auf dem Wasser verbringt, kann sich ein Tret- oder Elektroboot mieten und eine romantische Rundreise über den See antreten.

Mein Tipp: Packen Sie Ihre Wanderschuhe, eine kleine Brotzeit  und Badesachen ein. Nutzen Sie den Sommer für einen Ausflug in den Süden von München und genießen Sie einen erholsamen Tag mit der gesamten Familie in den Oberbayerischen Alpen!

 

 

Ulrike Mc Carthy Ulrike Mc Carthy

Geborene Münchnerin und seit vielen Jahren begeisterte „Wahl-Schlierseerin“
Personaldiagnostikerin, Trainerin, Seminarleiterin, Hypno- und Gesprächstherapeutin, Hofbetreuerin im altbayerischen Dorf und vor allem Hobby-Fotografin.

 

 

 

Paradies für Bergliebhaber – dem Himmel so nah! Eine Fotosafari …

Anfang Mai, Sonnenschein, blauer Himmel und ein paar Stunden Zeit …

Ich mache mich auf den Weg in die Berge, genauer gesagt auf den Taubenstein im Mangfallgebirge (Höhe 1.692 m). Kurz vor Spitzingsee biege ich links auf den Parkplatz an der Taubensteinbahn ab. Es ist mitten in der Woche und kaum ein Mensch unterwegs. Ich bin völlig allein in der Gondel und nutze die Fahrt, um meine Kamera vorzubereiten und die spektakuläre Aussicht zu bestaunen. Oben angekommen, finde ich mich im tiefsten Winter wieder und bereue es, keine Schneeschuhe mitgenommen zu haben.

Es ist einfach wunderschön! Ein perfekter Fernblick in die „blauen“ Berge rundherum und strahlend weißer Schnee, welcher das Licht der Sonne reflektiert und ein funkelndes Leuchten auf die frische Schneeoberfläche zaubert.

Hinter zwei Touristen aus München mache ich mich auf den Weg zum Gipfel. Gar kein leichtes Unterfangen, weil wir immer wieder bis zur Hüfte im Schnee versinken. So weit es geht, nutzen wir die Spuren unserer „Vorgänger“ …

Das nette Paar mit seinen zwei Hunden kehrt nach ein paar Höhenmetern wieder um, da sie den anstrengenden Abstieg fürchten. Ich laufe noch ein paar Kehren weiter und werde mit einem atemberaubenden Blick auf den Wendelstein und schließlich auch auf die steilen Felsen des Taubenstein belohnt. Weiter steige ich nun auch nicht mehr hinauf, da meine Ausrüstung hierfür nicht ausreichend ist. In den Bergen ist es unbedingt notwendig, keine unnötigen Risiken einzugehen und sich nicht zu überschätzen!

Wieder an der Bergstation angekommen, mache ich es mir in der Sonne gemütlich und gönne mir einen heißen Lumumba im Taubensteinstüberl. Es sind auch einige Tourenskifahrer da, die zu einer Almhütte abfahren. Und auch ein Mountainbiker macht sich auf den Weg bergab …

Wer die Bergwelt liebt und sich am Ausblick berauschen kann … und wer die Stille und Ruhe sucht, der ist hier genau richtig!

 

Alpenbahnen Spitzingsee GmbH
Spitzingseestraße 12
83727 Schliersee-Spitzingsee
Tel. +49 8026 9292230
info@alpenbahnen-spitzingsee.de

http://www.alpenbahnen-spitzingsee.de/sommer/sommer/

 

 

Ulrike Mc Carthy Ulrike Mc Carthy

Geborene Münchnerin und seit vielen Jahren begeisterte „Wahl-Schlierseerin“
Personaldiagnostikerin, Trainerin, Seminarleiterin, Hypno- und Gesprächstherapeutin, Hofbetreuerin im altbayerischen Dorf und vor allem Hobby-Fotografin.

 

 

 

Spitzingsee im Winter: Familienvergnügen für Groß und Klein

Eine magische Winterlandschaft umgibt den zugefrorenen Spitzingsee. Inmitten des Mangfallgebirges zwischen Jägerkamp, Taubenstein, Rotwand, Stümpfling, Bodenschneid und Brecherspitz liegt einer der größten Bergseen Bayerns. Jetzt im Januar ist er zugefroren und Treffpunkt von Touristen und Einheimischen.

Mit etwas mehr als 28 Hektar Fläche bietet er genügend Platz für viele Spaziergänger, Eisläufer, Langläufer, Jogger, Eltern, die ihre Kinder auf dem Schlitten über den See ziehen, und Teams, die sich im Eisstockschießen versuchen und Wettkämpfe austragen.

Vorsichtig betrete ich die Eisfläche und prüfe am Rand, ob das Eis auch wirklich dick genug ist. Ein Minimum von 15 cm Dicke wird von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) empfohlen, und trotzdem bleibt ein Restrisiko, da das Eis je nach Strömung und Beschaffenheit des Grundes unterschiedlich stark sein kann. Es muss über einen längeren Zeitraum Minusgrade haben, damit die Eisdecke dick genug ist, um sie zu betreten und darauf Schlittschuh zu laufen. Man sollte nie alleine auf dem Eis unterwegs sein und etwaige Risse und ein Knacken durchaus beachten. Bedenke: Der Gang über das Eis erfolgt stets auf eigene Gefahr!

Der Spitzingsee ist heute von einer dicken Schneeschicht bedeckt. Dort, wo der Schnee für die Schlittschuhfahrer und Eishockeyspieler geräumt ist, erscheint das Eis blau bis durchsichtig, was ein gutes Zeichen ist. Vereinzelt kann man in Ufernähe die Wasserpflanzen unterhalb des Eises erkennen. Trotz der vielen Menschen, die sich auf dem Eis vergnügen, können wir dank der Größe des Sees einen idyllischen, fast einsamen Spaziergang zu zweit unternehmen. Die Bergkulisse wirkt aus dieser eher ungewohnten Perspektive wie ein schützender Ring aus Bäumen und Felsen.

Am Ufer kann man in der Schneebar einen Jagertee trinken und ein paar Wiener essen, oder man gönnt sich einen Glühwein direkt an der Eisstockbahn, während die Mitspieler dabei sind, ihren Eisstock über die geräumte Eisfläche zu schießen. Eisstockschießen ist ein alter Volkssport und durchaus auch dem bayerischen Brauchtum zuzurechnen. Für 5 Euro pro Eisstock kann man eine Stunde lang die Bahn für ein ausgelassenes Spiel nutzen. Die Menschen hier wirken entspannt und entschleunigt. Wenn man ihnen in die Gesichter sieht, spiegeln diese zwar die Kälte des Wintertages, aber auch die Freude am ungezwungenen Beisammensein ‒ sei es beim Spiel, gemeinsamen Eislaufen oder beim Ziehen der fröhlichen Kids über die Eisdecke.

Schon August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798‒1874) beschrieb vor über einem Jahrhundert den Eislauf in seinem Gedicht:

Der Eislauf

Der See ist zugefroren
Und hält schon seinen Mann
Die Bahn ist wie ein Spiegel
Und glänzt uns freundlich an.

Das Wetter ist so heiter.
Die Sonne scheint so hell.
Wer will mit mir ins Freie?
Wer ist mein Mitgesell?

Da ist nicht viel zu fragen:
Wer mit will, macht sich auf.
Wir geh‘n hinaus ins Freie,
Hinaus zum Schlittschuhlauf.

Was kümmert uns die Kälte?
Was kümmert uns der Schnee?
Wir wollen Schlittschuh laufen,
Wohl auf dem blanken See.

Da sind wir ausgezogen
Zur Eisbahn also bald,
Und haben uns am Ufer
Die Schlittschuh angeschnallt.

Das war ein lustig Leben
Im hellen Sonnenglanz!
Wir drehten uns und schwebten,
Als wär‘s ein Reigentanz.

 

 

Ulrike Mc Carthy Ulrike Mc Carthy

Geborene Münchnerin und seit vielen Jahren begeisterte „Wahl-Schlierseerin“
Personaldiagnostikerin, Trainerin, Seminarleiterin, Hypno- und Gesprächstherapeutin, Hofbetreuerin im altbayerischen Dorf und vor allem Hobby-Fotografin.

 

 

Schliersee im Winter: Skitour auf den Roßkopf (1.580 m)

Mit dichtem Schneegestöber hat der lang herbeigesehnte Winter endlich Einzug gehalten. Es herrscht dichtes Schneetreiben. Gelegentlich werden die tanzenden Flocken von einer Windböe durcheinandergewirbelt. Für wenige Augenblicke wird überraschend die Sicht frei auf die umliegenden Schlierseer Berge. Endlich scheinen sie jetzt allesamt im Winterschlaf zu liegen.

Ich ziehe die Klebefelle auf meine Ski. Die Bindung rastet ein, und ich spure die ersten Meter durch den frischen Neuschnee. Schon nach wenigen Minuten ist er wieder da, der gewohnte, lieb gewonnene Steigrhythmus. Schritt für Schritt schiebe ich meine Tourenski im Pulverschnee vorwärts, höre das monotone Klacken meiner Skitourenbindung. Meine Aufstiegsspur lege ich durch den Wald ‒ immer der gleiche Rhythmus, die gleiche Neigung, das gleiche Tempo. Jede Geländeformation wird genutzt. Es macht unsagbar Spaß, endlich wieder in meinen winterlichen Schlierseer Bergen unterwegs zu sein. Kaum eine Stunde bin ich vom Ausgangspunkt entfernt, und dennoch verspüre ich das Gefühl, dem Alltag vollkommen entrückt zu sein. Mein Atem geht gleichmäßig, Probleme des Alltags verblassen, und ich spüre innere Zufriedenheit. Skitouren bieten mir Naturerlebnis und Körpererfahrung in Vollendung ‒ ich weiß, dass ich danach süchtig bin.

Die Landschaft zeigt sich in einem Mix aus weißgrauer Eintönigkeit. Ich mag diese menschenleere, abgeschiedene und dadurch ernsthaft wirkende Atmosphäre in den Bergen, die für hochwinterliches Schlechtwetter kennzeichnend ist. In den vergangenen Jahren habe ich sie alle kennen- und lieben gelernt, all die Skitouren in der Umgebung. Meine Schlierseer Wahlheimat ist maßgeblich dafür verantwortlich. Die hier besonders waldreichen Berge sind vom Frühjahr bis in den späten Herbst – insbesondere für die Münchener ‒ ein sehr beliebtes Wandergebiet, und sie bieten – manche mögen es kaum glauben ‒ eine Fülle lohnender Skitourenmöglichkeiten. Die Lawinengefahr ist hier meist überall gering, und so sind Skitouren auch bei etwas ungünstigeren Bedingungen fast immer möglich. Zugegeben, bei keiner der Skirouten können besonders hohe Ansprüche an die jeweilige Abfahrt gestellt werden. Vielmehr ist Sensibilität für die Landschaft der Bayerischen Voralpen gefragt. Fast alle Skitouren der Region um Schliersee reduzieren sich auf lohnende Halbtagesunternehmungen.

Der Roßkopf – eine ideale Skitour für Anfänger

Charakter und Besonderheiten: Die kurze und abwechslungsreiche Skitour auf den Roßkopf (1.580 m) unweit der Stümpfling-Bergstation ist eine ideale Anfänger-Skitour. Auch mit gemütlicher Einkehr in einer der bewirtschafteten Almhütten im Pistenbereich ist diese Skitour problemlos an einem halben Tag durchführbar. Der Aufstieg vollzieht sich abseits der Skipiste anfangs durch Wald und danach über freie Hanglagen relativ einfach zum Gipfel. Die Abfahrt erfolgt über die präparierten Pisten zurück zum Ausgangspunkt. Insgesamt sollte man inklusive Einkehr für diese kurze Skitour etwa drei bis vier Stunden einplanen. All jene, die es noch etwas sportlicher mögen, haben natürlich die Möglichkeit, nach ihrer Skitour die Pisten zum Skifahren zu nutzen.

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Talort: Spitzingsee (Ortsteil von Schliersee, 1.090 m), von Schliersee über die Spitzingstraße erreichbar

Öffentliche Verkehrsmittel: BOB von München nach Fischhausen-Neuhaus, dann mit dem RVO-Bus hinauf zum Spitzingsee und weiter zur Stümpflingbahn-Talstation (alpenbahnen-spitzingsee.de)

Anforderungen/Schwierigkeit: leichte Halbtagestour ohne Orientierungsproblematik, für Kinder ab ca. zehn Jahren geeignet

Höhenunterschied: 550 Hm

Ausgangspunkt: Parkplatz an der Talstation der Stümpflingbahn

Gesamtdauer: etwa 1,5 bis max. 2 Stunden Aufstieg/0,5 Stunden Abfahrt

Beste Jahreszeit: Dezember bis März

Ausrüstung: normale Skitourenausrüstung

Einkehrmöglichkeiten: Jagahütt‘n an der Stümpflingbahn-Bergstation (http://www.jagahuettn.de), Osthangalm zwischen Kurven- und Osthanglift (http://www.osthangalm.de)

Karte: AV-Karte 1:25.000, Blatt BY15 „Mangfallgebirge Mitte, Spitzingsee, Rotwand“

Fremdenverkehrsamt: Gäste-Information Schliersee, Perfallstraße 4, 83727 Schliersee, Tel: 08026/6065-0 (http://www.schliersee.de)

Die Route: Vom Parkplatz neben der Talstation der Stümpflingbahn oberhalb vom Spitzingsee zunächst kurze Abfahrt nach links über die Piste bis zur Basis des Valeppalmlifts. Hier werden die Felle aufgezogen, und man marschiert ziemlich flach in südlicher Richtung zum nahen Haushamer Bach. Eine Brücke führt über den Bach, danach rechts und entlang des Bachs in den Wald. Mittelsteil auf einem Ziehweg zu den freien Flächen unter der Haushamer Alm. Unterhalb der Almhütte scharf nach rechts. Nun ziemlich flache Querung in nördlicher Richtung zur Grünseealm. (Achtung: Hier besteht nach ergiebigen Schneefällen an einigen kurzen Stellen Lawinengefahr!) Unter dem Roßkopf-Gipfelhang quert man nun zum östlichen Gratrücken des Roßkopfs. Kurze Querung der Piste, danach etwas steiler neben der Piste in etwa 30 Minuten zur Bergstation des Roßkopflifts und zum nahen Gipfelkreuz. Die Abfahrt erfolgt entweder nach Norden zur Stümpflingbahn-Bergstation oder zur Basis des Roßkopf-Sessellifts und danach über die präparierten Pisten zurück zum Parkplatz an der Talstation. Eine Alternative wäre die etwas anspruchsvollere Grünsee-Abfahrt zur Talstation des Valepperalmlifts. (Mit diesem Schlepplift gelangt man zurück zum Ausgangspunkt der Tour.)

 

Eckehard Radehose Eckehard Radehose

Eckehard Radehose
In Schliersee zuhause, extrem berg- und reisesüchtig seit seinem 6. Lebensjahr. Dipl. Kartograph, Journalist und langjähriger Trekking- und Expeditionsleiter mit Vorliebe für besonders hohe Gipfelziele. An die 2.500 Gipfelbesteigungen weltweit und weit über 1.000 Skitouren. Mein bevorzugter Ort: Gipfel der Baumgartenschneid bei Sonnenuntergang mit einem Glas Rotwein.